💔 „Ich fühle mich ihr hier ganz nah“: Der Vater der vermissten Inga kehrt zum Wilhelmshof zurück – und enthüllt schmerzhafte Erinnerungen, die ihn bis heute nicht loslassen.
Jedes Jahr kehrt Jens-Uwe Gehricke zwei Mal nach Wilhelmshof im Landkreis Stendal zurück: am Geburtstag seiner verschwundenen Tochter Inga sowie am Tag ihres Verschwindens am 2. Mai. In diesem Jahr war es besonders schwer für den 56-Jährigen. Denn diesmal jährte sich das Verschwinden zum zehnten Mal.
Die Ungewissheit quäle ihn immens, sagt Jens-Uwe Gehricke. Vor zehn Jahren verschwand seine Tochter Inga mit fĂĽnf Jahren von einer Minute auf die andere spurlos. Der 56-Jährige ist auch dieses Jahr nach Wilhelmshof zurĂĽckgekehrt. “Das ist eine Art von mir, irgendwie mit der Sache umzugehen. Ich fĂĽhle mich hier Inga sehr nahe an diesem Ort, weil es eben hier passiert ist”, sagt Gehricke. Wilhelmshof sei auch ein Ort, wo er seine Erwartungen kanalisieren könne, sagt er. Und auch die Wut, die öfter in ihm aufsteige.
Ich fĂĽhle mich hier Inga sehr nahe an diesem Ort, weil es eben hier passiert ist.Jens-Uwe Gehricke, Vater der vermissten Inga
Vater von Inga: Ermittler sollen nicht aufgeben
Gehricke fordert, dass die Ermittlungsbehörden nicht aufgeben und weiter nach neuen Ansätzen suchen. Jens-Uwe Gehricke ist sich sicher, dass noch nicht alles getan wurde, um das Schicksal seiner spurlos verschwundenen Tochter zu lösen. “Da ich ja die Akten kenne und mich da auch eingelesen habe, bin ich auf Sachen gestoĂźen, wo ich sage, da mĂĽsste noch mal genau geguckt werden, das ist unklar. Das wĂĽrde ich mir wĂĽnschen, dass das passiert.”
In Halle ermittelt seit zwei Jahren eine achtköpfige Gruppe in dem sogenannten Cold Case. Für Ingas Vater Jens-Uwe Gehricke waren die Zeiten, in denen der Fall gar nicht richtig weiterverfolgt wurde, grausam. 2017 – zwei Jahre nach dem Geschehen – wurde das Verfahren erstmals eingestellt. Er brauche es für sich selbst, dass weiter ermittelt werde, sagt Jens-Uwe Gehricke. Auch wenn dies schwer und unheimlich anstrengend sei, gehe es ihm damit besser.
Vermisste Inga Gehricke: Wurde am falschen Ort gesucht?
Zusammen mit einem Sohn – also dem Bruder von Inga – legt Jens-Uwe Gehricke auf dem Wilhelmshof Blumen nieder. Auch ein Bild seiner Tochter befestigt er an einem Baum. Zusammen mit ein paar Bekannten spaziert er über das weitläufige Gelände. Hier und da weist er auf Veränderungen hin. Dann zeigt er die Hausecke, an der Inga zuletzt gesehen wurde.
“Als wir ihr Verschwinden bemerkten, sind wir alle in den Wald, um sie zu suchen.” Es hätte auch gleich auf dem Diakoniegelände gesucht werden mĂĽssen, ist sich der Vater heute sicher. Er zeigt den Sportplatz und auch die Grillecke, an der an jenem schicksalhaften Abend vor zehn Jahren gegessen werden sollte.

Ein Plakat macht auf das Verschwinden von Inga aufmerksam.
Ingas Vater vermutet einen Täter aus dem Umfeld
Nach allem, was er aus den Akten weiß, geht Gehricke davon aus, dass jemand aus dem damaligen Umfeld der Täter ist. Rund hundert Menschen hielten sich zum Zeitpunkt des Verschwindens in Wilhelmshof auf.
“Ich glaube ganz fest daran, dass der SchlĂĽssel von Ingas Schicksal, von Ingas Verschwinden, hier auf dem Wilhelmshof zu finden ist. Ich glaube nicht an AuĂźenstehende, die aus Berlin oder sonst woher gekommen sind. Oder Braunschweig.” Jens-Uwe Gehricke spielt damit auf den Tatverdächtigen im Fall der in Portugal verschwundenen Maddie an. Der Deutsche, der aus Braunschweig stammt, taucht auch in den Akten zum Fall Inga auf.
So sehr wie Jens-Uwe Gehricke immer wieder nach Wilhelmshof kommen möchte, so sehr weiĂź er, wie ihn das belastet. Schon die gesamten letzten zwei Wochen im Vorfeld des Jahrestags seien furchtbar gewesen, sagt er. Wenn er jetzt wieder nach Hause fahre, dann sei dies umso schwerer. “Dann klappe ich regelmäßig zusammen, also das wird mich auch dieses Jahr wieder ereilen.” Aber er wisse auch, dass er sich wieder aufraffe.




