Schock im Prozess um Fabian (†8): Die mutmaßliche Tatwaffe wird erstmals öffentlich gezeigt!
Zwölf Minuten lang galt das Messer als verschwunden. Dann lag es plötzlich auf einem Karton im Schuppen. Jetzt wurden Fotos der zehn Zentimeter langen Klinge im Gerichtssaal gezeigt – doch ob sie tatsächlich etwas mit Fabians Tod zu tun hat, bleibt ein ungelöstes Rätsel.
ROSTOCK – Es ist ein Gegenstand, der auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Arbeitsmesser aussieht: eine etwa zehn Zentimeter lange Klinge, ein schwarzer Gummigriff, benutzt zum Schneiden von Dachpappe.
Doch im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow erhält dieses Messer plötzlich eine möglicherweise brisante Bedeutung. Denn es verschwand zeitweise aus dem Schuppen von Gina H.s Nachbarn Olaf K. – und tauchte nur zwölf Minuten später an einer anderen Stelle wieder auf.
Auf den Monitoren des Landgerichts Rostock wurden nun Fotos des Messers, seines Fundortes und der Einstichstellen an einer Schuppentür gezeigt.
Aber war es tatsächlich die Tatwaffe? Oder handelt es sich nur um ein verlegtes Werkzeug, dessen Verschwinden zufällig in die Zeit der Ermittlungen fiel?
Ein Polizist berichtet vom rätselhaften Fund
Am 9. Juli sagte der Polizeibeamte Mathias R. vor Gericht aus. Wegen der ähnlichen Namen besteht Verwechslungsgefahr: Bei ihm handelt es sich nicht um Fabians Vater Matthias R., sondern um einen an den Ermittlungen beteiligten Beamten.
Der Polizist hatte Olaf K. nach Fabians Tod als Zeugen vernommen. Als das Gespräch bereits beendet schien, bat Olaf K. die Beamten, ihm noch zu seinem Schuppen zu folgen.
Dort zeigte er ihnen eine Flügeltür mit mehreren Einstichstellen. Normalerweise, so seine Darstellung, habe an dieser Stelle immer ein Messer gesteckt. Doch plötzlich sei es verschwunden gewesen.
Olaf K. soll äußerst beunruhigt gewirkt haben. Andere Gegenstände fehlten offenbar nicht. Ausgerechnet das Messer war nicht mehr an seinem üblichen Platz.
Für die Ermittler musste dieser Hinweis brisant erscheinen: Fabian war mit sechs Messerstichen getötet worden, darunter zwei Stiche direkt ins Herz. Eine eindeutig zugeordnete Tatwaffe wurde bislang nicht gefunden.
Nur zwölf Minuten später kommt der Anruf
Die Polizisten verließen zunächst das Grundstück. Doch nur zwölf Minuten später klingelte das Telefon.
Olaf K. bat den Beamten, sofort zurückzukommen. Das vermisste Messer war plötzlich wieder da.
Es steckte jedoch nicht in der Schuppentür, wo es normalerweise aufbewahrt worden sein soll. Stattdessen lag es auf einem braunen Pappkarton.
Olaf K. erklärte, er habe in dem Karton nach einem Stromprüfer gesucht und dabei zufällig das Messer entdeckt. Wie es dorthin gekommen war, konnte er sich nach Aussage des Polizisten nicht erklären.
Hatte er es selbst dort abgelegt und vergessen? Hatte eine andere Person das Messer aus der Tür gezogen? Oder war es möglicherweise nach einer Verwendung bewusst zurückgebracht worden?
Keine dieser Möglichkeiten ist bisher bewiesen.
Könnte dieses Messer Fabian getötet haben?
Die Klinge ist etwa zehn Zentimeter lang und besitzt einen schwarzen Gummigriff. Olaf K. nutzte sie nach eigenen Angaben bei handwerklichen Arbeiten, insbesondere zum Schneiden von Dachpappe.
Ein solches Messer könnte theoretisch schwere Stichverletzungen verursachen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es bei der Tötung Fabians eingesetzt wurde.
Dafür wären kriminaltechnische Belege erforderlich: Blut, Gewebe, verwertbare DNA-Spuren oder eine eindeutige Übereinstimmung zwischen der Klinge und den festgestellten Verletzungen.
Öffentlich bekannt ist bislang nur, dass das Messer auf DNA von Gina H. und Fabian untersucht wurde. Welche konkreten Ergebnisse dabei erzielt wurden, wurde in der Berichterstattung nicht genannt.
Warum wurde Olaf K.s DNA nicht untersucht?
Besonders auffällig ist eine Äußerung von Staatsanwalt Oliver Schley: Das Messer sei nicht auf DNA seines Besitzers Olaf K. untersucht worden.
Gerade diese Information wirft weitere Fragen auf. Olaf K. will das Messer regelmäßig benutzt haben. Spuren von ihm am Griff wären deshalb grundsätzlich erklärbar gewesen. Eine Untersuchung hätte möglicherweise dabei helfen können, andere genetische Spuren besser einzuordnen.
Warum eine solche Vergleichsuntersuchung nicht erfolgte, ist öffentlich nicht erklärt.
Daraus kann weder geschlossen werden, dass das Messer die Tatwaffe war, noch dass bei den Ermittlungen ein Fehler begangen wurde. Doch die fehlende Analyse macht eine vollständige Rekonstruktion der Nutzung offenbar schwieriger.
