FAMILIEN-GEHEIMNIS IM FALL FABIAN (†8): Gina H.s jüngere Schwester sagt aus – ihre Worte könnten alte Widersprüche neu entfachen!
Nach vier Wochen Sommerpause beginnt im Mordprozess um den getöteten Fabian eine möglicherweise entscheidende Phase. Am 20. Verhandlungstag tritt ausgerechnet Gina H.s jüngere Schwester in den Zeugenstand.
Die Frau möchte anonym bleiben. Sie kennt jedoch nicht nur die familiäre Vergangenheit der Angeklagten seit deren Kindheit, sondern könnte auch über jahrelange Konflikte, das Verhältnis der Schwestern und Gina H.s Beziehung zu Fabians Vater Matthias R. berichten.
Was weiß sie wirklich – und warum wird ihre Aussage mit so großer Spannung erwartet?
Angespanntes Verhältnis zwischen den Schwestern
Das Verhältnis der beiden Schwestern soll nicht unbelastet sein. Genau deshalb könnte die Zeugin dem Gericht möglicherweise eine andere Perspektive vermitteln als Menschen, die Gina H. nur als Nachbarin, Freundin oder Pferdebesitzerin kennengelernt haben.
Ihre Aussage könnte Einblicke in Fragen geben, die im bisherigen Prozess immer wieder aufgetaucht sind:
- Wie erlebte die Familie Gina H. in ihrer Kindheit und Jugend?
- Wie reagierte sie auf Konflikte und Zurückweisung?
- Welche Rolle spielten Eifersucht und Verlustangst?
- Wie sprach sie innerhalb der Familie über Matthias R.?
- Gab es Streit über ihre Partnerschaft oder ihre Lebensführung?
- Und was wusste die Schwester über Gina H.s Verhältnis zu Fabian?
Ob die Zeugin dazu tatsächlich konkrete Angaben machen kann, ist noch offen. Allein ihre verwandtschaftliche Nähe macht ihre Aussagen weder automatisch glaubwürdiger noch belastender. Entscheidend wird sein, ob ihre Erinnerungen durch Nachrichten, andere Zeugen oder bereits bekannte Prozessakten bestätigt werden.
Warum die Familiengeschichte jetzt wichtig wird
Die Staatsanwaltschaft vermutet das Motiv für die mutmaßliche Tat in Gina H.s Beziehung zu Fabians Vater.
Nach der Trennung im August 2025 soll die Angeklagte verzweifelt versucht haben, Matthias R. zurückzugewinnen. Zahlreiche im Gerichtssaal abgespielte Nachrichten zeigten, wie emotional und konfliktbeladen die Beziehung gewesen sein soll.
Matthias R. habe eine Wiederaufnahme der Partnerschaft zunächst abgelehnt, weil er den Kontakt zu seinem Sohn nicht erneut gefährden wollte. Die Anklage geht deshalb davon aus, dass Gina H. den Achtjährigen als Hindernis zwischen sich und dessen Vater betrachtet haben könnte.
Fabian soll zuvor eine körperliche Auseinandersetzung zwischen seinem Vater und Gina H. miterlebt haben. Danach wollte der Junge offenbar zeitweise keinen Kontakt mehr zu Matthias R. und der Angeklagten.
Was wusste Gina H.s Schwester über diese Konflikte? Wurde innerhalb der Familie über Fabian gesprochen? Und wie reagierte Gina H., als die Beziehung zu Matthias R. zerbrach?
Genau solche Fragen könnten ihrer Aussage besonderes Gewicht verleihen.
Direkte Tatbeobachtungen sind nicht zu erwarten
Die Schwester gilt nach bislang bekannten Informationen nicht als Augenzeugin des Geschehens am 10. Oktober 2025. Ihre Aussage dürfte Gina H. daher nicht unmittelbar mit dem mutmaßlichen Tatort verbinden.
