Thomas Huber überbrachte Laura Dahlmeiers Vater die Nachricht vom Tod

Thomas Huber und der Vater von Laura Dahlmeier äußerten sich erstmals gemeinsam zum Tod von Laura Dahlmeier. Auch die Tage des Unglücks werden aufgearbeitet.

München – Andreas Dahlmeier, der Vater von Laura Dahlmeier, äußerte sich im Interview mit dem Spiegel erstmals zum Tod seiner Tochter. Vielleicht, verrät er, werde er den Berg, auf dem seine Tochter umgekommen ist, eines Tages besuchen. Der Laila Peak, 6096 Meter hoch, liegt im Karakorum-Gebirge im Norden Pakistans. Dahlmeier sagt, er werde den Berg ein Stück hinaufsteigen bis zu der Stelle, an der seine Tochter Laura unter Eis und Geröll begraben liegt. Man habe ihm gesagt, es sei ein schöner Platz.

Thomas Huber gab alles, um Laura Dahlmeier zu bergen.
Thomas Huber gab alles, um Laura Dahlmeier zu bergen. © picture alliance/dpa | Henning Kaiser und Imago/Sven Simon

Am 28. Juli verunglückte Laura Dahlmeier beim Bergsteigen in Pakistan, als sie im Abstieg vom Laila Peak in einen Steinschlag geriet. Ein Brocken traf sie am Kopf, Dahlmeier wurde tödlich verletzt. Die Tragödie löste Trauer bei Dahlmeiers Fans und Betroffenheit in der Sportwelt aus. Andreas Dahlmeier geht schon sein Leben lang in die Berge.

Steinschlag zerstört Helm

Laura Dahlmeier war eine der populärsten Sportlerinnen Deutschlands. Im Biathlon holte sie zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Noch mehr als den Biathlonsport liebte sie jedoch das Bergsteigen. 2019 hörte Dahlmeier mit dem Leistungssport auf. Sie absolvierte die Ausbildung zur staatlich geprüften Berg- und Skiführerin.

Für die Reise nach Pakistan tat Dahlmeier sich mit ihrer Bergkameradin Marina Krauss zusammen. Am 26. Juli erreichen sie das Basislager des Laila Peak. Am Morgen des 28. Juli brechen sie zum Gipfel auf. Die Temperaturen steigen plötzlich an, der Schnee wird weich. Die Frauen entscheiden, abzusteigen. Als Laura sich abseilt, lösen sich Gesteinsbrocken. Einer trifft sie tödlich am Kopf, der Helm wird zerstört.

Marina Krauss erkennt eine schwere Kopfverletzung und löst den Notruf aus. In Garmisch-Partenkirchen bildet sich ein Krisenstab. Thomas Huber aus Berchtesgaden befindet sich in der Nähe des Laila Peak. Andreas Dahlmeier kontaktiert ihn: „Ob er helfen könne?“ Am 29. Juli fliegen Hubschrauber zum Berg. „Wir konnten keine vitalen Reaktionen erkennen“, sagte Huber über Dahlmeier, die nach wie vor am Berg im Seil hing.

Nach der Landung telefoniert Huber mit Andreas Dahlmeier und erklärt dem Vater, was er gesehen hat. „Und dann“, sagt Huber beim Gespräch mit dem SPIEGEL und blickt hinüber zu Andreas Dahlmeier, „haben wir beide geweint.“ Thomas Huber sagt: „Zu sehen, dass Laura nicht mehr absteigen konnte zu ihrem Zelt, machte mich sprachlos, ich war betäubt.“

Erneuter Bergungsversuch ohne Sichtung

Im September kehrte Thomas Huber auf Wunsch der Eltern noch einmal zum Laila Peak zurück, um Laura zu bergen. Doch sie war nicht mehr an der Unfallstelle auffindbar. „Wir hätten Laura gern nach Hause gebracht. Aber es war nicht möglich, sie zu holen“, sagt Andreas Dahlmeier. „Es war nach dem Unfall zu gefährlich. Als Thomas noch mal an den Laila Peak ging, war sie nicht mehr auffindbar. Somit bleibt Laura am Berg zurück“, erklärt Lauras Vater.

Und das trotz großem Einsatz: Huber und McCrea inspizierten alle Gletscherspalten am Fuß der Wand. „Das war heikel und nicht ohne Risiko. Aber wir wollten alle Möglichkeiten prüfen“, sagt Huber. „Wir suchten alle Spalten ab, kletterten in ein großes Eisloch, aber wir haben keine Spuren gefunden.“ Es sei davon auszugehen, dass der Körper von Laura Dahlmeier in einer der Gletscherspalten liegt und inzwischen von Gesteinsmassen begraben wurde. (tb)

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