Sie lief mit klaffender Halswunde in die Nacht Vermisste Michelle H. in Celle: Polizei startet erneute Suche mit Leichenspürhund auf der Aller
Seit Mittwoch ist Michelle H. aus Celle wie vom Erdboden verschluckt. Jetzt gibt es neue Details zum Weg, den die junge Frau schwer verletzt am Mittwoch, 11. März, genommen haben muss. Zudem veröffentlicht die Polizei zwei neue Fotos der 25-Jährigen und hat am Montag die Suche wieder aufgenommen.

Celle. Das Rätsel um die vermisste Michelle H. aus Celle beschäftigt die Ermittler und die Bevölkerung seit Mittwochmorgen (11. März). Die 25-Jährige bleibt verschwunden. Die Aussichten, die Frau noch lebend zu finden, schwinden. Die großangelegte Suche nach ihr haben die Beamten nach Angaben eines Sprechers am Samstagnachmittag eingestellt. Am Sonntagvormittag wurde bekannt: Die Spur der jungen Frau endet nahe der Aller. Das teilte ein Sprecher der Polizei auf Anfrage mit.
DLRG und Polizei starten neue Suche auf der Aller
Genau hier haben nun am Montagnachmittag die DLRG und die Polizei die Suche im Bereich Dammaschwiese und Ziegeninsel wieder aufgenommen. Mit an Bord des DLRG-Bootes: ein Leichenspürhund der Polizei. Im Laufe des Nachmittags haben sich die DRLG-Ehrenamtlichen und die Polizei vom Bereich Ziegeninsel über den Bereich Pfennigbrücke bis zur Rathsmühle vorgearbeitet.

Etwas mehr als eine Stunde lang war das Boot insgesamt im Wasser unterwegs, beobachtet auch immer wieder von Passanten auf der Pfennig- oder Allerbrücke. Die Suchaktion erregte ebenfalls die Aufmerksamkeit überregionaler TV-Teams. Die Polizei/DLRG-Crew plus Vierbeiner drehte mehrere Runden im genannten Abschnitt und war immer wieder nahe des Ufers unterwegs.
Mit Spürhund: Polizei und DLRG suchen auf Aller in Celle nach vermisster Michelle H.

Hätte der von einer Hundeführerin angewiesene Spürhund etwas gewittert, also genauer den Verwesungsgeruch einer menschlichen Leiche unter Wasser, hätte er angeschlagen. Dieser „Erfolg“ blieb am Montag jedoch aus.
Polizei veröffentlicht neue Fotos der Vermissten
Die Ermittlungsbehörden haben Sonntagmittag zwei neue Fotos der Vermissten veröffentlicht.
Michelle H. lief Richtung Fluss
Die Polizei hat insbesondere am Donnerstag intensiv mit Tauchern und Booten die Aller abgesucht. Es waren gut 50 Beamte im Einsatz, darunter auch Polizisten und Polizistinnen der Zentralen Polizeidirektion Hannover. Die DLRG Celle fuhr die Aller mit Booten bis Oldau ab.

Die Spur der jungen Frau in Richtung Fluss stützt die These, dass die Schwerverletzte in die Aller gestürzt sein könnte. Von dieser Möglichkeit sprach Polizeisprecherin Ulrike Trumtrar am Freitag. Es könne aber auch sein, dass sich Michelle H. versteckt halte. Fest steht: Die Polizei hat intensiv auch den Uferbereich im Suchgebiet kontrolliert.
Wie geht es weiter?
Der Streifendienst der Polizei sucht auf seinen Touren durch Celle und primär im Bereich des Hehlentorgebietes weiter nach Michelle H.. Es gehen weiterhin Hinweise aus der Bevölkerung ein, teilte ein Sprecher am Sonntag mit. Diese sollen aber noch zu keinem Durchbruch der Ermittlungen geführt haben.
Was wir über die Nacht zu Mittwoch wissen
Die 25-jährige Michelle H. soll sich mit einem 46 Jahre alten Mann in ihrer Wohnung in der Albert-Schweitzer-Straße im Celler Hehlentorgebiet aufgehalten haben. Gegen 3.30 Uhr geht bei der Polizei ein Notruf ein. Am Telefon der 46-Jährige. Er meldet, dass die junge Frau mit einer Halsverletzung aus der Wohnung gerannt sei. Fest steht: Michelle H. ist schwer verletzt. Das zeigt das Blut im Treppenhaus und auf ihrem Fluchtweg.
Wer ist der Mann, der den Notruf wählte?
Zunächst sprach die Polizei von einem Angehörigen der Vermissten. Am Donnerstagnachmittag gibt Polizeisprecherin Ulrike Trumtrar dann bekannt, dass es sich um einen Bekannten der Frau handelt. Das nähere Verhältnis der beiden müsse noch untersucht werden.
Was geschah nach dem Notruf?
Die Polizei rückte zu der Wohnung der jungen Cellerin aus. Dort entdeckten die Beamten zahlreiche Blutstropfen, die aus dem Haus hinaus bis zu einer Kreuzung der Robert-Koch-Straße und damit rund 100 Meter weit führen. Noch am Morgen beginnt die Polizei, Nachbarn zu befragen. Die Suchaktion läuft an.
Die Ermittler sprechen mit allen Angehörigen und Bekannten der Frau. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera steigt auf und fliegt die Grünareale und Ackerflächen im Hehlentorgebiet ab. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft sucht das Wehr an der Allerbrücke ab. Spürhunde sind im Einsatz, eine Drohne überfliegt das Suchgebiet. Am Abend ruft die Polizei die Bevölkerung auf, ihre Gärten abzusuchen.
Haben die Spürhunde eine Fährte gefunden?
Die sichtbare Spur der schwer verletzten und stark blutenden Frau endet gut 150 Meter von der Wohnung entfernt. Um Michelle H. zu finden, haben die Ermittler mehrere Suchhunde eingesetzt. Die Hunde konnten keine Fährte der Vermissten aufnehmen. Das gab Polizeisprecherin Ulrike Trumtrar am Freitag auf Anfrage bekannt. Am Sonntag, 15. März, wurde bekannt, dass die Frau in Richtung Aller gelaufen sein muss. Bis dahin führe ihre Spur.
Wie schwer ist die Verletzung der jungen Frau
Das kann die Polizei nicht sagen, auch eine oberflächliche Wunde könne zunächst stark bluten, heißt es seitens der Ermittler. Anhand der gefundenen Blutspur könne dazu keine belastbare Aussage getroffen werden. Klar ist, dass Michelle H. die Wohnung mit einer stark blutenden Wunde verlassen hat. Möglicherweise gelang es ihr später, die Blutung zu stillen.
Gibt es Hinweise aus der Bevölkerung?
Von Bürgern kamen laut Polizei bereits bis Donnerstagmorgen sechs Hinweise, doch alle verliefen im Sande. Dennoch rufen die Ermittler weiterhin alle Zeugen auf, sich zu melden. Weil zum Zeitpunkt des Verschwindens noch kaum etwas auf Celles Straßen los war, ist bisher die Chance, Zeugen zu finden, gering.
Die Suche nach Michelle H. wird intensiviert