Bedeutsam könnte sie dennoch werden, wenn sie bisherige Darstellungen über die Angeklagte bestätigt oder ihnen widerspricht. In einem reinen Indizienverfahren spielt auch die Frage eine Rolle, wie glaubwürdig einzelne Aussagen sind und ob sich aus verschiedenen Beweismitteln ein widerspruchsfreies Gesamtbild ergibt.
Dabei muss das Gericht besonders vorsichtig vorgehen: Familiäre Spannungen können Erinnerungen und Bewertungen beeinflussen. Persönliche Konflikte sind kein Beweis für eine Straftat.
BKA untersucht Kontakte und Kommunikationsmuster
Parallel zur Schwester tritt ein Sachverständiger des Bundeskriminalamts in den Zeugenstand. Der erfahrene Experte hat eine umfassende Kommunikationsanalyse erstellt.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Nachrichten, sondern um größere Muster:
- Wer kontaktierte wen besonders häufig?
- Wie veränderte sich die Kommunikation nach der Trennung?
- Welche Konflikte wiederholten sich?
- Wann brachen Gespräche plötzlich ab?
- Und welche Personen wurden unmittelbar vor und nach Fabians Verschwinden kontaktiert?
Bereits in den vergangenen Verhandlungstagen wurden zahlreiche Chats, Sprachnachrichten und überwachte Telefonate abgespielt. Daraus entstand das Bild einer schwierigen On-off-Beziehung, die von Eifersucht, finanzieller Abhängigkeit und gegenseitigen Vorwürfen geprägt gewesen sein soll. NDR
Auch Förster und Hufschmied sollen aussagen
Der Zeugenplan des 20. Verhandlungstages geht weit über die Familiengeschichte hinaus. Ein Förster soll die Wege und Örtlichkeiten in der Nähe des Tümpels beschreiben.
Seine Aussage könnte helfen zu beurteilen, ob Ortsfremde den abgelegenen Platz überhaupt mit einem Fahrzeug finden konnten. Außerdem soll geklärt werden, wo ein Foto entstand, das Gina H. am mutmaßlichen Tattag bei einem Waldspaziergang zeigen soll.
Ein Hufschmied wird ebenfalls erwartet. Bei ihm soll die Angeklagte am 10. Oktober 2025 einen Termin gehabt haben. Dessen genaue Uhrzeit und Ablauf könnten für die Rekonstruktion ihres Tages entscheidend sein.
Daneben sollen weitere Zeugen über Fahrzeugbeobachtungen berichten. Gina H.s auffälliger orangefarbener Ford Ranger spielt im Verfahren eine wichtige Rolle. Mehrere Personen wollen ihn am Tag von Fabians Verschwinden in Güstrow oder in der Nähe von Klein Upahl gesehen haben.
Die Aussagen der Schwester, des Försters, des Hufschmieds und des BKA-Sachverständigen gehören zum umfangreichen Programm des 20. Prozesstages. WELT/dpa
Gina H.s eigene Erklärung steht noch bevor
Die Angeklagte selbst schweigt weiterhin zu den Tatvorwürfen. Am 24. August soll sich das ändern: Dann will Gina H. erstmals eine vorbereitete Einlassung vortragen.
Ein Geständnis werde es nach Angaben ihrer Verteidigung nicht geben. Die 30-Jährige wolle vielmehr Aussagen und Abläufe aus ihrer Sicht richtigstellen. Ob sie anschließend Fragen beantworten wird, gilt als unwahrscheinlich.
Zuvor könnte jedoch ihre jüngere Schwester Details offenlegen, auf die Gina H. später reagieren muss.
Der Angeklagten wird vorgeworfen, Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, an einem Tümpel bei Klein Upahl mit sechs Messerstichen getötet und seinen Leichnam anschließend angezündet zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Nun richtet sich alles auf die Frau, die Gina H. seit ihrer Kindheit kennt: Wird ihre Schwester die bisherige Darstellung der Angeklagten bestätigen – oder beginnt mit ihrer Aussage ein völlig neues Kapitel dieses Prozesses?




