MORDFALL FABIAN (†8): Diese 10 Zeugen könnten den Prozess drehen – doch ausgerechnet drei Aussagen lassen bis heute besonders viele Fragen offen
🚨 MORDFALL FABIAN (†8): Diese 10 Zeugen könnten den Prozess drehen – doch ausgerechnet drei Aussagen lassen bis heute besonders viele Fragen offen
Mehr als 60 Zeugen, über 20 Verhandlungstage und ein Indiziengeflecht aus Handydaten, Fahrzeugbewegungen, Zeugenaussagen und Spuren am Tümpel: Der Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow wird immer komplexer. Nun rücken zehn besonders wichtige Zeugen in den Mittelpunkt. Einige kannten Fabian, andere standen Gina H. nahe – und manche waren an Orten, an denen sie eigentlich niemals hätten sein sollen. Vor allem die Aussagen rund um Fabians letzte Stunden und den späteren Fundort könnten noch entscheidend werden.
Seit dem 28. April 2026 steht Gina H. vor dem Landgericht Rostock.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vor, Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, ihn bei Klein Upahl getötet und seinen Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Als mögliches Motiv sieht die Anklage ihren Wunsch, die Beziehung mit Fabians Vater wiederherzustellen. Gina H. bestreitet die Vorwürfe; über Schuld oder Unschuld entscheidet allein das Gericht.
Doch eine direkte Beobachtung der Tat gibt es nicht.
Deshalb wird nahezu jedes Detail wichtig.
Wer sah Fabian zuletzt?
Wo befand sich Gina H. am 10. Oktober?
Wer kannte ihre Beziehung zum Vater?
Und warum gelangten mehrere Menschen bereits vor dem offiziellen Leichenfund an den späteren Fundort?
Mehr als 60 Zeugen – aber nicht jede Aussage wiegt gleich schwer
Bereits zum Prozessauftakt war angekündigt worden, dass mehr als 60 Zeugen gehört werden sollten. Inzwischen haben Eltern, Freunde, Nachbarn, Ermittler, Sachverständige und Menschen aus Gina H.s privatem Umfeld vor Gericht gesprochen.
Eine aktuelle Zusammenstellung hebt zehn Personen besonders hervor.
Darunter befinden sich Fabians Eltern, sein bester Freund, eine AWO-Mitarbeiterin, ein Anwohner sowie Menschen aus Gina H.s engem Umfeld.
Und ihre Aussagen erzählen teilweise völlig unterschiedliche Teile derselben Geschichte.
1. Fabians Vater Matthias R. – seine Kehrtwende sorgt bis heute für Aufsehen
Kaum eine Zeugenaussage hat so viele Reaktionen ausgelöst wie die von Fabians Vater.
Matthias R. war vier Jahre lang mit Gina H. zusammen. Die Beziehung endete im August 2025 – nur wenige Wochen vor Fabians Tod.
Kurz nach dem Verschwinden seines Sohnes äußerte er selbst noch Zweifel an Gina H. und fragte sie in einem Chat direkt, ob sie etwas damit zu tun habe.
Vor Gericht klang das Monate später völlig anders.
Er erklärte:
„Ich glaube an ihre Unschuld.“
Zudem bestätigte er, dass er und Gina H. sich durch seine Besuche in der Untersuchungshaft wieder angenähert hätten und erneut ein Paar seien.
Gerade dieser Sinneswandel beschäftigte das Gericht intensiv.
Wegen möglicher Widersprüche zwischen früheren Angaben und seiner Aussage vor Gericht ermittelt die Staatsanwaltschaft sogar separat wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage gegen ihn. Wichtig: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft besteht kein Verdacht, dass Fabians Vater an der Gewalttat beteiligt war.
2. Dorina L. – die Mutter, die ihren Sohn an diesem Morgen zurückließ
Fabians Mutter gehört ebenfalls zu den zentralen Zeugen.
Der Achtjährige war am 10. Oktober krank und blieb zu Hause, während seine Mutter zur Arbeit musste.
Genau deshalb sind ihre Erinnerungen an den Morgen, Fabians Verhalten und seine damaligen Beziehungen zu seinem Vater und Gina H. für die Rekonstruktion der letzten Stunden besonders wichtig.
Die Eltern wurden bereits am zweiten Prozesstag stundenlang befragt.
Für Dorina L. ist der Prozess zugleich etwas völlig anderes als für alle anderen Beteiligten.
Sie sitzt dort nicht nur als Zeugin.
Sie nimmt als Nebenklägerin teil.
Und immer wieder muss vor Gericht über die letzten Stunden ihres achtjährigen Sohnes gesprochen werden.
3. Fabians bester Freund – einer der letzten, die ihn lebend erlebten
Besonders bedrückend ist die Rolle eines erst neunjährigen Jungen.
Fabians bester Freund zählt laut der aktuellen Zusammenstellung zu den letzten Personen, die Fabian vor seinem Verschwinden lebend erlebt beziehungsweise Kontakt zu ihm hatten.
