„Ku’damm 77“: Warum die Schöllack-Frauen jetzt stärker sind denn je
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Drogen, eine toxische Beziehung und viele Geheimnisse: Die Erfolgsserie „Ku’damm“ geht in ihre vierte Staffel | ©ZDF
Endlich tanzen sie wieder! Vier Jahre nach Ausstrahlung von Staffel 3 des TV-Hits „Ku’damm“ öffnet die Tanzschule „Galant“ wieder ihre Türen (Mo-Mi, 12/13/14. Januar, 20.15 Uhr im ZDF). Diesmal auf dem Parkett: der erwachsene Nachwuchs der Schöllack-Damen, aber auch bekannte Gesichter der vergangenen Staffeln.
Wir erinnern uns: Staffel 1 spielte im Jahr 1956, Staffel 2 drei Jahre später. In Staffel 3 „Ku’damm 63“ mussten „Mutti“ Caterina (Claudia Michelsen) und ihre Töchter Monika (Sonja Gerhardt), Helga (Maria Ehrich) und Eva (Emilia Schüle) etliche Todesfälle verkraften. Eva stieß ihren Gatten (Heino Ferch) die Treppe hinunter, Monikas Mann Joachim (Sabin Tambrea) beging Suizid. Nun glaubt Monika, den Toten auf dem Ku’damm erkannt zu haben. Natürlich ist das unmöglich – doch wer ist dieser Mann, der Joachim zum Verwechseln ähnlich sieht?
Wie immer plagen die Familie schier unlösbare Probleme: Helga ist Alkoholikerin und in eine toxische Beziehung mit dem Zahnarzt Hannes (Florian Stetter) verstrickt. Mutter Caterina droht die Tanzschule zu verlieren, Eva wird aus dem Gefängnis entlassen, und Monikas Tochter Dorli (Carlotta Bähre) wird drogenabhängig. Das alles geschieht vor dem Hintergrund der gesellschaftspolitischen Ereignisse der 70er-Jahre, in denen unter anderem der RAF-Terror, die Heroinwelle am Berliner Bahnhof Zoo und Elvis Presleys Tod die Schlagzeilen beherrschen. Das Besondere diesmal: Die Schöllacks werden zu Protagonistinnen einer Dokumentation. Die Journalistin Linda (Massiamy Diaby) richtet die Kamera auf sie – und plötzlich wird das Familiendrama zu einer Doku-Parodie, einer sogenannten Mockumentary.
Bei aller Dramatik punktet die Serie mit einer Stärke: dem Zusammenhalt der Frauen – ihrer „Weiberwirtschaft“. Drehbuchautorin Annette Hess gesteht gegenüber HÖRZU: „Ich mag das Wort. Es passt auch auf die Schöllack-Frauen, im Sinne von leicht provokant und selbstbewusst.“ Die einst negative Konnotation des Begriffs habe sich längst verändert, viele erfolgreiche Firmen trügen den Namen heute mit Stolz. „Und bei den Schöllacks wäre es ja auch eine Weiberwirtschaft 2.0.“
„‚Ku’damm 77‘ als Ode an die Demokratie
Tatsächlich zeigt die Serie, wie drei Generationen sich gegenseitig stützen, aber gleichzeitig ganz eigene Wege gehen. Und die Männer? Spielen nur Nebenrollen. Welchen Anspruch hat Hess, die diesmal auch Showrunnerin im US-Sinn war, also die Kreativführung jeder Abteilung war und obendrein neben Regisseur Maurice Hübner als Co-Regisseurin am Set das Sagen hatte? „Mein Anspruch ist, unser aller Unzulänglichkeiten aufzuzeigen und diese zu verzeihen“, lautet die Antwort. „‚Ku’damm 77‘ erzählt ja trotz der Konflikte und teils konträren Positionen von der Möglichkeit von Gemeinschaft. Für mich ist diese vierte Staffel auch eine Ode an die Demokratie. Und die Familie ist ja die kleinste politische Zelle.“
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Authentisches, intuitiv entwickeltes Erzählen ist das Ziel von Grimme-Preisträgerin Annette Hess. HÖRZU erklärt sie es am Beispiel eines extremen, zugleich sehr realistisch wirkenden Dialogs zwischen Helga und ihrem kontrollsüchtigen Partner – ein Wortgefecht, das in einer Spirale psychischer Gewalt mündet und mit einem Schlag ins Gesicht der wehrlosen Frau endet. „Helgas Geschichte mit Hannes Mikusch ist autobiografisch“, so Annette Hess. „Ich glaube, von einer missbräuchlichen Beziehung kann man nicht glaubwürdig schreiben, wenn man das nicht erlebt hat.“ Das gelte aber letztlich für alle Figuren und Dialoge.
Gibt es weitere “Ku’damm“-Fortsetzungen?
„Wenn Figuren lebendig sein sollen, müssen sie aus dem persönlichen Erleben kommen. Die Schauspieler*innen merken das sofort. Und wenn’s stimmt, laufen sie zu solchen Höchstleistungen auf wie etwa Maria Ehrich und Florian Stetter.“ Auch Monikas Problem, ihre Tochter loszulassen, sei eines ihrer persönlichen Themen, sagt Annette Hess. Persönliche Vorlieben wiederum hätten sie zu der Idee inspiriert, die Schöllacks in der Serie zu Helden einer Mockumentary zu machen. Hess mag den „Mix aus echt und nicht echt“, direkte Blicke in die Kamera und das Pseudo-Dokumentarische – wie bei „Stromberg“ oder „Die Geissens“.
Und was kommt nach Staffel 4? Hätte Hess Lust auf weitere „Ku’damm“-Fortsetzungen? Durchaus, so die Autorin, da sie „Fan einer Dreierstruktur“ sei. Auf drei Staffeln aus den 50er- und 60er-Jahren könnten also drei aus den 70ern und 80ern folgen. Die Fans wird’s freuen. Auf diesem Niveau dürfen die Schöllacks gern weiter durch die Jahrzehnte tanzen.
“Ku’damm 77“: Mo/Di, 12/13. Januar, 20.15 Uhr im ZDF und alle Staffeln komplett im ZDF-Streamingportal




