Rita Süßmuth ist gestorben. Die frühere Bundestagspräsidentin starb am Sonntag, 1. Februar, im Alter von 88 Jahren. Das teilte der Deutsche Bundestag mit. Über Jahrzehnte prägte sie die Bundesrepublik als Politikerin und Bundestagspräsidentin und engagierte sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Gleichberechtigung und Verantwortung. Ein besonderer Schwerpunkt ihres Wirkens lag auf der Frauenpolitik und der Stärkung von Frauenrechten. Ihr Engagement reicht weit über ihr politisches Amt hinaus.

Die CDU-Politikerin und frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Zahlreiche Politiker würdigten die Verstorbene als große Politikerin – unter ihnen auch Bundespräsident Steinmeier und Kanzler Merz.
Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth – von 1988 bis 1998 Bundestagspräsidentin und in den 1980er-Jahren Ministerin im Kabinett von Kanzler Helmut Kohl – ist tot. Eine CDU-Sprecherin bestätigte am Abend den Tod der 88-Jährigen eine entsprechende Meldung des Bundestages.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte die Verstorbene als “großartige Frau und eine leidenschaftliche Kämpferin für die Demokratie”. Sie habe mit ihrem Mut, ihrer Beharrlichkeit, ihrem Humor und ihrer Überzeugungskraft maßgeblich dazu beigetragen, Gleichberechtigung umzusetzen. Das Amt der Bundestagspräsidentin habe sie durch ihren persönlichen Stil geprägt und dem Amt innen- wie außenpolitisch Gewicht verliehen.
“Deutschland verdankt ihr viel”
Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb beim Nachrichtendienst X, Süssmuth seine eine große Politikerin, “ein Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen“ gewesen. Sie habe für eine moderne Gesellschaft gekämpft, Maßstäbe für Toleranz und Offenheit gesetzt. “Deutschland verdankt ihr viel”, schloss Merz.
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die als erste die Todesnachricht verbreitet hatte, würdigte Süssmuth als eine der “bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik”. Sie habe mit ihrem Elan und ihrer Beharrlichkeit zahlreiche Menschen in Deutschland inspiriert. Sie habe über viele Jahre an der “Spitze des Parlaments” den deutschen Einigungsprozess mitgestaltet.
Schwere Krebserkrankung
Süssmuth hatte im Juni 2024 eine schwere Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht, aber trotz Chemotherapie ihre politische Arbeit fortgesetzt. Sie wolle weiter dazu beitragen, dass es der Gesellschaft besser gehe. “Dafür gebe ich alles”, sagte sie damals der Bild-Zeitung. Zeit ihres Lebens setzte sich Süssmuth für die Gleichstellung von Mann und Frau und für ein besseres soziales Miteinander in der Gesellschaft ein.
Christdemokratin Süssmuth
“Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen”
Steile Karriere
Geboren wurde Süssmuth 1937 in Wuppertal in einem Akademikerhaushalt. Mit nur 34 Jahren wurde sie Professorin der Erziehungswissenschaften. Dass sie zunächst in der Wissenschaft Karriere machte, schrieb sie stets ihrem Vater zu. Der habe sie von ihren typisch weiblichen Plänen abgebracht, Krankenschwester zu werden, und großen Bildungshunger in ihr geweckt, sagte Süssmuth einmal.
Süssmuth galt lange als das moderne Gesicht der CDU: Von 1987 bis 2002 war sie Abgeordnete im Bundestag, dabei von 1988 bis 1998 als Bundestagspräsidentin. 1985 berief Helmut Kohl sie als Familien- und Gesundheitsministerin ins Kabinett, 1986 wurde sie auch erste Frauenministerin. Aufgrund ihrer Vorarbeiten verabschiedete der Essener CDU-Parteitag 1985 Leitsätze für eine neue Partnerschaft zwischen Mann und Frau und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch das Erziehungsgeld geht mit auf sie zurück.
Oft quer zur Parteilinie
Als Politikerin erreichte Süssmuth schnell große Bekanntheit und Popularität, gerade weil sie oft nicht auf Unionslinie lag. Zum Unwillen von Kanzler Kohl, der seine Gesundheits- und Familienministerin bereits nach drei Jahren aus dem Kabinett schob – Kohl sorgte dafür, dass Süssmuth Bundestagspräsidentin wurde. Sie empfand das stets als Niederlage.
Süssmuth geriet immer wieder mit dem konservativen Flügel der Union aneinander. Bei Themen wie Vergewaltigung in der Ehe wurde sie als Liberale beschimpft. 1992 votierte sie für die Reform des Paragrafen 218, die eine Fristenlösung mit Beratungspflicht vorsah – und erntete heftige Kritik der katholischen Bischöfe. Süssmuth engagierte sich für Aids-Kranke. Während konservative Unionspolitiker sich für eine Art Kasernierung der Erkrankten stark machten, setzte sie den Grundsatz “Prävention statt Ausgrenzung” durch.

Rita Süssmuth mit Helmut Kohl: Dem Kanzler war seine Ministerin oft zu liberal.
Auch im Alter unermüdlich
Nach ihrer politischen Karriere übernahm sie zahlreiche öffentliche Ämter. 2003 wurde sie in die neu gegründete Beratende Kommission zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz (“Limbach-Kommission”), berufen. 2005 wurde sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts.
Sie motivierte nachfolgende Generationen immer wieder, gegen den Strom zu schwimmen: “Ich muss Ihnen sagen, wenn die den Widerstand durchhalten und gute Freunde haben, die sie unterstützen, versetzen sie die ersten kleinen Berge”, sagte sie einmal in einer Talkshow.
2023 wurde Süssmuth Ehrenbürgerin der Stadt Neuss. Dort lebte sie über ein halbes Jahrhundert, bis zu ihrem Lebensende.
Mit Informationen von Gabor Halasz, ARD-Hauptstadtstudio













