Mordfall Fabian (†8): Jetzt muss die Mutter aussagen – Und sie musste schreien, was die Anwesenden zutiefst schockierte.

ROSTOCK – Es ist der Moment, in dem die Atmosphäre im Gerichtssaal endgültig kippt. Fabians Mutter Dorina L. sitzt im Zeugenstand und muss über den schlimmsten Tag ihres Lebens sprechen. Über den Morgen, an dem sie ihren achtjährigen Sohn allein zu Hause ließ. Über die verzweifelte Suche. Und über die Nachricht, die vier Tage später jede Hoffnung zerstörte.

Dann richtet sie ihre Worte plötzlich direkt an die wegen Mordes angeklagte Gina H. Doch noch bevor Dorina ihren Gedanken zu Ende bringen kann, unterbricht sie der Vorsitzende Richter. Kurz darauf wird die Verhandlung pausiert.

Was wollte Fabians Mutter der Angeklagten sagen?

Fabians letzter Morgen lässt seine Mutter nicht los

Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock stehen zunächst die Eltern des getöteten Achtjährigen im Mittelpunkt. Am Vormittag soll Dorina L. aussagen, am Nachmittag Fabians Vater Matthias R.

Für die Mutter bedeutet dieser Termin, dass sie die Ereignisse des 10. Oktober 2025 noch einmal Schritt für Schritt durchleben muss.

Fabian fühlte sich an jenem Tag nicht wohl und ging deshalb nicht zur Schule. Während seine Mutter zur Arbeit musste, blieb er allein in der Wohnung. Dorina soll ihm ausdrücklich gesagt haben, dass er das Haus nicht verlassen dürfe.

Als sie später zurückkam, war die Wohnungstür verschlossen – doch Fabian war verschwunden. Sein Handy lag noch zu Hause. Von dem Jungen fehlte jede Spur.

Am Abend meldete Dorina ihren Sohn als vermisst. Es folgten Tage voller Angst, Hoffnung und verzweifelter Suche. Hunderte Einsatzkräfte und freiwillige Helfer beteiligten sich daran.

Vier Tage später kam die Nachricht, vor der sich jede Mutter fürchtet: Fabian war tot.

„Ich war wahnsinnig stolz auf ihn“

Im Gericht spricht Dorina nicht nur über Fabians Verschwinden. Sie erzählt auch davon, wie ihr Sohn wirklich war – liebevoll, hilfsbereit, zuverlässig und sehr anhänglich.

Mit Tränen in den Augen sagt sie: „Ich war wahnsinnig stolz auf ihn.“

Fabian sei ein Kind gewesen, auf das man sich verlassen konnte. Gerade deshalb erscheint sein plötzliches Verschwinden bis heute so unbegreiflich. Nach Einschätzung seiner Mutter hätte er einem Fremden vermutlich niemals die Wohnungstür geöffnet.

Genau dieser Punkt könnte im Prozess eine wichtige Rolle spielen. Denn wenn Fabian sein Zuhause freiwillig verließ, könnte er der Person vertraut haben, mit der er mitging.

Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H., der früheren Partnerin von Fabians Vater, vor, dieses Vertrauen ausgenutzt zu haben. Die Angeklagte soll den Jungen unter einem Vorwand aus der Wohnung gelockt und zu einem abgelegenen Ort gebracht haben. Dabei handelt es sich um den Vorwurf der Anklage – rechtskräftig bewiesen ist er bislang nicht.

Dann spricht Dorina plötzlich Gina H. an

Während ihrer Aussage wird die emotionale Belastung immer deutlicher. Schließlich geschieht etwas, womit viele im Gerichtssaal offenbar nicht gerechnet haben: Dorina beginnt, sich direkt an Gina H. zu wenden.

Doch der Vorsitzende Richter unterbricht sie. Eine direkte Aussprache zwischen Zeugin und Angeklagter ist während der Vernehmung nicht vorgesehen. Die Situation ist so aufgeladen, dass das Gericht eine Pause anordnet.

Es ist kein lauter Schrei, der diesen Moment so erschütternd macht. Es ist der Versuch einer Mutter, der Frau gegenüberzutreten, die laut Anklage für den Tod ihres Kindes verantwortlich sein soll.

Was Dorina noch sagen wollte, bleibt in diesem Augenblick unausgesprochen. Gerade das verleiht der Szene ihre beklemmende Wirkung. NDR

Der Fund, der alle Hoffnung zerstörte

Fabians Leichnam wurde am 14. Oktober 2025 an einem abgelegenen Teich bei Klein Upahl gefunden, etwa 15 Kilometer von Güstrow entfernt.

Ausgerechnet Gina H. informierte die Polizei über den Fund. Sie erklärte, sie habe das Kind während eines Spaziergangs entdeckt. Dieser Umstand wurde später zu einem zentralen Bestandteil der Ermittlungen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte zielgerichtet gehandelt habe. Als mögliches Motiv nennt die Anklage die gescheiterte Beziehung zu Fabians Vater. Matthias R. soll eine Fortsetzung der Partnerschaft abgelehnt haben, weil er den Kontakt zu seinem Sohn nicht erneut gefährden wollte.

Nach der Theorie der Staatsanwaltschaft könnte Gina H. den Achtjährigen deshalb als Hindernis für eine Wiederannäherung betrachtet haben.

Diese Darstellung ist Gegenstand des laufenden Verfahrens. Gina H. schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für sie die Unschuldsvermutung.

Auch die Aussage des Vaters wirft neue Fragen auf

Am Nachmittag wird Matthias R. als Zeuge gehört. Während Dorina in emotionalen Worten über Fabian spricht, sorgt der Vater mit seinen Angaben für eine andere Dynamik.

Frühere Aussagen über Gina H., in denen er sie als eifersüchtig oder kontrollierend beschrieben haben soll, relativiert er teilweise. Stattdessen zeichnet er vor Gericht auch ein positives Bild der Angeklagten und bezeichnet sie als liebevoll und empathisch.

Seine Aussage hinterlässt damit neue Fragen: Warum bewertet er Gina H. inzwischen anders? Welche Rolle spielte ihre Beziehung tatsächlich? Und wie lässt sich seine heutige Darstellung mit früheren Angaben vereinbaren?

Das Gericht muss nun herausfinden, welche Aussagen glaubhaft sind und welche Bedeutung sie für das mögliche Tatmotiv haben.

Eine Mutter will ihrem Sohn ein Gesicht geben

Dorina L. tritt im Verfahren als Nebenklägerin auf. Ihr geht es nicht allein darum, die juristischen Einzelheiten zu verfolgen. Sie möchte verhindern, dass Fabian im Prozess lediglich zu einem Namen in einer Akte oder zu einer Nummer in einer Beweiskette wird.

Ihre Aussage zeigt, wer das Kind hinter diesem Fall war: ein achtjähriger Junge mit einer Familie, einem Alltag und einer Zukunft, die ihm genommen wurde.

Der Moment, in dem Dorina sich direkt an Gina H. wenden will, dürfte deshalb noch lange nachwirken. Denn hinter der juristischen Frage nach Schuld und Beweisen steht eine andere, zutiefst menschliche Frage:

Was wollte Fabians Mutter der Angeklagten in diesem Augenblick sagen – und wird sie jemals eine Antwort erhalten?

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