Was sind die Hintergründe des Verschwindens?
Die Polizei geht der Theorie eines Gewaltverbrechens ebenso nach wie der einer Selbstverletzung der Frau. Bereits in einem frühen Stadium der Suche sprachen die Ermittler von einer möglichen psychischen Ausnahmesituation der Frau. Ob diese Aussage allein auf den Angaben des 46-Jährigen beruht, ist unklar. Die Ermittlungen zum Verschwinden laufen auf Hochtouren.

Was wir über Michelle H. wissen
Über die Vermisste gibt es wenig Informationen. Die Polizei macht keine Angaben zu der Frau. Sie lebte bisher offenbar zurückgezogen, seit etwa fünf Jahren allein in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses. Zur Nachbarschaft soll sie wenig Kontakt und selten das Haus verlassen haben.
Gilt der 46-Jährige als Tatverdächtiger?
Nein, die Polizei vernahm den Mann und er konnte die Polizeiinspektion anschließend wieder verlassen. Ob es sich bei dem 46-Jährigen um einen Freund oder eine Zufallsbekanntschaft handelt, war zunächst offenbar noch unklar. Am Freitag teilte Polizeisprecherin Trumtrar mit, der Mann sei seit einiger Zeit schon mit Michelle H. bekannt.
Gibt es Hinweise auf einen Kampf in der Wohnung?
Das verneint die Polizei. Kriminaltechniker hatten sofort nach dem Verschwinden der Frau die Wohnung und das Treppenhaus über mehrere Stunden auf Spuren untersucht.
Öffentlichkeitsfahndung nach Michelle H.
Die 25-jährige Michelle H. ist 1,60 Meter groß und auffallend schlank. Sie hat dunkle, lange Haare und trug zum Zeitpunkt ihres Verschwindens eine schwarze, dünne Jacke, eine weite, gleichfarbige Hose und schwarze Schuhe. Die Polizei bittet Zeugen, die Hinweise zu dem Fall oder zum Aufenthaltsort der jungen Frau geben können, sich rasch unter (05141) 2770 in der Polizeiinspektion zu melden.
Konnte die Polizei das Handy orten?
Das Handy von Michelle H. hat die Polizei offenbar bisher nicht finden können. Am Freitag hieß es, das Mobiltelefon sei ausgestellt und seit dem Verschwinden auch nicht wieder ans Netz gegangen.
Wie wurde bisher gesucht?
Die Kräfte der Zentralen Polizeidirektion Hannover rücken am Abend des 12. März wieder ab. Sie hatten am zweiten Tag des Vermisstenfalls die Aller abgesucht, mit Tauchern und von einem Boot aus. Auch zu Fuß durchkämmten 35 Beamte aus Hannover als Verstärkung der Celler Kollegen das Hehlentorgebiet und die nähere Innenstadt. Die DLRG Celle hat die Aller am Donnerstag bis Oldau kontrolliert.

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So lief die Suche am Tag drei des Verschwindens
Die Polizei hat auch am Freitag (13. März) Unterstützung von rund 25 Kollegen aus Hannover erhalten. Von der Polizeiinspektion Celle waren am Tag drei des Verschwindens gut ein Dutzend Beamte mit der Suche nach der 25-Jährigen befasst.
Sie durchkämmten in einem Großeinsatz erneut das nahe Umfeld der Albert-Schweitzer-Straße, aber auch weitere Bereiche. Sie halten außerdem die Augen offen nach Spuren, etwa Kleidungsstücken.
Hilfe bei Suizid-Gedanken
Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit Freunden und Familie darüber. Hilfe bietet auch die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar – unter 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich.
Hier finden Sie eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen
Am Samstagnachmittag gibt die Polizei bekannt, dass die großangelegte Suche mit Dutzenden Beamten, darunter auch Verstärkung aus Hannover, zu Wasser und an Land eingestellt worden sei.
Artikel wird fortlaufend aktualisiert.




