GERICHT LEGT DEN SCHICKSALSTERMIN FEST: Gina H. will erstmals sprechen – doch dieser Satz ihres Anwalts lässt aufhorchen!
🚨 GERICHT LEGT DEN SCHICKSALSTERMIN FEST: Gina H. will erstmals sprechen – doch dieser Satz ihres Anwalts lässt aufhorchen!
ROSTOCK – Nach 19 Verhandlungstagen voller belastender Aussagen, verstörender Aufnahmen und ungeklärter Widersprüche steht der weitere Fahrplan im Mordprozess um Fabian fest: Am 6. August wird die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Rostock fortgesetzt.
Doch diesmal wartet alles auf einen Moment, der den bisherigen Prozessverlauf tatsächlich verändern könnte. Gina H. will im August erstmals persönlich auf die Mordvorwürfe reagieren. Monatelang hat sie geschwiegen, während Zeugen über ihr Verhalten, ihre Beziehung zu Fabians Vater und die Umstände des Leichenfundes berichteten.
Ein Geständnis soll es laut Verteidigung nicht werden. Gina H. wolle vielmehr einige Dinge „richtigstellen“. Einer ihrer Anwälte räumte jedoch gleichzeitig ein, dass sie sich mit ihrer Aussage möglicherweise selbst belasten könnte.
Was will die Angeklagte erklären – und welches Indiz könnte für sie besonders gefährlich werden?
Kein Urteil, aber eine entscheidende Weichenstellung
Eine Entscheidung über Schuld oder Unschuld ist noch nicht gefallen. Das Gericht hat lediglich den weiteren Ablauf der Beweisaufnahme festgelegt.
Nach dem Verhandlungstag vom 9. Juli befindet sich der Prozess in einer vierwöchigen Sommerpause. Am 6. August soll es weitergehen. Weitere Termine sind bis September vorgesehen.
Als möglicher Zeitpunkt für Gina H.s Einlassung wurde zunächst der erste Tag nach der Pause genannt. Das Gericht hatte dafür nach Angaben aus dem Verfahren sogar einen längeren Zeitraum vorgesehen. Ob sie tatsächlich bereits am 6. August oder erst später im Monat spricht, ist noch nicht abschließend geklärt.
Bestätigt ist aber: Die Angeklagte will ihr bisheriges Schweigen beenden. NDR
Jedes ihrer Worte wird überprüft werden
Als Angeklagte muss Gina H. weder aussagen noch Fragen beantworten. Entscheidet sie sich jedoch für eine Einlassung, dürfte das Gericht ihre Darstellung mit sämtlichen bereits vorgestellten Beweisen vergleichen.
Dabei geht es nicht nur um die entscheidenden Stunden des 10. Oktober 2025. Gina H. müsste möglicherweise auch erklären, warum sie bereits vor dem offiziellen Leichenfund mehrfach am Tümpel gewesen sein soll, weshalb verschiedene Zeugen von einer möglichen Alibiabsprache berichten und wie bestimmte Internetrecherchen zustande kamen.
Schon eine zeitliche Abweichung könnte neue Widersprüche erzeugen. Gleichzeitig könnte eine nachvollziehbare Erklärung einzelne Indizien entkräften.
Für die Verteidigung ist die geplante Aussage deshalb Chance und Risiko zugleich.
Die letzten Stunden vor Fabians Verschwinden
Am 10. Oktober 2025 bleibt Fabian wegen Unwohlseins allein in der Wohnung seiner Mutter. Dorina L. fährt zur Arbeit. Als sie später zurückkommt, ist ihr Sohn nicht mehr da. Sein Handy liegt weiterhin zu Hause.
Gegen 20.30 Uhr meldet sie den Achtjährigen als vermisst. Zu diesem Zeitpunkt ist Fabian nach späterer Einschätzung der Ermittler vermutlich bereits tot.
Vier Tage lang suchen Einsatzkräfte und freiwillige Helfer nach dem Jungen. Am 14. Oktober wird sein Leichnam an einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl gefunden.
Fabian starb durch sechs Messerstiche, zwei davon trafen sein Herz. Anschließend wurde sein Körper teilweise in Brand gesetzt.
Die Tatwaffe wurde bislang nicht eindeutig gefunden.
