Verrät sie mehr als GPS-Daten? Deshalb wird Buckelwal Timmys Fluke gerade so heiß diskutiert
Ein Körperteil des Buckelwals Timmy steht im Zentrum internationaler Forschung – Experten suchen weltweit nach Antworten zu seiner Vergangenheit.
Seit Samstagmorgen (2. Mai 2026) schwimmt Buckelwal Timmy, der zuvor mehrfach in der Ostsee gestrandet war, endlich in der offenen Nordsee. Die private Rettungsinitiative empfing danach Vitalwerte. Einige Experten sind sich dagegen einig, dass Timmy tot sei. Doch während auf weitere Daten gewartet wird, läuft im Hintergrund eine ganz andere Recherche: Wissenschaftler jagen ein Bild durch internationale Datenbanken, um mehr über das Leben des Tieres herauszufinden.

Im Mittelpunkt steht Timmys Fluke – seine Schwanzflosse. Forscher untersuchen laut Bild die auffallend weiß-schwarz gemusterte Zeichnung, um sein bisheriges Leben zu rekonstruieren. Was verrät die Fluke über Wanderwege, Alter, frühere Verletzungen? Walforscher können Buckelwale eindeutig über dieses Körperteil wiedererkennen. Die Zeichnung ist so individuell wie ein menschlicher Fingerabdruck.
Buckelwal Timmys Fluke: Fotoidentifikation ermöglicht Rekonstruktion der Wanderwege
Die Technik nennt sich Fotoidentifikation. Trotz Wind, Wellen und den unvorhersehbaren Bewegungen der Tiere müssen gestochen scharfe Aufnahmen gelingen. Jeder Wal bekommt eine eindeutige ID-Nummer. Dokumentiert man über Jahre Ort, Zeit und diese Nummer, entstehen einzigartige Geschichten. Welcher Körperteil zur Identifikation taugt, hängt von der Art ab. Bei Buckelwalen sind es die Fluken.
Die Schwanzflosse geriet auch aus einem anderen Grund in den Fokus. Auf Drohnenaufnahmen des Livestream-Anbieters News5 ist wohl zu sehen, wie am Freitagabend gegen 19:45 Uhr versucht wird, ein Seil oder einen Schlauch an der horizontalen Schwanzflosse zu befestigen. An der Freiwilligkeit des Ausschwimmens gibt es Zweifel. Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies, die an der Rettung beteiligt war, nach eigenen Angaben aber laut ZDF in den letzten Tagen ausgeschlossen wurde, berichtet: Die Rettungscrew habe ihr erklärt, man habe den Wal nicht aus der Barge gezogen, sondern ihn mit dem Seil fixiert und die Barge unter ihm herausgefahren. Was nun wirklich stimmt, ist jedoch unklar. Aufnahmen von der Freilassung stehen der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung.
Meeresbiologe Fabian Ritter stellt klar: „Es ist die Regel Nummer eins bei gestrandeten Walen, sie niemals, wirklich niemals in irgendeiner Weise an der Fluke zu ziehen.“ Die Schwanzflosse ist nur über Bindegewebe und Muskulatur verbunden. Schwere Verletzungen drohen schnell. Der Kapitän des Schiffes kontert jetzt den Vorwurf der Tierquälerei.
Der GPS-Sender am zwölf Meter langen Buckelwal liefert keine Ortsdaten, wie Karin Walter-Mommert bestätigte. Sie ist eine der Geldgeberinnen hinter der privaten Initiative. Ob und wohin das stark geschwächte Tier schwimmt, bleibt unklar. Immerhin deuten übertragene Vitalzeichen anscheinend darauf hin, dass der Wal lebt. Unabhängig bestätigen ließ sich das zunächst nicht. Wie schwer Timmy womöglich verletzt ist, weiß niemand. Genau deshalb übte das Ausland heftige Kritik an der Walrettung.




