ESKALATION IM FABIAN-PROZESS: „Können Sie Ihr dämliches Lachen einstellen?“ – dann fällt eine Aussage, die Gina H. schwer belastet!
🚨 ESKALATION IM FABIAN-PROZESS: „Können Sie Ihr dämliches Lachen einstellen?“ – dann fällt eine Aussage, die Gina H. schwer belastet!
Der zwölfte Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow geriet zeitweise völlig außer Kontrolle. Während der zweite sogenannte Tümpelzeuge über die Nacht vor dem offiziellen Leichenfund berichtete, kam es zu heftigen Wortgefechten zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Schließlich legte sich Gina H.s Verteidiger sogar mit dem Publikum an.
Doch hinter dem lautstarken Streit drohten beinahe jene Details unterzugehen, die für den Prozess entscheidend sein könnten: ein angeblich abgesprochenes Alibi, mehrere Paar Schuhe, ein verschwundenes Messer – und die Frage, warum Gina H. den abgelegenen Fundort offenbar bereits vor der Polizei kannte.
Zweiter Zeuge: Gina H. führte mich zu Fabians Leiche
Im Mittelpunkt des Prozesstages stand Olaf K., ein früherer enger Vertrauter und Nachbar der Angeklagten. Nach seiner Darstellung führte Gina H. ihn bereits am Abend des 13. Oktober 2025 zu dem Tümpel bei Klein Upahl.
Fabian war zu diesem Zeitpunkt seit drei Tagen verschwunden. Offiziell wurde sein Leichnam jedoch erst am folgenden Vormittag gefunden, als Gina H. mit einer Bekannten und deren Hunden dort unterwegs war.
Olaf K. berichtete, er habe am Tümpel zwar die stark verbrannte Leiche eines Kindes erkannt, aber nicht feststellen können, dass es sich um Fabian handelte. Gina H. sei sich dagegen sofort sicher gewesen.
Trotzdem wurde die Polizei in jener Nacht nicht verständigt. Genau dieser Umstand beschäftigt das Gericht besonders intensiv: Warum führte Gina H. nacheinander zwei Bekannte an den Fundort, wartete aber bis zum folgenden Tag, bevor sie die Behörden alarmierte?
„Sie wollte offenbar ein Alibi“
Noch brisanter wurden die abgespielten Sprachnachrichten. Aus ihnen soll hervorgehen, dass Gina H. und Olaf K. über ihre Aufenthaltsorte am Tag von Fabians Verschwinden gesprochen und eine gemeinsame Darstellung vorbereitet hatten.
Olaf K. sollte demnach behaupten, einen erheblichen Teil des Tages mit Gina H. verbracht zu haben – obwohl das nach seiner späteren Aussage nicht stimmte.
Die Verteidigung argumentierte, beide seien nach Fabians Verschwinden massiv von Medien verfolgt worden. Deshalb sei es nachvollziehbar gewesen, sich genau zu überlegen, wann man sich wo aufgehalten habe. Die Staatsanwaltschaft sieht darin dagegen den möglichen Versuch, Gina H.s tatsächliche Bewegungen am mutmaßlichen Tattag zu verschleiern.
Oberstaatsanwalt Harald Nowack erinnerte außerdem an eine auffällige Äußerung der Angeklagten. Sie soll in einem Telefonat gehofft haben, dass sich in der Umgebung keine Kameras befänden – oder diese zumindest nur nachts aufzeichneten.
Vier Paar Schuhe plötzlich beim Nachbarn
Zusätzliche Fragen werfen mehrere Paar Turnschuhe auf. Wenige Tage nach dem Leichenfund brachte Gina H. ihrem Nachbarn nach dessen Aussage vier Paar Schuhe und bat ihn, diese aufzubewahren.
Olaf K. vermutete später, die Schuhe sollten bei einer möglichen Durchsuchung nicht in ihrem Haus gefunden werden. Kurz darauf brachte er sie zurück, weil ihm die Angelegenheit zu riskant erschien.
Am Tümpel wurden Schuhabdrücke gesichert, die zu einer entsprechenden Marke passen könnten. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass einer der abgegebenen Schuhe tatsächlich diese Spuren hinterließ. Ob eine kriminaltechnische Zuordnung möglich war, muss das Gericht anhand der Gutachten bewerten. NDR: Zeuge berichtet über Schuhe und Alibi
Das rätselhafte Messer aus dem Schuppen
Dann ging es um einen Gegenstand, der den Prozess bereits seit Wochen beschäftigt: ein Messer mit einer ungefähr zehn Zentimeter langen Klinge.