Das Fahrzeug, das Gina H. erklären muss
Nach der Theorie der Staatsanwaltschaft fuhr Gina H. am Vormittag des 10. Oktober mit ihrem orangefarbenen Ford Ranger nach Güstrow.
Überwachungskameras sollen das auffällige Fahrzeug in der Nähe von Fabians Wohnung erfasst haben. Zwei Zeugen wollen den Wagen zudem im mutmaßlichen Tatzeitraum auf einem Feldweg bei Klein Upahl gesehen haben.
Ein Foto, das Gina H. um 10.43 Uhr aufgenommen haben soll, entstand nach den ausgewerteten Daten nur rund 120 Meter von Fabians Wohnhaus entfernt. Ein weiteres Bild soll um 11.19 Uhr in der Nähe des späteren Leichenfundortes aufgenommen worden sein.
Die einzelnen Standorte beweisen keine Tötung. Zusammengenommen könnten sie jedoch zeigen, dass sich die Angeklagte entgegen früherer Angaben nicht den gesamten Tag in ihrem Pferdestall aufhielt.
Gerade zu ihrer tatsächlichen Route dürfte das Gericht eine präzise Erklärung erwarten.
Die Internetrecherchen vor der Vermisstenmeldung
Besonders schwer könnten die im Prozess vorgestellten Suchanfragen wiegen.
Noch bevor Dorina L. ihren Sohn offiziell vermisst meldete und bevor Matthias R. Gina H. über das Verschwinden informiert haben will, soll von ihrem Gerät aus nach Polizei, aktuellen Polizeieinsätzen und vermissten Personen in Güstrow gesucht worden sein.
Am folgenden Tag tauchten laut den ausgewerteten Daten Recherchen dazu auf, ob Wildschweine Menschen oder menschliche Leichen fressen.
Diese Suchbegriffe könnten aus Sicht der Staatsanwaltschaft auf Täterwissen hindeuten. Eine harmlose Erklärung ist allerdings nicht ausgeschlossen – sie muss nur mit dem zeitlichen Ablauf und den übrigen Beweisen vereinbar sein.
Besonders brisant: In einem aufgezeichneten Gespräch aus der Untersuchungshaft fragte Gina H. Fabians Vater später, ob er selbst nach Wildschweinen gesucht habe. Ihre Verteidigung räumte vor Gericht ein, dass sie ihn bei diesem Gespräch offenbar beeinflussen wollte.
Warum tat sie das? Genau diese Frage könnte bei ihrer Aussage wieder auf den Tisch kommen.
Warum war sie schon vor der Polizei bei Fabian?
Die vermutlich schwierigste Erklärung betrifft den Leichenfund.
Gina H. meldete am 14. Oktober, sie habe Fabian zufällig während eines Spaziergangs mit einer Freundin und Hunden entdeckt. Mehrere Zeugen schilderten vor Gericht jedoch eine andere Vorgeschichte.
Ein Bekannter berichtete, Gina H. habe ihn bereits am Abend zuvor zum Tümpel geführt. Er sei überzeugt gewesen, dass sie genau wusste, wo sich der Leichnam befand.
Auch ein Nachbar sagte aus, noch vor der Polizei gemeinsam mit ihr am Fundort gewesen zu sein. Nach seiner Darstellung soll Gina H. dort kaum sichtbare Bestürzung gezeigt und später sogar gelacht haben.
Eine ehemalige Freundin berichtete wiederum, Gina H. habe am folgenden Tag mit Hunden zum Tümpel gehen wollen. Dort sei der Eindruck eines zufälligen Leichenfundes erzeugt worden. Die Zeugin vermutete, als Alibi benutzt werden zu sollen, und drängte nach eigenen Angaben darauf, die Polizei zu alarmieren.
Das Gericht muss die Glaubwürdigkeit dieser Aussagen prüfen. Sollten sie im Kern zutreffen, bleibt die entscheidende Frage: Woher wusste Gina H., wo Fabian lag?
Die Worte, die das mutmaßliche Motiv berühren
Eine frühere Freundin sagte vor Gericht aus, Gina H. habe sich nach Fabians Tod darüber beklagt, dass der Junge in den Medien als besonders lieb dargestellt worden sei.
Fabian habe nach ihrer angeblichen Äußerung seit Jahren versucht, die Beziehung zu seinem Vater auseinanderzubringen.
