SCHOCK IM FABIAN-PROZESS: Ermittlungen plötzlich auch gegen den Vater – was wusste Matthias R. wirklich?

Rostock. Im Mordprozess um Fabian aus Güstrow kommen erschütternde Details ans Licht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen den Vater.

Der Mordprozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow sorgt seit Wochen bundesweit für Entsetzen – seit Prozessbeginn am 28. April reiht sich in dem Verfahren ein Paukenschlag an den nächsten. Am vierten Verhandlungstag (13. Mai) überschlugen sich die Ereignisse vor dem Landgericht Rostock. Während die 30-jährige Angeklagte Gina H. wegen heimtückischen Mordes an dem Jungen vor Gericht steht, ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen auch gegen Fabians Vater, Matthias R. Der Verdacht: Falschaussage. Es seien entsprechende Ermittlungen gegen ihn eingeleitet worden, sagte Oberstaatsanwalt Harald Nowack in einer Erklärung zu Beginn der Verhandlung.

Es sei wenig nachvollziehbar, wie ein Zeuge seine Aussage derart ändern könne. Um welche Aussagen es sich konkret handle, ließ der Oberstaatsanwalt offen. Matthias R. war bereits am 30. April und am 5. Mai vor Gericht intensiv vernommen worden. Dabei kamen zahlreiche dramatische Details ans Licht. Doch der Reihe nach.

Mordprozess um Fabian: Staatsanwalt sieht Eifersucht als Motiv

Die Rostocker Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen getötet und anschließend seine Leiche angezündet zu haben, um Beweise zu vernichten. Die Staatsanwaltschaft geht von einem heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen aus. Die 30-Jährige soll Fabian, der bei seiner Mutter in Güstrow lebte, aus Eifersucht getötet haben. Gina H., so die Staatsanwaltschaft, soll gehofft haben, Matthias R. dadurch ganz für sich zu haben.

Die Angeklagte war mehr als vier Jahre mit Fabians Vater liiert, der trennte sich jedoch wenige Tage vor Fabians Verschwinden von ihr. „Gina H. handelte ziel- und zweckgerichtet, um durch die Tötung einen Streitpunkt mit Matthias R. zu begraben und diesen wieder für sich gewinnen zu können“, steht in der offiziellen Anklageschrift. Am 14. Oktober 2025 gab die Angeklagte vor, das tote Kind bei einem Spaziergang mit einer Freundin zufällig entdeckt zu haben. Am 6. November nahmen die Ermittler Gina H. fest. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft.

Die Angeklagte schweigt bislang in dem Prozess. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Der Vater von Fabian will von den Anschuldigungen gegen Gina H. jedoch nichts wissen. „Ich glaube an ihre Unschuld“, sagte Matthias R. bereits am 5. Mai vor Gericht und weiter: „Ich stehe offen und ehrlich hinter ihr, solange es keine handfesten Beweise gibt.“ Tatsächlich ist die Beweislage lückenhaft. Die Ermittler haben bislang keine Tatwaffe gefunden. Es gibt auch kein Geständnis. Laut Anklage fehlt ebenfalls ein zweifelsfreier Beweis dafür, dass Fabian an dem Tag in H.s Ford saß. Zeugen hätten Gina H. und ihr Auto in der Nähe des Tatorts gesehen. Jedoch gebe es niemanden, der die Tatverdächtige und Fabian am Tag der Tat zusammen gesichtet habe.

Angeklagte googelte laut Ermittlern: „fressen Wildschweine tote Menschen“

Den Ermittlern zufolge soll vom Handy der Angeklagten aus am Tag des Verschwindens frühzeitig nach Stichworten wie „Polizei“ oder auch „Person in Güstrow vermisst“ im Internet gesucht worden sein. Den Ausführungen des Gerichts zufolge passierte dies schon, bevor Fabians Vater Gina H. mitteilte, dass sein Sohn vermisst wird. Am Tag nach dem Verschwinden des Jungen sei zudem mit Stichworten gesucht worden wie: „fressen Wildschweine tote Menschen“. Gina H.s Anwalt hatte später vor Gericht zu Protokoll gegeben, seine Mandantin glaube, dass ihr Handy möglicherweise gehackt worden sei.

Am dritten Prozesstag hatte Fabians Vater auch erklärt: „Wir sind wieder ein Paar. Das hat sich im Gefängnis im Januar ergeben.“ Zudem räumte er ein, Gina H. regelmäßig in der Justizvollzugsanstalt zu besuchen und sich sowohl um ihre Pferde als auch ihre Großeltern zu kümmern. Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, wurden im Gericht bislang viele Chat- und Sprachnachrichten präsentiert, die Gina H. und Matthias R. in den Monaten vor Fabians Verschwinden austauschten.

Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, wartet im Saal des Landgerichts vor Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian.
Harald Nowack, Oberstaatsanwalt, wartet im Saal des Landgerichts vor Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian (Archivbild).© Bernd Wüstneck/dpa | Bernd Wüstneck

Die Beziehung der beiden scheint also gut dokumentiert. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt trug sehr viele dieser Nachrichten vor. Anhand der Chatverläufe wird deutlich, wie der Vater und die Angeklagte auch nach der Trennung im Sommer 2025 ausgiebig ihre Beziehungsprobleme diskutierten. „Sie drehen die Beziehung hin und her“, sagte der Vorsitzende Richter Schütt am 5. Mai. So ging es in den Nachrichten wiederholt um das angespannte Verhältnis der Beschuldigten zur Familie von Fabians Vater. Demnach störte Gina H., dass er für Absprachen den Sohn betreffend Kontakt mit der Mutter hielt.

Prozess wird um zehn Verhandlungstage verlängert

Der Vater relativiert auf Nachfrage Chat- und Audionachrichten oder auch eigene vorhergehende Aussagen, die zuungunsten der Beschuldigten ausgelegt werden könnten. Oberstaatsanwalt Harald Nowack zeigte sich vom zurückhaltenden Engagement des Vaters im Verfahren irritiert, der sich anders als Fabians Mutter nicht als Nebenkläger anwaltlich vertreten lässt. Matthias R. hatte bislang nach eigener Aussage auch keine direkte Akteneinsicht beantragt und bezieht seine Informationen nur aus den Medien oder von Dritten. „Haben Sie Angst davor, die Wahrheit zu erfahren?“, fragte Nowack ihn.

Neben dem Vater wurden zuletzt im Prozess auch zwei Freunde von Fabian, neun und elf Jahre alt, vor Gericht befragt. Auf die Frage, ob Fabian je zu einer fremden Person ins Auto gestiegen wäre, antwortete der ältere der beiden laut „Bild“: „Ne. Das hätte er nicht gemacht.“ Laut dem Vorsitzenden Richter werden die bislang bis Anfang Juli vorgesehenen 17 Verhandlungstage nicht ausreichen, alle Details des Falls aufzuklären. Darum wurden zehn weitere Prozesstage bis in den September hinein reserviert. Der Prozess wird am Donnerstag nächster Woche fortgesetzt. mit dpa

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