Zweifel wachsen 😳 „Wal-Experte“ sollte „Timmy“ in der Ostsee retten – doch seine Vergangenheit wirft Fragen auf.

Robert Marc Lehmann war anfangs ganz nah an Wal Timmy

 

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Er prĂ€sentierte sich als unverzichtbarer Wal-Retter beim Einsatz um Ostsee-Wal Timmy. Doch mehrere frĂŒhere Angaben zu seinem Werdegang wurden leise von seiner Website gelöscht, Recherchen deckten WidersprĂŒche auf.

 

 

„Der hat Angst“ – Dramatische Rettungsversuche fĂŒr gestrandeten Wal

Die Situation ist angespannt, die Hoffnung gering – und doch geben die Helfer nicht auf. Der Meeresbiologe Robert Marc Lehmann schildert eindringlich die dramatischen Stunden rund um einen gestrandeten Wal, dessen Überlebenschancen er selbst auf lediglich 0,1 Prozent beziffert.

Der Wal liegt in einer denkbar ungĂŒnstigen Position auf einer Sandbank: Sein Kopf befindet sich im flachen Wasser, wĂ€hrend der Schwanz in tieferem Bereich liegt. Diese Lage erschwert nicht nur die Rettungsmaßnahmen, sondern setzt das Tier zusĂ€tzlich unter enormen Stress. „Der hat Angst“, beschreibt Lehmann die Situation. Der Wal sei verunsichert, reagiere aber noch auf BerĂŒhrungen und zeige damit, dass er bei Bewusstsein ist.

Trotz seiner GrĂ¶ĂŸe und Kraft sei der Wal nicht anders zu behandeln als ein verletztes Haustier, erklĂ€rt der Experte. Man mĂŒsse ihm signalisieren, dass Hilfe da ist. TatsĂ€chlich reagiert das Tier auf vorsichtige AnnĂ€herungen, bewegt sich und hat sogar LautĂ€ußerungen von sich gegeben – ein Zeichen dafĂŒr, dass es noch lebt und Kontakt sucht.

Doch die Lage bleibt kritisch. Ein sogenanntes Geisternetz, dessen Reste noch aus dem Maul des Wals hĂ€ngen, könnte ihn ĂŒber lĂ€ngere Zeit massiv geschwĂ€cht haben. Ob das Netz seine Nahrungsaufnahme blockiert, ist unklar – sicher ist jedoch, dass es seinen Zustand erheblich verschlechtert hat.

FĂŒr die Rettung setzen die EinsatzkrĂ€fte unter anderem auf Baggerarbeiten, um eine tiefere Rinne ins Wasser zu schaffen, die den Wal zur RĂŒckkehr ins offene Meer motivieren soll. Gleichzeitig stehen Boote bereit, um das Tier im Falle eines Aufbruchs zu lenken und ein erneutes Stranden zu verhindern. Denn selbst wenn der Wal sich befreien sollte, besteht die Gefahr, dass er nur wenige Meter weiter wieder auf Grund lĂ€uft.

Lehmann macht deutlich, dass eine erfolgreiche Rettung weit ĂŒber das bloße Freikommen hinausgeht. „Gerettet ist der Wal erst, wenn er wieder selbststĂ€ndig frisst und den Weg zurĂŒck in den Atlantik findet“, betont er. Ein langer und unsicherer Weg, der selbst im besten Fall Wochen dauern könnte.

Auch emotional ist die Situation fĂŒr alle Beteiligten extrem belastend. Seit Tagen kĂ€mpfen Helfer vor Ort um das Leben des Tieres. „Eigentlich möchte ich hier stehen und weinen“, gibt Lehmann offen zu. Dennoch versucht er, professionell zu bleiben und realistische Erwartungen zu vermitteln. Denn das wahrscheinlichste Szenario ist, dass der Wal die Strapazen nicht ĂŒberlebt.

Besonders tragisch: Eine Erlösung des Tieres durch EinschlĂ€fern ist kaum möglich. Es existiert keine verlĂ€ssliche Methode, um einen Wal schnell und schmerzlos zu töten. FrĂŒhere Versuche hĂ€tten gezeigt, dass solche Maßnahmen oft zu langem Leiden fĂŒhren.

Sollte die Rettung scheitern, droht dem Wal ein langsamer Tod. Da Wale ihre FlĂŒssigkeit ĂŒber Nahrung aufnehmen, wĂŒrde er ohne Futter schließlich dehydrieren und entkrĂ€ftet sterben. Zudem mĂŒssen Wale aktiv atmen – sie könnten jederzeit aufhören, Luft zu holen.

Trotz aller dĂŒsteren Prognosen gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Der Wal lebt noch, reagiert und zeigt Bewegungen. FĂŒr Lehmann ist genau das der Grund, warum sich der Einsatz lohnt. „Er hat nicht aufgegeben“, sagt er.

Doch selbst wenn es gelingt, ihn zurĂŒck ins Meer zu fĂŒhren, bleibt ungewiss, ob er ĂŒberlebt. Die Natur lĂ€sst sich nicht kontrollieren – und manchmal sind selbst grĂ¶ĂŸte Anstrengungen nicht genug, um ein Leben zu retten.

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