Tierärztin von „Timmy“-Bergungsaktion erhebt schwere Vorwürfe: „Schiefgegangen, was schiefgehen konnte“
Seit Wochen verwest der tote Buckelwal „Timmy“ am Strand. Tierärztin Tönnies wirft Dänemark Versagen vor: Die Obduktion kommt viel zu spät.
Anholt – Fäulnisgase haben seinen Körper aufgebläht – der Anblick ist für viele Menschen schwer zu ertragen. Der Buckelwal „Timmy“, oder „Hope“ genannt, ist trotz aller Rettungsversuche verendet. Sein Kadaver trieb mehr als zwei Wochen vor der dänischen Insel Anhold. Erst am Sonntag (30. Juni) schleppte ein Unimog den Buckelwal mit einer Seilwinde auf den Strand. Woran ist der Buckelwal gestorben? Diese Frage wollen Wal-Experten jetzt bei einer Freiluft-Obduktion beantworten. Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies (58) erhebt schwere Vorwürfe gegen die dänischen Behörden.

Die Veterinärmedizinerin, die bereits „Timmys“ Strandung vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern begleitete, ist fassungslos: Erst am Donnerstag (4. Juni) soll der Wal vor Ort obduziert werden – viel zu spät, wie sie in einem Video auf ihrem Instagram-Account betont. Während der Buckelwal „Timmy“ noch auf seine Untersuchung wartet, war ein Wal-Kadaver nach einem Fund in Frankreich keine 24 Stunden später im Labor.
„Können wir es größtenteils vergessen“: Für Timmy-Tierärztin kommt Obduktion zu spät
„Die Autopsie, die pathologische Untersuchung in Dänemark, ist schon wieder ein Versagen, denn die hätte längst stattfinden müssen. Jetzt können wir es größtenteils vergessen“, so Tönnies. Dazu wäre bei der gescheiterten Bergung noch an der Fluke gezogen worden. „Alles, was man hätte feststellen und untersuchen müssen, ist mittlerweile vorbei.“ Das bittere Fazit von Tierärztin Tönnies: „Was schiefgehen konnte, ist schiefgelaufen.“ Genaue Rückschlüsse über die tatsächliche Todesursache von Timmys Tod lassen sich ihrer Meinung nach keine mehr ziehen.
Wichtige Spuren seien durch den Verwesungsprozess zerstört. Der Buckelwal liegt seit dem 14. Mai vor der dänischen Urlaubsinsel am Strand. „Leber, Lunge, Herz, Gehirn, Darm und andere Organe können postmortal so stark zersetzt sein, dass man Entzündungen, Blutungen oder andere Veränderungen kaum noch erkennt“, erklärt Tierärztin Tönnies in der Bild. Bei frischen Kadavern lasse sich besser erkennen, ob Verletzungen zu Lebzeiten entstanden seien.
Wal-Forscher: Fischernetze spielten bei vier von sechs Strandungen eine Rolle
„Bei vier der letzten sechs gestrandeten Buckelwale in Dänemark haben Fischernetze nachweislich eine Rolle bei ihrem Tod gespielt“, sagte Wal-Forscher Peter Teglberg Madsen von der Universität Aarhus der Nachrichtenagentur dpa. In Dänemark begleitet der Experte seit 25 Jahren Wal-Obduktionen.
Man wolle laut Madsen vor allem herausfinden, woran das Tier starb, „denn in der Diskussion ging es ja viel darum, ob der Wal gerettet werden konnte oder nicht.“ Bei der sechsstündigen Obduktion am Strand werde beispielsweise auch nach Resten von Fischnetzen und Plastik im Magen und Maul von Buckelwal „Timmy“ gesucht.
Ist es tatsächlich „Timmy“? DNA-Test soll endgültige Gewissheit liefern
Ob es sich bei dem toten Tier tatsächlich um den berühmten Ostsee-Buckelwal handelt, hierzu soll ein DNA-Test letzte Gewissheit liefern, so Tierärztin Dr. Tönnies. Gewebeproben zum Abgleich sind versendet. In etwa drei Wochen „wissen wir – ist es dasselbe Tier – ja oder nein“, sagt Tönnies.
Der am Wal sichergestellte Tracker legt nahe, dass es sich bei dem Kadaver, um den Ostsee-Wal handelt, doch immer wieder kamen Zweifel auf. Nach Angaben des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommerns befindet sich der Tracker inzwischen in Schwerin und soll ausgewertet werden. Allerdings sei dem NDR zufolge zunächst noch unklar, wann Daten vorliegen. (Quellen: Instagram, NDR, dpa) (ml)




