BKA-HAMMER IM MORDFALL FABIAN (†8): 11 Muster in Gina H.s Nachrichten entdeckt – doch ausgerechnet am Tattag verändert sich plötzlich etwas

Foto: Privat

Sechs BKA-Analytiker, darunter ein Psychologe, nahmen Hunderte Sprach- und Textnachrichten von Gina H. auseinander. Was sie dabei herausarbeiteten, zeichnet ein auffälliges Bild ihrer Kommunikation: Pferde spielten demnach eine größere Rolle als ihr eigener Sohn, Aufmerksamkeit und Kontrolle tauchten immer wieder auf. Doch besonders ein Bruch mit ihren bisherigen Gewohnheiten ließ die Ermittler aufhorchen.

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow rückt erneut das Smartphone der Angeklagten Gina H. in den Mittelpunkt.

Das Bundeskriminalamt wertete ihre digitale Kommunikation umfangreich aus. Nach Angaben aus dem Prozess waren sechs Fallanalytiker an der Untersuchung beteiligt, darunter auch ein Psychologe. In den ausgewerteten Sprach- und Textnachrichten sollen die Experten elf wiederkehrende Verhaltensmuster erkannt haben.

Und einige davon könnten für das Gericht besonders interessant sein.

Pferde wichtiger als der eigene Sohn?

Nach Darstellung eines BKA-Sachverständigen kreiste Gina H.s Kommunikation häufig um ihre eigenen Bedürfnisse. Der Experte beschrieb ihr Verhalten als egozentrisch und sprach von einem ausgeprägten Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bestätigung.

Auch ein starkes Kontrollbedürfnis sei aufgefallen. Gina H. habe demnach regelmäßig wissen wollen, wo sich ihr damaliger Partner Matthias R. befand und was er gerade machte.

Besonders auffällig ist jedoch ein anderer Punkt:

Das Thema Pferde soll in ihren Nachrichten deutlich mehr Raum eingenommen haben als ihr eigener Sohn.

Auch Fabian selbst habe in der untersuchten Kommunikation nur eine vergleichsweise geringe Rolle gespielt.

Für sich genommen beweist das selbstverständlich keine Tat.

Doch die BKA-Analysten suchten auch nicht nach einzelnen belastenden Sätzen, sondern nach wiederkehrenden Mustern – und danach, ob diese sich plötzlich veränderten.

Genau das soll am 10. Oktober 2025 passiert sein.

Dann kommt plötzlich eine Frage zu Fabian

Am Tag von Fabians Verschwinden schrieb Gina H. mit dessen Vater.

Als Matthias R. offenbar äußerte, dass ihn etwas beschäftige, soll Gina H. mehrfach nachgefragt haben.

Dann fiel eine Frage, die dem BKA-Analysten besonders auffiel:

„Es ist doch Freitag, hast du nicht Fabian?“

Der entscheidende Punkt war dabei offenbar nicht allein der Wortlaut.

Nach Einschätzung des Sachverständigen war dies das erste Mal in der ausgewerteten Kommunikation, dass Gina H. sich auf diese Weise nach Fabian erkundigte.

Ein Bruch mit ihrem bisherigen Kommunikationsmuster.

Warum ausgerechnet an diesem Tag?

Diese Frage dürfte im Indizienprozess erhebliches Gewicht bekommen.

Drei Tage später fällt noch ein ungewöhnliches Wort

Doch damit endet die Auffälligkeit nicht.

Am 13. Oktober – Fabian wurde zu diesem Zeitpunkt noch offiziell vermisst – äußerte Gina H. gegenüber einem Bekannten sinngemäß, man wolle wissen, was mit dem Jungen passiert sei, um damit „abschließen“ zu können.

Für den BKA-Sachverständigen passte auch dieses Wort nicht zur damaligen Situation.

Fabian wurde noch gesucht. Seine Leiche war öffentlich noch nicht gefunden worden.

Der Experte bewertete den Begriff deshalb als ungewöhnlich früh.

Am folgenden Tag wurde Fabians Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl entdeckt.

Das BKA analysiert nicht nur einzelne Nachrichten

Gerade deshalb ist die Kommunikationsanalyse für den Prozess so bedeutsam.

Es geht nicht darum, ob eine einzelne Nachricht merkwürdig klingt.

Die Experten verglichen vielmehr, wie Gina H. normalerweise kommunizierte und an welchen Stellen dieses Verhalten plötzlich von ihrem eigenen Muster abwich.

Vor Fabians Verschwinden beschrieben die Analysten unter anderem:

  • ein starkes Kreisen um eigene Bedürfnisse,
  • ein hohes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bestätigung,
  • ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis,
  • eine große Bedeutung von Männern in ihrer Kommunikation,
  • einen besonders starken Fokus auf ihre Pferde,
  • sowie eine vergleichsweise geringe Präsenz von Fabian und ihrem eigenen Sohn in den Chats.

Nicht alle elf vom BKA genannten Muster sind bislang in frei zugänglichen Berichten vollständig veröffentlicht worden.

Doch gerade die öffentlich bekannt gewordenen Abweichungen rund um Fabians Verschwinden dürften noch intensiv diskutiert werden.

Die entscheidende Frage bleibt offen

Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, bei Klein Upahl getötet und seinen Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Gina H. bestreitet den Vorwurf beziehungsweise hat sich bislang nicht umfassend zur Tatanklage eingelassen; für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Deshalb muss das Gericht am Ende entscheiden, welche Bedeutung die BKA-Analyse tatsächlich besitzt.

Denn weder Pferde-Nachrichten noch ein ungewöhnlicher Satz können allein beweisen, was am 10. Oktober geschah.

Doch ausgerechnet die Frage, warum Gina H. an diesem Tag plötzlich anders über Fabian kommunizierte als zuvor, könnte im weiteren Prozess noch eine entscheidende Rolle spielen.

Und genau hier liegt das vielleicht brisanteste Detail der gesamten Analyse:

Die Experten fanden elf Muster – aber womöglich ist es gerade der Moment, in dem eines davon plötzlich durchbrochen wurde, der das Gericht am meisten beschäftigen wird.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Back to top button

Adblock Detected

Please consider supporting us by disabling your ad blocker