WENDUNG AM 20. PROZESSTAG: Gina H.s Schwester soll sprechen – doch zuvor sorgt ein neues DNA-Gutachten zum Messer für Aufsehen!

Mord an Fabian aus Güstrow: Seine Mama geht durch die Hölle und Gina H.  kichert

🚨 WENDUNG AM 20. PROZESSTAG: Gina H.s Schwester soll sprechen – doch zuvor sorgt ein neues DNA-Gutachten zum Messer für Aufsehen!

Vier Wochen lang ruhte der Mordprozess um den getöteten Fabian. Nun ist die Sommerpause vorbei – und bereits in den ersten Minuten des 20. Verhandlungstages werden gleich mehrere brisante Punkte bekannt.

Ein neues DNA-Gutachten betrifft jenes rätselhafte Campingmesser, das zeitweise aus dem Schuppen eines Nachbarn verschwunden war. Ein Förster erklärt zudem, warum Ortsfremde den abgelegenen Tümpel kaum mit einem Auto erreichen könnten. Doch viele Zuschauer warten vor allem auf eine Zeugin: Gina H.s jüngere Schwester.

Was weiß sie über die Angeklagte – und wird ihre Aussage neue Widersprüche offenlegen?

Zuschauerbereich bereits vor Beginn vollständig gefüllt

Schon vor 9.30 Uhr war der Zuschauerbereich des Landgerichts Rostock bis auf den letzten Platz besetzt. Wegen des enormen Andrangs musste ein Einlassstopp verhängt werden.

Viele Besucher waren offenbar gekommen, um die erwartete Aussage von Gina H.s jüngerer Schwester zu verfolgen. Ihr Verhältnis zur Angeklagten soll angespannt sein. Deshalb erhoffen sich Prozessbeobachter möglicherweise neue Einblicke in Gina H.s Kindheit, Familiengeschichte und Verhalten.

Doch bevor die Schwester in den Zeugenstand gerufen wird, beginnt der Verhandlungstag mit einer überraschenden Entwicklung rund um die mögliche Tatwaffe.

Neue DNA-Spur auf dem Campingmesser

Das Gericht informiert über ein nachgereichtes DNA-Gutachten der Staatsanwaltschaft. Demnach wurden auf dem sichergestellten Campingmesser nun auch Spuren von Olaf K. festgestellt.

Der Nachbar von Gina H. hatte das Messer nach eigenen Angaben jahrelang für Arbeiten verwendet. Normalerweise soll es in einer Tür seines Schuppens gesteckt haben. Nach Fabians Tod bemerkte er jedoch, dass es verschwunden war.

Kurz darauf tauchte das Messer plötzlich in einem Pappkarton auf – ausgerechnet dort, wo Olaf K. eigenen Angaben zufolge bereits zuvor gesucht hatte.

Da das Messer ihm gehörte und er es angefasst haben will, erscheint eine DNA-Spur von Olaf K. zunächst nicht ungewöhnlich. Die entscheidende Frage bleibt jedoch unbeantwortet: Könnte dieses Messer trotz fehlender Blutspuren mit Fabians Tod in Verbindung stehen?

Fabian wurde nach dem rechtsmedizinischen Gutachten mit einem einschneidigen Messer getötet. Die mutmaßliche Tatwaffe soll eine Klingenlänge von zehn bis 15 Zentimetern gehabt haben. Das Campingmesser aus Olaf K.s Schuppen besitzt eine etwa zehn Zentimeter lange Klinge. Eine eindeutige Verbindung zur Tat wurde bislang nicht nachgewiesen. BILD

Anwältin fordert weitere Untersuchung

Christine Habetha, die Fabians Mutter als Nebenklägerin vertritt, regt deshalb eine weitere Begutachtung des Messers an. Untersucht werden soll, ob sich darauf Rückstände von Reinigungsmitteln feststellen lassen.

Die Verteidigung unterstützt diesen Vorschlag überraschend. Anwalt Thomas Löcker erklärt, man sei davon überzeugt, dass eine solche Untersuchung Gina H. entlasten werde.

Die Staatsanwaltschaft hält das zusätzliche Gutachten hingegen offenbar nicht für notwendig. Staatsanwalt Oliver Schley argumentiert, es gebe keine Hinweise darauf, dass das Messer besonders gründlich gereinigt worden sei.

Damit stehen sich drei Positionen gegenüber: Die Nebenklage hofft möglicherweise auf Hinweise für eine Reinigung, die Verteidigung auf ein entlastendes Ergebnis – und die Staatsanwaltschaft bezweifelt, dass die Untersuchung überhaupt neue Erkenntnisse liefern würde.

„Man muss sich dort auskennen“

Als erster Zeuge tritt anschließend Förster Frank K. in den Zeugenstand. Seit mehr als 20 Jahren kennt er das Waldgebiet rund um Klein Upahl.