Gerade Aussagen von Kindern werden besonders behutsam behandelt.
Doch seine Erinnerungen können helfen, eine entscheidende Frage einzugrenzen:
Wie verhielt sich Fabian unmittelbar vor dem 10. Oktober – und hatte er etwas angekündigt?
In einem Verfahren, in dem sich vieles auf Minuten, Bewegungen und Kontakte konzentriert, können selbst scheinbar kleine Erinnerungen plötzlich enorme Bedeutung bekommen.
4. Die AWO-Mitarbeiterin – eine Beobachtung aus Fabians Alltag
Auch eine 63-jährige AWO-Mitarbeiterin wird unter den zehn zentralen Zeugen geführt.
Menschen aus Fabians alltäglichem Umfeld können dabei etwas liefern, das technische Daten niemals zeigen:
Wie wirkte der Junge?
Mit wem hatte er Kontakt?
Was erzählte er?
Und gab es Veränderungen, die erst im Rückblick auffällig erscheinen?
Solche Aussagen beweisen keine Tat.
Sie können jedoch helfen, das persönliche Umfeld des Achtjährigen kurz vor seinem Verschwinden zu rekonstruieren.
5. Anwohner Franz H. – plötzlich wird ein Fahrzeug wichtig
Dann kommt ein Zeuge ins Spiel, dessen Aussage besonders für die zeitliche Rekonstruktion relevant sein könnte.
Anwohner Franz H. berichtete über Beobachtungen in der Ulmenstraße. Seine Aussage gehört zu jenen, anhand derer Fahrzeuge und Bewegungen rund um die entscheidenden Tage überprüft werden.
Das ist deshalb brisant, weil im Prozess immer wieder ein auffälliger Pick-up eine Rolle spielt.
Die Anklage geht davon aus, dass Gina H. Fabian mit ihrem Fahrzeug nach Klein Upahl gebracht haben könnte. Die Verteidigung hält dagegen und verweist unter anderem darauf, dass Zeugen möglicherweise ein anderes, ähnlich aussehendes Fahrzeug gesehen haben könnten.
Damit wird aus einer scheinbar simplen Beobachtung plötzlich eine zentrale Frage:
Welchen Pick-up haben die Zeugen tatsächlich gesehen?
6. Christian D. – Gina H. führte ihn zum späteren Fundort
Dann beginnt der vielleicht ungewöhnlichste Teil des gesamten Verfahrens.
Christian D., ein Jäger und Bekannter von Gina H., berichtete, dass sie ihn bereits vor dem offiziellen Fund von Fabians Leiche zu dem späteren Fundort geführt habe.
Die beiden standen zuvor regelmäßig in Kontakt.
Christian D. beschrieb auch Begegnungen mit Gina H. am 10. Oktober, dem Tag, an dem Fabian verschwand.
Allein daraus ergibt sich eine Frage, die im Prozess immer wieder auftaucht:
Warum kannte Gina H. diesen abgelegenen Ort so genau?
Die Verteidigung bestreitet nicht, dass sie dort war.
Entscheidend ist vielmehr, wann, wie oft und warum.
7. Olaf K. – noch ein Mann wird nachts zum Tümpel geführt
Christian D. blieb offenbar nicht der Einzige.
Auch Olaf K., ein Bekannter und Helfer aus Gina H.s Umfeld, soll in der Nacht zum 13. Oktober mit ihr am späteren Fundort gewesen sein.
Nach Angaben aus dem Prozess führten Spuren und Handydaten zu der Annahme, dass beide gemeinsam dort gewesen sein könnten. Gina H.s Telefon war in einem relevanten Zeitraum ausgeschaltet.
Noch brisanter wurde seine Aussage durch einen weiteren Vorwurf.
Im Prozess wurde thematisiert, ob Gina H. mit ihm eine Version der Ereignisse beziehungsweise ein Alibi abgestimmt haben könnte. Der NDR fasste den entsprechenden Verhandlungstag sogar unter der Frage „Alibi-Absprache mit dem Nachbarn?“ zusammen.
Damit gibt es plötzlich zwei Männer, die Gina H. noch vor dem offiziellen Fund mit dem späteren Leichenfundort verbinden.
Und genau das gehört zu den Punkten, die besonders schwer zu erklären sind.
8. Heike M. – die Frau, die schließlich mit Gina H. die Leiche fand
Dann kommt der 14. Oktober 2025.
Vier Tage nach Fabians Verschwinden wird seine Leiche am Tümpel entdeckt.
Gina H. meldet den Fund.
Bei ihr ist Heike M., eine frühere Freundin, die einst in ihrer Nähe wohnte. Sie zählt ebenfalls zu den hervorgehobenen Schlüsselzeuginnen.
Ihre Aussage war emotional.
Vor Gericht schilderte sie ihre Erinnerungen an den Fundort und ihre damalige Beziehung zu Gina H. Unter Tränen machte sie deutlich, dass sie ihre Sicht der Ereignisse erzählen wollte.