Ein rätselhafter Satz gegenüber Gina H.
Olaf K. soll bereits gegenüber Gina H. erwähnt haben, dass ein solches Messer möglicherweise auch bei Fabians Tod eine Rolle gespielt haben könnte.
Wann dieses Gespräch genau stattfand und wie Gina H. darauf reagierte, könnte für die Bewertung des Vorgangs wichtig sein.
Wusste sie, dass das Messer zeitweise fehlte? Hatte sie Zugang zu dem Schuppen? Hatte sie das Werkzeug zuvor gesehen oder benutzt?
Für keine dieser Fragen gibt es bislang einen öffentlich bekannten Beweis. Eine Bekanntschaft oder Nachbarschaft allein belegt keinen Zugriff auf das Messer.
Eine Theorie – aber bislang ohne Beweis
Eine im Zusammenhang mit dem Prozess diskutierte Hypothese lautet, dass jemand das Messer zunächst aus dem Schuppen genommen und später zurückgebracht haben könnte.
Dabei fällt zwangsläufig auch der Name Gina H., weil sie Olaf K. kannte und in engem Kontakt mit ihm stand. Dennoch existiert bislang kein Nachweis, dass sie das Messer entwendete, in der Hand hielt oder als Tatwaffe benutzte.
Ebenso unklar ist, wann Olaf K. es zuletzt zweifelsfrei in der Schuppentür gesehen hatte. Ohne einen genauen Zeitpunkt lässt sich nicht feststellen, ob das Verschwinden überhaupt mit dem 10. Oktober 2025 zusammenhing.
Vielleicht lag es schon länger auf dem Karton. Vielleicht hatte Olaf K. es selbst verlegt. Möglich ist aber auch, dass eine andere Person das Werkzeug bewegte.
Das Gericht muss deshalb zwischen auffälligen Umständen und beweisbaren Tatsachen unterscheiden.
Olaf K.s Verbindung zum Fundort
Olaf K. spielt im Prozess auch aus einem anderen Grund eine wichtige Rolle. Er ist einer der Männer, die Gina H. bereits vor der offiziellen Verständigung der Polizei zu Fabians Leiche geführt haben soll.
Nach seiner Aussage fuhr er mit ihr in der Nacht zum Tümpel bei Klein Upahl. Dort soll Gina H. erklärt haben, bei dem leblosen Kind handele es sich um Fabian.
Trotzdem wurde die Polizei nicht sofort alarmiert.
Olaf K. berichtete später außerdem, Gina H. habe am Fundort beziehungsweise nach der Entdeckung gelacht. Sie soll dies damit erklärt haben, bereits so viel geweint zu haben, dass ihr Verhalten nun ungewöhnlich wirken könne.
Solche Reaktionen können auf Außenstehende verstörend wirken. Sie sind für sich allein jedoch kein Beweis für eine Beteiligung an der Tat.
Warum das Messer trotzdem wichtig werden könnte
Das Messer ist derzeit kein nachgewiesenes Tatwerkzeug. Seine mögliche Bedeutung ergibt sich vielmehr aus einer Reihe ungeklärter Umstände:
- Es befand sich nicht mehr an seinem üblichen Aufbewahrungsort.
- Olaf K. meldete sein Verschwinden während einer polizeilichen Befragung.
- Nur zwölf Minuten später tauchte es auf einem Karton wieder auf.
- Der Eigentümer konnte sich den Ortswechsel nicht erklären.
- Das Werkzeug besaß eine Klinge, mit der theoretisch Stichverletzungen verursacht werden konnten.
- Es wurde auf DNA von Gina H. und Fabian, aber nicht auf DNA seines Eigentümers untersucht.
- Olaf K. war gemeinsam mit Gina H. noch vor der Polizei an Fabians Leiche.
Keiner dieser Punkte beweist, dass mit dem Messer getötet wurde. Zusammengenommen erklären sie jedoch, weshalb die Fotos im Prozess gezeigt und der ungewöhnliche Fund ausführlich behandelt wurden.
Die tatsächliche Tatwaffe bleibt verschwunden
Trotz der spektakulären Bilder ist die Überschrift „Die Tatwaffe wurde gezeigt“ zu eindeutig. Korrekt ist: Vor Gericht wurden Fotos eines Messers gezeigt, das theoretisch mit der Tat in Verbindung stehen könnte.
Eine eindeutige Zuordnung zu Fabians Verletzungen existiert bislang nicht.
Damit bleibt eine der zentralen Fragen des gesamten Mordprozesses weiterhin unbeantwortet: Wo ist die Waffe, mit der Fabian die sechs tödlichen Stiche zugefügt wurden?
Das verschwundene und plötzlich wieder aufgetauchte Messer könnte ein wichtiges Puzzleteil sein. Es könnte sich aber ebenso als bedeutungslose Nebenspur erweisen.
Bis das Gericht sämtliche Gutachten, Zeugenaussagen und kriminaltechnischen Ergebnisse bewertet hat, bleibt nur dieses bedrückende Rätsel:
Wenn es nicht dieses Messer war – wonach suchen die Ermittler dann noch immer?
Für Gina H. gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung. RTL-Bericht