Im Gerichtssaal wird ihm ein Foto gezeigt, das Gina H. bei einem Spaziergang am mutmaßlichen Tattag zeigen soll. Der Förster erkennt den abgebildeten Waldweg nach eigener Aussage anhand der Bäume, Wege und eines kleinen Wasserlochs wieder. Der Ort soll westlich der Straße bei Klein Upahl liegen.

Besonders aufmerksam wird seine Antwort aufgenommen, als Richter Holger Schütt nach dem Weg zum Tümpel fragt, an dem Fabian getötet worden sein soll.

Nach Darstellung des Försters könne man die Stelle mit einem Auto erreichen – allerdings müsse man sich in dem Gebiet auskennen. Mit einem geländegängigen Fahrzeug sei sogar eine Fahrt quer durch den Wald möglich. Doch auch dafür müsse man wissen, welche Wege befahrbar seien.

Die Aussage könnte für die Rekonstruktion der Fahrt zum mutmaßlichen Tatort von Bedeutung sein. Gina H. verfügte über einen auffälligen orangefarbenen Ford Ranger, der für schwieriges Gelände geeignet war.

Der Förster betont zugleich, dass der lange Weg zum Tümpel am Tattag grundsätzlich befahrbar gewesen sei.

Wildkameras liefern keine Antworten

Neue Bildaufnahmen aus dem Wald scheint es dagegen nicht zu geben. Der Förster berichtet von lediglich wenigen Wildkameras im südlichen Bereich des Reviers. Im nördlichen Teil seien keine installiert gewesen.

Auffällige Aufzeichnungen hätten die vorhandenen Kameras offenbar nicht geliefert. Damit fehlt weiterhin ein möglicher visueller Beleg dafür, welches Fahrzeug oder welche Personen sich am entscheidenden Tag in der Nähe des Tümpels aufhielten.

Begegnung mit Fabians Vater – aber keine sichere Identifizierung

Der Förster berichtet außerdem von einem Treffen am 10. Oktober 2025. Gegen 11 Uhr habe er im Wald bei Groß Breesen einen Mann eingewiesen, der dort Holz machen wollte.

Dieser Mann habe sich als Fabians Vater Matthias R. vorgestellt und einen Motorsägenschein vorgelegt. Einen Personalausweis habe sich der Förster jedoch nicht zeigen lassen.

Er beschreibt den Besucher als eher klein, mit wenig Haaren und einer blauen Latzhose. Weil er nach eigenen Angaben später keine unverpixelten Medienaufnahmen von Matthias R. gesehen habe, kann seine Erinnerung nicht auf einen nachträglichen Wiedererkennungseffekt zurückgeführt werden. Eine vollständig zweifelsfreie Identifizierung ergibt sich daraus jedoch ebenfalls nicht.

BKA nimmt die Kommunikation auseinander

Nach dem Förster wird ein 58-jähriger Sachverständiger des Bundeskriminalamts aufgerufen. Der Experte arbeitet seit 1999 im Bereich der Operativen Fallanalyse und hat im Verfahren eine umfassende Kommunikationsanalyse erstellt.

Im Mittelpunkt stehen die Kontakte und Gesprächsmuster der Beteiligten. Von besonderem Interesse dürfte sein, wie Gina H. in den Tagen vor und nach Fabians Verschwinden mit Fabians Vater, Nachbarn und Bekannten kommunizierte.

Bereits in früheren Verhandlungstagen wurden zahlreiche Chats, Sprachnachrichten und überwachte Telefonate abgespielt. Dabei ging es unter anderem um mögliche Alibis, Wildkameras, Suchorte und die konfliktbelastete Beziehung zwischen Gina H. und Matthias R.

Der aktuelle 20. Prozesstag sieht neben dem BKA-Sachverständigen weitere Zeugen zu Fahrzeugbeobachtungen, einen Hufschmied und die Schwester der Angeklagten vor. WELT/dpa

Was wird Gina H.s Schwester erzählen?

Die Aussage der jüngeren Schwester könnte einen völlig anderen Bereich des Verfahrens beleuchten. Sie kennt Gina H. seit ihrer Kindheit und könnte über das familiäre Umfeld, persönliche Konflikte und frühere Verhaltensweisen berichten.

Noch ist allerdings offen, was sie tatsächlich aussagen wird. Allein ein angespanntes Verhältnis zur Angeklagten macht ihre Angaben weder automatisch belastend noch unglaubwürdig. Entscheidend wird sein, ob ihre Erinnerungen für die konkreten Tatvorwürfe oder die Beurteilung bereits bekannter Aussagen relevant sind.

Gina H. ist angeklagt, Fabian am 10. Oktober 2025 zu einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl gebracht, dort mit sechs Messerstichen getötet und seinen Leichnam anschließend angezündet zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Nach dem neuen Messer-Gutachten und den Aussagen des Försters richtet sich nun alles auf die nächste große Frage: Wird ausgerechnet Gina H.s eigene Schwester etwas offenbaren, das die bisherige Sicht auf die Angeklagte verändert?

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