Prozess um Mord an 8-Jährigem : Fabians Oma will nicht wissen, was ihrem Enkel passiert ist

Fabian (8) wurde im Oktober 2025 ermordet und seine Leiche verbrannt

Foto: Schwarck Media

Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) – Es geht um den Tod eines Kindes. Um einen kleinen Jungen, der nie wieder nach Hause kommt. Und um eine Großmutter, die vor Gericht jedes Interesse an der Aufklärung vermissen lässt. Monika R. betrat den Saal in einem schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift „Don’t worry, beer happy“ (zu Deutsch: Mach dir keine Sorgen, sei bierglücklich). Ihr Enkel Fabian war tot aufgefunden worden – verbrannt. Als der Richter sie fragte, ob sie wissen wolle, was passiert sei, antwortete die 61-Jährige nur: „Nee, möchte ich nicht.“

Im Mittelpunkt des fünften Prozesstages am Landgericht Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) stand der bizarre Auftritt von Fabians Oma. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt versuchte mehrfach, mit der Frau ins Gespräch zu kommen: „Haben Sie Ihren Enkelsohn gerne gehabt?“ – „Ja.“ – „Haben Sie Ihren Enkelsohn geliebt?“ – „Ja.“

„Fabian kommt nicht zurück zu Ihnen“

Dann wurde der Richter deutlicher: „Fabian wurde tot aufgefunden. Fabian kommt nicht zurück zu Ihnen. Würden Sie gerne wissen, was passiert ist?“ Die Antwort der Oma: „Nee, möchte ich nicht.“ Schütt hakte nach: „Warum?“ Monika R. sagte nur: „Wenn ich nichts sagen kann, kann ich auch nichts sagen.“ Ein Satz, den die 61-Jährige an diesem Tag häufiger wiederholte.

Als Monika R. später erneut mit „Ich weiß das nicht“ antwortete, erwiderte der Richter: „Sie wissen wenig.“ Schütt redete der Frau ins Gewissen: „Vielleicht wollen Sie einfach uns helfen. Denn wir wollen wissen, was passiert ist. Dann beantworten Sie einfach meine Fragen. Denken Sie einfach noch mal kurz darüber nach.“ Fabians Oma blieb wortkarg: „Nö.“

Auch Staatsanwalt Oliver Schley zeigte sich irritiert über die Aussagen der Zeugin. Wann sich ihr Sohn von der Angeklagten Gina H. getrennt hat, weiß die Frau nicht, sagt sie. Auf die Frage, ob sie nie mit ihrem Sohn darüber gesprochen habe, warum er wieder zu ihr gezogen sei, antwortete Monika R.: „Was geht mich das an? Er ist ja alt genug.“ Der Staatsanwalt hakte nach: „Warum wollen Sie nicht wissen, was mit Fabian passiert ist, das war doch Ihr Enkel?“ Darauf schwieg die Großmutter minutenlang.

Polizistin schildert grausamen Fund

Auch eine Polizistin wurde befragt, die im Fall Fabian ermittelt hatte. Fabians Mutter verfolgte die Aussage ihrer Schwiegermutter aufmerksam. Während der Schilderungen der Beamtin musste sie den Saal jedoch verlassen. „Es war so, dass wir Fabian noch grob identifizieren konnten. Er war im Gesicht so stark verändert, dass wir ihn mit dem Foto nicht hätten erkennen können. Das Gesicht war zum Teil verbrannt. Es war wie eine Puppe. Der Leichnam lag auf dem Rücken“, erklärte sie. Eine Anwältin führte die Mutter aus dem Saal.

Die Angeklagte Gina H. (30) saß mit Fußfesseln im Gerichtssaal

Foto: Peter Müller/BILD

Auch Mitarbeiter eines Jugendklubs und eine Nachbarin wurden als Zeugen gehört. Das Gericht spielte zudem Sprachnachrichten zwischen Fabians Vater und Gina H. vor. Darin ging es um die Gründe der Trennung – offenbar spielte Eifersucht eine Rolle.

Matthias R. warf der Angeklagten vor, für sie alles aufgeben zu müssen – sogar sein eigenes Kind. In einer Nachricht von Gina H. hieß es: „Im Endeffekt warst ja nicht Du das Problem, sondern ich, weil ich einfach im Mittelpunkt stehen möchte bei meinem Partner.“ Einen Tag bevor Fabian verschwand, blockierte die Angeklagte seinen Vater bei Whatsapp. Der Prozess wird am 27. Mai fortgesetzt.

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