Diese Aussage könnte zur Motivtheorie der Staatsanwaltschaft passen. Danach soll Gina H. den Achtjährigen als Hindernis für eine Wiederaufnahme ihrer Beziehung zu Matthias R. betrachtet haben. NDR
Ob die Worte tatsächlich so gefallen sind und wie sie gemeint waren, muss das Gericht bewerten.
Geld, Pferde und die Angst, alles zu verlieren
Neben Eifersucht könnte nach Ansicht der Anklage auch finanzielle Abhängigkeit eine Rolle gespielt haben.
Im Prozess wurden Sprachnachrichten abgespielt, in denen Gina H. erklärte, ohne Matthias R.s Geld könne sie weder den Kredit noch Futter und Ausrüstung für ihre fünf Pferde bezahlen.
Kurz vor der Trennung soll sie einem Bekannten gesagt haben, sie brauche andernfalls einen reichen Mann. Die Staatsanwaltschaft könnte darin einen Hinweis sehen, dass sie nicht nur emotional, sondern auch wirtschaftlich an der Beziehung festhalten wollte. NDR
Eine schwierige finanzielle Lage beweist selbstverständlich kein Mordmotiv. Im Zusammenhang mit der Trennung, den Konflikten um Fabian und den übrigen Indizien könnte sie jedoch Teil des Gesamtbildes werden.
Der Vater steht weiterhin hinter der Angeklagten
Besonders ungewöhnlich ist die Haltung von Fabians Vater. Matthias R. besucht Gina H. regelmäßig in der Untersuchungshaft und erklärte vor Gericht, an ihre Unschuld zu glauben.
Beide sind während des laufenden Mordprozesses wieder ein Paar geworden.
Seine Angaben sorgen auch deshalb für Diskussionen, weil er Gina H. kurz nach Fabians Tod zeitweise selbst verdächtigte. Später nahm er mehrere negative Aussagen über sie zurück oder relativierte sie.
Wegen möglicher Widersprüche leitete die Staatsanwaltschaft gegen Matthias R. ein separates Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer uneidlichen Falschaussage ein. Ein Verdacht, er könne an Fabians Tötung beteiligt gewesen sein, besteht deshalb nicht.
Dennoch zeigt seine Haltung, wie tief die persönlichen Bindungen und Konflikte in diesem Verfahren reichen.
Was weiterhin gegen eine vorschnelle Verurteilung spricht
Trotz der zahlreichen belastenden Indizien bleiben wichtige Punkte ungeklärt:
- Die Tatwaffe wurde nicht eindeutig gefunden.
- Ein Messer aus dem Schuppen eines Nachbarn wies keine nachgewiesene Verbindung zum Mord auf.
- Standortdaten belegen Nähe, aber nicht automatisch eine konkrete Tat.
- Zeugenaussagen müssen auf Erinnerungslücken und mögliche Widersprüche geprüft werden.
- Es wurde bislang kein einzelner öffentlich bekannter Beweis präsentiert, der Gina H. isoliert und zweifelsfrei als Täterin überführt.
In einem Indizienprozess muss das Gericht prüfen, ob sämtliche Hinweise gemeinsam eine geschlossene Beweiskette ergeben oder ob vernünftige Zweifel bestehen bleiben.
Ihre Aussage könnte zum Wendepunkt werden
Gina H. muss nun entscheiden, wie ausführlich sie sprechen und ob sie anschließend Fragen beantworten will.
Besonders entscheidend dürfte sein, ob ihre Darstellung bereits durch digitale Daten oder Zeugenaussagen widerlegt werden kann. Eine nachweislich falsche Erklärung könnte ihre Lage erheblich verschlechtern.
Gelingt es ihr dagegen, einzelne Widersprüche plausibel aufzulösen, könnte die Verteidigung Zweifel an der Indizienkette wecken.
Ein Geständnis sei nicht zu erwarten, heißt es aus ihrem Verteidigerteam. Dennoch könnte sie sich mit ihren eigenen Worten teilweise belasten.
Damit richtet sich nach der Sommerpause alles auf einen Moment: Was wird Gina H. sagen, wenn sie erstmals erklären muss, warum so viele Spuren scheinbar in ihre Richtung führen?
Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für sie die Unschuldsvermutung.