Olaf K. bewahrte es gewöhnlich in seinem Schuppen auf. Als er es eines Tages suchte, war es plötzlich verschwunden. Wenig später tauchte es in einem Karton beziehungsweise einer Werkzeugkiste wieder auf – an einem Ort, an den der Zeuge es nach eigener Aussage niemals gelegt hätte.
Weil Fabian mit einem Messer getötet wurde und Gina H. Zugang zum Schuppen gehabt haben soll, stellt sich die Frage, ob der Gegenstand eine Verbindung zur Tat haben könnte. Die forensische Untersuchung ergab allerdings keine entsprechenden Spuren. Das Messer kann nach dem derzeit bekannten Stand nicht als Tatwaffe bezeichnet werden.
Oberstaatsanwalt Nowack brachte im Gerichtssaal die Möglichkeit ins Spiel, dass das Messer gereinigt worden sein könnte. Die Verteidigung wies diese Spekulation zurück. Rechtsanwalt Andreas Ohm erklärte, er könne nicht erkennen, was der Messerfund überhaupt beweisen solle.
Gina H. soll Verdacht auf Fabians Mutter gelenkt haben
Vor ihrer Festnahme sprach Gina H. in Telefonaten mehrfach über ihre Angst, jemand könne ihr den Mord „anhängen“. Gleichzeitig soll sie Überlegungen geäußert haben, ob Fabians Mutter etwas mit dem Tod des Jungen zu tun haben könnte.
Für eine Tatbeteiligung der Mutter gibt es nach den öffentlich bekannten Ermittlungen jedoch keine Hinweise. Fabians Vater soll in einem später abgespielten Gespräch ebenfalls erklärt haben, dass Dorina L. für den betreffenden Zeitraum ein Alibi habe.
Das Gericht muss nun bewerten, ob Gina H.s Äußerungen Ausdruck echter Angst waren – oder ob sie versuchte, den Verdacht auf andere Menschen zu lenken.
Verteidiger verliert die Geduld mit den Zuschauern
Während der stundenlangen Befragung kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Verteidiger Thomas Löcker und Oberstaatsanwalt Harald Nowack. Die Situation eskalierte, als Löcker ankündigte, dem Zeugen weitere Fragen stellen zu wollen.
Mehrere Menschen im Publikum begannen zu lachen. Der Verteidiger drehte sich zu den Zuschauern und reagierte scharf:
„Können Sie Ihr dämliches Lachen einstellen?“
Daraufhin musste auch der Vorsitzende Richter eingreifen und das Publikum zur Ruhe ermahnen. Die ungewöhnliche Szene verdeutlichte, wie aufgeheizt die Atmosphäre im voll besetzten Gerichtssaal inzwischen war. T-Online: Minutenprotokoll des zwölften Prozesstages
Ein Blick, der Beobachtern auffiel
Kurz vor dem Ende der Vernehmung wurde eine frühere Aussage von Olaf K. verlesen. Darin hatte er den Eindruck geschildert, Gina H. habe nicht gewollt, dass Fabian wieder engeren Kontakt zu seinem Vater Matthias R. bekomme.
Als diese Worte fielen, soll Gina H. den Zeugen eindringlich angesehen haben. Prozessbeobachter beschrieben sie als sichtlich unzufrieden. Welche Gefühle tatsächlich hinter ihrer Reaktion standen, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Die Staatsanwaltschaft sieht in den Aussagen des Zeugen ein wichtiges Puzzlestück ihrer Anklage. Die Verteidigung verweist dagegen auf Erinnerungslücken, mögliche Missverständnisse und alternative Erklärungen für die Gespräche über ein Alibi.
Was dieser Prozesstag wirklich bedeutet
Olaf K.s Aussage ist kein endgültiger Beweis für die Täterschaft Gina H.s. Sie wirft jedoch mehrere zentrale Fragen auf:
- Warum wusste Gina H. offenbar schon vor dem offiziellen Fund, wo Fabians Leichnam lag?
- Weshalb rief sie in der Nacht nicht sofort die Polizei?
- Warum wurden Absprachen über Aufenthaltszeiten getroffen?
- Weshalb sollte der Nachbar ihre Schuhe aufbewahren?
- Und wie gelangte das verschwundene Messer plötzlich an einen anderen Platz?
Gina H. schweigt bislang zu den Mordvorwürfen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, mit sechs Messerstichen getötet und seinen Leichnam anschließend angezündet zu haben.
Ob sich diese Anklage durch die gesamte Indizienkette beweisen lässt, entscheidet allein das Landgericht Rostock. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für Gina H. die Unschuldsvermutung.




