Wal in der Ostsee: Greenpeace glaubt, Timmy wird in der Nordsee ertrinken
Wismar – Am Anfang kämpften sie um Timmy. Jetzt geben die Umweltschützer von Greenpeace dem gestrandeten Buckelwal kaum noch eine Chance. Selbst wenn die waghalsige Rettungsaktion in der Ostsee gelingt, werde Timmy spätestens in der Nordsee ertrinken.
26 Tage nach seiner ersten Strandung in der Timmendorfer Bucht und am 19. Tag auf der Sandbank vor Poel sei der Wal zu geschwächt, sagte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack: „Die Chancen, dass er in der Nordsee landet und dort frei schwimmt, sind gering.“
Foto: Daniel Müller/Greenpeace Germany/dpa
Der Wal hungert seit Wochen
Auch wenn die private Rettungsaktion zunächst erfolgreich ist, sind die Überlebenschancen des Tieres laut Greenpeace gering. Das gelte erst recht für die Möglichkeiten des Wals im Atlantik – sollte er dorthin gelangen.
Der tonnenschwere Meeressäuger ist durch verschiedene Faktoren geschwächt. Er könne aktuell keine Nahrung aufnehmen und hungere, weshalb sein Ernährungszustand entsprechend schlecht sei, sagte der Umweltschützer. Hinzu komme, dass er vermutlich Reste eines Netzes im Maul habe. „Wir wissen nicht, was mit dem Netz ist. Möglicherweise ist es in die Haut eingewachsen oder er hat Teile verschluckt“, so der Umweltschützer.
Wasser in der Lunge bedroht Timmy
Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass sich Wasser in der Lunge des Wals sammelt. Dadurch sei die Atmung beeinträchtigt und der Sauerstoffaustausch über die Lungenoberfläche stark eingeschränkt, sagte Maack. Dadurch werde das ohnehin durch Hautkrankheiten geschwächte Tier zusätzlich beeinträchtigt. „Dieser Wal ist so schwach, dass er sich entschieden hat, dort liegenzubleiben.“
Foto: Henning Schaffner
Den Transport schätzt er als riskant ein. „Ich weiß nicht, ob dieser Schleppverband den weiten Weg in die Nordsee übersteht – das ist nicht ohne.“ Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an der geplanten Rettungsaktion. Als Timmy erstmals vor Timmendorfer Strand festgesessen hatte, war die Organisation noch an der Rettung beteiligt gewesen.
Experten: Wal geschwächt und krank
Obwohl Experten vor einer erneuten Rettung des geschwächten und kranken Wals warnten, nahm der öffentliche Druck zu. Fans des gestrandeten Meeressäugers forderten weitere Maßnahmen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) hatte daraufhin am Mittwoch überraschend grünes Licht für den Rettungsversuch einer privaten Initiative gegeben. Die Verantwortung für die neue Aktion in der Ostsee liege komplett bei den Initiatoren, betonte Backhaus, auch finanziell.