Und genau hier schließt sich der Kreis.
Denn der Ort, der am 14. Oktober offiziell als Fundort bekannt wurde, war Gina H. nach mehreren Zeugenaussagen offenbar schon zuvor bekannt.
Dann sind da noch die Ermittler und Gutachter
Neben persönlichen Zeugen spielen im Fabian-Prozess Polizeibeamte und Sachverständige eine enorme Rolle.
Sie untersuchten Handys.
Mobilfunkdaten.
Fahrzeugbewegungen.
Blutspuren.
Textilfasern.
Schuhabdrücke.
Und den Fundort selbst.
Ein Fasersachverständiger berichtete beispielsweise, dass unter Fabians Fingernagel eine Faser gefunden wurde, die zu einem Pullover der Angeklagten passen könnte. Weitere Fasern im Pick-up könnten wiederum zu Kleidungsstücken Fabians passen. Gleichzeitig betonte der Gutachter ausdrücklich, dass sich der Übertragungsweg dieser Fasern nicht eindeutig feststellen lasse.
Genau diese Einschränkung ist entscheidend.
Ein Indiz ist noch kein Beweis für eine Tat.
Der Tümpel könnte gleichzeitig Fundort und Tatort gewesen sein
Besonders wichtig wurde auch die kriminalistische Rekonstruktion am Tümpel.
Nach den im Prozess vorgestellten Erkenntnissen gehen Ermittler davon aus, dass Fabian lebend an diesem Ort angekommen sein dürfte. Am Boden wurden außerdem Schuhabdrücke gefunden, die von der Art her zu Schuhen der Angeklagten passen könnten – eine individuelle Zuordnung war jedoch nicht möglich.
Damit könnte der Ort nicht nur die Stelle gewesen sein, an der der Leichnam abgelegt wurde.
Er könnte zugleich der Tatort sein.
Und genau deshalb sind die Zeugen, die Gina H. dort gesehen haben oder von ihr dorthin geführt wurden, für den Prozess so bedeutsam.
Doch mehrere Aussagen passen nicht sauber zusammen
Das ist der Kern dieses Verfahrens.
Es gibt nicht das eine Video.
Nicht den einen Augenzeugen.
Nicht das eine Geständnis, das alles erklärt.
Stattdessen muss das Gericht Dutzende einzelne Teile zusammensetzen.
Eine Fahrzeugbeobachtung.
Ein Chat.
Eine Faser.
Eine ausgeschaltete Mobilfunkverbindung.
Ein Zeuge am Tümpel.
Noch ein Zeuge am Tümpel.
Und schließlich die Frau, die beim offiziellen Leichenfund dabei war.
Jedes dieser Teile für sich kann erklärbar sein.
Aber wie passen sie zusammen?
Am 24. August könnte sich alles verändern
Nach der jüngsten Prozessphase wurde die Verhandlung erneut unterbrochen.
Am 24. August 2026 soll es weitergehen.
Und dann steht ein Moment bevor, auf den Beobachter seit Monaten warten:
Gina H. will sich erstmals selbst ausführlicher zu den Vorwürfen und Zeugenaussagen äußern.
Nach Angaben ihrer Verteidigung soll sie eine vorbereitete Erklärung vorlesen, die etwa zwei Stunden dauern könnte. Ob sie anschließend Fragen von Gericht und Staatsanwaltschaft beantwortet, ist noch offen.
Das könnte einer der entscheidenden Momente des gesamten Prozesses werden.
Denn erstmals kann Gina H. selbst erklären, warum so viele Zeugen Dinge schildern, die die Anklage zu einem belastenden Gesamtbild zusammensetzt.
Zehn Zeugen – aber drei Fragen stehen über allem
Nach mehr als 20 Verhandlungstagen lässt sich der Fall auf drei besonders schwere Fragen zuspitzen:
Wer sah Fabian in seinen letzten Stunden?
Warum führte Gina H. mehrere Menschen bereits vor dem offiziellen Leichenfund an den Tümpel?
Und:
Welche Version der widersprüchlichen Aussagen hält am Ende der Überprüfung durch Daten, Spuren und andere Zeugen stand?
Die Staatsanwaltschaft sieht darin ein belastendes Indiziengeflecht.
Die Verteidigung versucht weiterhin, zentrale Teile der zeitlichen Rekonstruktion zu erschüttern und alternative Erklärungen für Fahrzeug- und Bewegungsdaten aufzuzeigen.
Noch ist kein Urteil gesprochen.
Für Gina H. gilt die Unschuldsvermutung.
Doch wenn sie am 24. August tatsächlich erstmals selbst spricht, werden all diese Zeugenaussagen plötzlich eine neue Bedeutung bekommen.
Denn dann muss nicht mehr nur das Gericht fragen, was an jenem 10. Oktober geschah – Gina H. wird erstmals selbst erklären können, warum ausgerechnet so viele Wege in diesem Fall immer wieder zu demselben abgelegenen Tümpel führen.



