„Sie nimmt sich, was sie will“: Zeugin schildert im Fabian-Prozess brisante Aussage der Angeklagten
Zeugen zeichnen im Fabian-Prozess ein verstörendes Bild der Angeklagten. Ein Telefonat kurz nach dem Leichenfund sorgt für Aufsehen. Nur ein Zeuge stellt ihr ein positives Zeugnis aus.
Die Angeklagte Gina H. im Fabian-Mordprozess am Landgericht Rostock hat schon längere Zeit hinweg über ihre finanziellen Verhältnisse gelebt und etliche Männer für ihren Pferdehof mit weiblichen Reizen betört und ausgenutzt. Das haben mehrere Zeugen in dem Verfahren am Landgericht berichtet.
„Sie macht, was sie will und sie nimmt sich, was sie will“
In dem Dorf und der Region sei bekannt: „Sie macht, was sie will und sie nimmt sich, was sie will“, sagte eine 45-jährige Nachbarin aus Reimershagen (Landkreis Rostock) am Donnerstag. Man habe mit der Angeklagten, die in dem Ort bei den Großeltern aufgewachsen ist, nicht normal reden können. Die Frau sei, wenn es Widerspruch gab, „immer ausgeflippt“.

Die 30-Jährige steht wegen „heimtückischen Mordes“ an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow vor Gericht. Sie soll, so die Staatsanwaltschaft, den Jungen am 10. Oktober zu Hause abgeholt und an einem Wasserloch bei Klein Upahl erstochen haben, um dessen Vater als Freund zurückzubekommen. Dieser hatte sich 2018 von Fabians Mutter aus Güstrow getrennt und hatte von 2021 bis 2025 eine Beziehung mit Gina H. bis er sich im August 2025 von ihr trennte, was sie nicht hinnehmen wollte.
Der Junge galt am 10. Oktober zunächst als vermisst. Die Leiche fand die Angeklagte nach eigenen Angaben am 13. Oktober mit Bekannten bei Klein Upahl, meldete das aber erst am 14. Oktober der Polizei. Sie schweigt aber bisher im Prozess, so dass die Kammer über viele Zeugen die Persönlichkeit der Angeklagten näher beleuchten will.
Zwei Frauen aus Reimershagen, die auch Familienangehörige in Klein Upahl haben, erklärten am Donnerstag, dass sie die Angeklagte aber noch nie in und bei Klein Upahl gesehen hatten. Gina H. hatte dem ersten Bekannten, mit dem sie am 13. Oktober an dem Wasserloch mit der angebrannten Leiche war, erklärt, sie wolle dort suchen, weil sie dort öfter im Winter mit Pferd und Schlitten unterwegs gewesen war. Das bezweifeln aber viele.
Sie habe eine „schnoddrige und kalte Frau erlebt“
Eine Bekannte der Angeklagten, die dieser eigentlich moralisch helfen wollte, berichtete von einem Telefongespräch mit Gina H. am 20. Oktober, sechs Tage nach dem Leichenfund. Sie habe der Angeklagten beistehen wollen und eine traurige Frau erwartet, aber dann eine „schnoddrige und kalte Frau erlebt“. Das könne aber auch Teil ihres Wesens gewesen sein, da Gina H. psychische Probleme hat.
„Da waren so gar keine Emotionen gegenüber Fabian“, sagte die Zeugin. Außerdem habe sie gesagt, dass Fabian gar nicht so nett war, wie er jetzt – nach dem Tod – dargestellt wird. Der Junge habe seit Jahren versucht, „uns auseinander zu bringen“. Die On-off-Beziehung der Frau mit Fabians Vater dauerte vier Jahre.

Sie sei am Telefon sehr erschrocken gewesen, sagte die Zeugin. Und auch schon am 20. Oktober, als noch keine Details zu dem Tod bekannt waren, habe Gina H. gesagt, dass Fabian „mit fünf bis sieben Messerstichen ermordet worden“ sei. „Ich habe den Anruf sehr bereut“, sagte die Zeugin. Sie habe gedacht, Gina H. sei „in was verwickelt“. Die Angeklagte könne gewusst haben, wer den Jungen umgebracht hat und eventuell dazu benutzt worden sein, um die Leiche zu finden.
Der einzige Zeuge, der sich positiv zur Angeklagten äußerte, war bisher ein 70-jähriger Lehrer und Handwerker aus einem anderen Dorf. Seine Tochter hatte früher Reitunterricht bei der Angeklagten, die wegen psychischer Probleme von etwa 1400 Euro Rente lebt.
„Über die Pferde bekommt sie aber Selbstwertgefühl“
„Ich habe ihr psychisches Dilemma schnell erkannt, aber ich mochte sie“, sagte er. Sie könne außergewöhnlich gut mit Pferden und habe „einen guten Kern“. Er gebe ihr ab und zu Geld für Futter und andere Pferdebedürfnisse, manchmal zwischen 300 und 800 Euro, was immer zurückgezahlt worden sei, und habe ihr auch bei Steuersachen geholfen, weshalb er einen guten Überblick über ihre Finanzen habe. „Sie wollte aber mehr, als sie konnte“. So hätte sie mit ihren Einnahmen vielleicht drei Ponys und Pferde halten können, am Ende waren es aber fünf Pferde und Ponys.
Er schätzte ein, dass die Angeklagte ein „unterdurchschnittliches Selbstwertgefühl hat und meist überreagiert“. Der Umgang mit diesen Menschen sei schwierig. „Über die Pferde bekommt sie aber Selbstwertgefühl“, sagte er. Sein Ziel war es, aus der Frau eine „erfolgreiche Reiterin mit einem erfolgreichen Pferd“ zu machen. Er habe aber keine Beziehung mit der 30-Jährigen gehabt. Das war bei mehreren Bekannten der Frau anders, sie hatten sich immer Hoffnung auf ein sexuelles Verhältnis und mehr gemacht.
Zuletzt wurde zudem bekannt, dass die 30-Jährige in ihrem Bemühen, Geld für ihre Pferdehaltung dazuzuverdienen, zwei Arbeitsstellen durch eigenes Verschulden verloren hat. Ihr wurde 2025 in einem Reitsportladen gekündigt, weil sie bei einem Diebstahl ertappt wurde. Außerdem hatte sie eine Stelle als Gemeindearbeiterin in Reimershagen verloren, da sie häufig krank war und diese Arbeit nicht ordnungsgemäß erledigt wurde. Zur gleichen Zeit soll sie aber ihre Tiere regelmäßig versorgt haben.
Ein psychiatrischer Gutachter verfolgt den Prozess. Dieser wird am 7. Juli und 9. Juli fortgesetzt, bevor das Verfahren in eine vierwöchige Pause geht und am 6. August weitergeführt wird.




