Anwalt legt sich mit Publikum an Mordfall Fabian: “Können Sie Ihr dämliches Lachen einstellen?”

Zwölfter Prozesstag im Fall Fabian aus Güstrow: Ein zweiter Zeuge belastete die Angeklagte Gina H. mit seinen Aussagen schwer. Alle Entwicklungen vor dem Landgericht Rostock im Minutenprotokoll.
Am zwölften Prozesstag im Mordfall Fabian wurde der zweite sogenannte Tümpelzeuge, Olaf K., befragt. Die Angeklagte führte K. am Abend des 13. Oktober zur Leiche des Achtjährigen an einen Tümpel bei Klein Upahl, rund 15 Kilometer vom Zuhause Fabians in Güstrow entfernt. Erst einen Tag später meldete Gina H. den Fund und behauptete, den Leichnam bei einem Spaziergang mit einer Bekannten zufällig entdeckt zu haben.
Gina H. habe Fabian am Tag zuvor am Tümpel allerdings sofort erkannt, sagte der Zeuge aus. Er selbst hingegen habe zwar eine Kinderleiche, nicht aber Fabian erkennen können. Sein Körper war angezündet worden und daher stark entstellt.
In den Tagen nach dem Verschwinden des Jungen machte sich Gina H. intensiv Gedanken um ihr Alibi, wie aus Sprachnachrichten hervorging. Gemeinsam mit Olaf K. sprach sie ab, wann sie wo gewesen sein soll. Olaf K. sollte behaupten, sie seien den ganzen Tag zusammen gewesen, obwohl das nicht der Fall war. In den Tagen nach dem Auffinden des toten Jungen brachte Gina H. mehrere Paar Schuhe zum Zeugen K., offenbar, um diese verschwinden zu lassen.
Eine weitere Erkenntnis des Prozesstags: Vor ihrer Festnahme sprach Gina H. in Telefonaten immer wieder von der Angst, ihr könnte etwas angehängt werden. Gleichzeitig beschuldigte sie in den Telefonaten Fabians Mutter, etwas mit dem Tod des Jungen zu tun zu haben.
Verteidiger von Gina H. legt sich mit Publikum an
Die Verteidiger der Angeklagten machten unter anderem mutmaßliche Erinnerungslücken des Zeugen geltend und begründeten die Alibi-Thematik damit, dass Olaf K. und Gina H. nach dem Verschwinden des Jungen intensiv von der Presse belagert worden seien.
Geprägt war der Prozesstag auch von mehrfachen Diskussionen zwischen Gina H.s Verteidiger Thomas Löcker und Oberstaatsanwalt Harald Nowack. Einmal legte sich Löcker gar mit dem Publikum an. Mehrere Zuschauer hatten unzulässigerweise gelacht, als Löcker ankündigte, noch weitere Fragen an den Zeugen stellen zu wollen. Der Anwalt reagierte deutlich: “Können Sie Ihr dämliches Lachen einstellen?” fragte der Verteidiger. Anschließend musste auch der Richter das Publikum ermahnen, ruhig zu sein.
Der zwölfte Prozesstag zum Nachlesen im Minutenprotokoll:
16.16 Uhr: Damit ist der zwölfte Prozesstag im Fall Fabian beendet. Am Donnerstag geht es weiter. Dann wird unter anderem die Bekannte gehört, die von Gina H. am 14. Oktober zur Leiche geführt worden sein soll, woraufhin Gina H. dann die Polizei alarmiert haben soll.
Schlussworte von Verteidigern und Staatsanwaltschaft
16.14 Uhr: Und jetzt ist Andreas Ohm dran und gibt seine Erklärung ab. “Die Leiche wirkte auf den Zeugen angefressen.” So könnte erklärt werden, warum die Angeklagte offenbar am 14. Oktober, als sie die Polizei rief, von “Wildfraß” gesprochen habe. Zum Thema “Alibi” sagte Ohm, die Angeklagte und K. seien schon kurz nach dem Verschwinden “vor der Presse geflohen”, daher habe sie sich natürlicherweise schon Gedanken über ein Alibi gemacht. Zum Messer sagt Ohm: “Was uns das sagen soll, weiß ich nicht.”
16.08 Uhr: Nowack sieht wesentliche Punkte der Anklage bestätigt: Man habe ein “wesentliches Puzzlestück bei der Auffindesituation” gewonnen. Gina H. habe den Begriff “Schweinesuhle” verwendet, der nur ihr und ihrem Großvater bekannt sein. Es habe zwischen Gina H. und Fabians Vater häufig Streit, “auch wegen Fabian” gegeben. “Sie wollte nicht, dass Matthias R. weiterhin Kontakt mit Dorina L. hat”, so Nowack. Zudem habe der Zeuge “viele Ungereimtheiten” beim Auffinden des Leichnams am 13. Oktober festgestellt. Gina H. habe sich schon einen Tag nach dem Verschwinden Gedanken über ein Alibi gemacht. Wörtlich habe sie in einem Telefonat gesagt: “Ich bete zu Gott, dass da keine Kameras sind, und wenn, dass sie nur nachts aufnehmen.” Auch über das Messer spricht Nowack noch einmal. Die Auffindesituation sei “alles andere als naheliegend”. Das Messer sei verschwunden, und als der Zeuge kurz weg gewesen sei, habe er das Messer plötzlich wieder gefunden – und zwar in einem Karton, in der er das Messer niemals hineingelegt habe. Offenbar kann sich Nowack vorstellen, dass es sich bei dem Messer um die Tatwaffe handelt. “Dass auf dem Messer keine Spuren gesichert wurden, könnte auch daran liegen, dass es gereinigt wurde.”

16.01 Uhr: Jetzt kommen, wie üblich, noch Erklärungen. Oberstaatsanwalt Harald Nowack fängt an.
16 Uhr: “Ein langer Tag wendet sich dem Ende zu”, sagt der Vorsitzende Richter. Die Befragung von Olaf K. ist beendet, der Zeuge wird entlassen.
Aussage macht Gina H. offenbar unzufrieden
15.58 Uhr: Olaf K. gab in einer Vernehmung bei der Polizei an, er habe den Eindruck, dass Gina H. nicht wollte, dass Fabian zu Matthias R., also dem Vater des Kindes, zurückkommt. Als diese Aussage vorgelesen wird, schaut Gina H. den Zeugen eindringlich an, scheint mehr als unzufrieden mit dieser Aussage.




