Prozessauftakt im Mordfall Fabian: Richter fordert Vertraute der Mutter auf, den Saal zu verlassen

Am 28. April begann der Mordprozess um den getöteten Fabian aus Güstrow. Der erste Prozesstag dauerte nicht lange. Die Angeklagte schweigt.

Update vom 30. April, 5:50 Uhr: Am Landgericht Rostock wird der Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow an diesem Donnerstag fortgeführt. Ab 9:30 Uhr sind die ersten Zeugenaussagen vorgesehen. Zunächst soll am Vormittag die Mutter des im vergangenen Oktober getöteten Jungen vernommen werden, am Nachmittag folgt der Vater. Insgesamt sind 17 Verhandlungstage angesetzt – es handelt sich um den zweiten Prozesstag.

Auftakt Mordprozess im Fall Fabian Gina H
Die Angeklagte Gina H. und ihre Anwälte warten im Saal des Landgerichts auf den Beginn des Mordprozesses im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen Fabian aus Güstrow heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. © Bernd Wüstneck/dpa

Update vom 28. April, 15:23 Uhr: Warum musste Fabian sterben? Die Antwort liegt für die ermittelnde Staatsanwaltschaft auch in einer Chatnachricht. Sie stammt von Fabians Vater und ging an die Angeklagte Gina H. Darin blockte er eine weitere Beziehung mit ihr ab. Sie soll daraufhin „erbost“ gewesen sein. Wenige Wochen zuvor sprachen wir mit Staatsanwalt Harlad Nowack, der einen solch kraftvollen Beweis als Indiz ankündigte. Die Anklageschrift im Wortlaut lesen Sie hier.

Update vom 28. April, 12.35 Uhr: Der Rostocker Oberstaatsanwalt Harald Nowack war nicht überrascht, dass der erste Prozesstag nach rund 20 Minuten schon wieder beendet war. Dies habe von der Angeklagten abgehangen – sie habe jedoch keine Erklärung abgeben wollen, sagte er der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media kurz nach dem Ende der Verhandlung. Der Verlauf sei insgesamt ruhig und geordnet gewesen. Nowacks Kollege hatte die Anklageschrift am Dienstagmorgen vor dem Landgericht Rostock verlesen.

Nowack wies allerdings auf ein spannendes Detail zu Beginn der Verhandlung hin. Der vorsitzende Richter hatte zu Beginn der Sitzung Zeugen und Zeuginnen aufgefordert, den Saal zu verlassen. Daraufhin verließ eine Freundin der Mutter den Raum – jene Freundin, die in den sozialen Medien in den vergangenen Monaten präsent gewesen war. Nowack wies darauf hin, dass dies keinerlei Zwang gewesen wäre, den Raum zu verlassen, eine derartige Präsenz allerdings Einfluss auf die Bewertung der eigenen Aussage hätte. Die Zeugin soll im Laufe der Prozesstage noch vernommen werden. Sie gilt als enge Vertraute der Mutter.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft habe die Angeklagte gehofft, durch die Tötung des Kindes eine erneute Chance auf eine Beziehung mit dem Vater des kleinen Fabian zu bekommen. Bei der Tat habe es sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft weniger um Rache gehandelt.

Update vom 28. April, 11:25 Uhr: Die stellvertretende Sprecherin des Rostocker Landgerichts, Anne Kruse, schilderte bei fr.de von Ippen.Media kurz nach der Anklageerhebung ein paar Eindrücke aus dem Gerichtssaal. Die Angeklagte Gina H. sei zurückhaltend aufgetreten, habe von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht und sich zu Beginn hinter einer Mappe versteckt. Sie habe sehr leise gesprochen, als sie ganz kurz ihre Personalien angegeben habe.

Wie ging es Fabians Mutter auf der anderen Seite? Dem NDR zufolge wirkte die Frau, die als Nebenklägerin am Prozess beteiligt ist, gefasst – zumindest äußerlich. Der Verlauf sei insgesamt ruhig und geordnet gewesen, sagte auch Oberstaatsanwalt Harald Nowack, dessen Kollege die Anklage verlas.

Update vom 28. April, 11:10 Uhr: Gina H. äußerte sich am ersten Prozesstag nicht und wird das laut ihrem Anwalt auch nicht tun. Aus der Anklage gehen jedoch Details zum möglichen Tatmotiv hervor. Die im Fall des getöteten Fabian aus Güstrow beschuldigte 30-Jährige hat den Jungen nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Rostock in der Hoffnung ermordet, eine zuvor bestehende Beziehung mit dem Vater des Jungen wiederherstellen zu können. Sie habe bedenkenlos das Leben des achtjährigen Kindes zerstört in der vagen Hoffnung, die Beziehung zu reparieren, hieß es in der zum Prozessauftakt vorgelesenen Anklage.

Demnach war die Frau bis August 2025 etwa vier Jahre lang in einer Beziehung mit Fabians Vater. Zu Beginn habe Fabian seinen Vater, der getrennt von Fabians leiblicher Mutter lebt, noch regelmäßig aufgesucht, auch um mit dem etwas jüngeren Sohn der nun Beschuldigten zu spielen. Dann habe Fabian aber eine körperliche Auseinandersetzung zwischen der Beschuldigten und dem Vater mitbekommen. Infolgedessen sei der Kontakt abgebrochen. Erst nach der Trennung von der Frau wollte sich Fabian demnach wieder regelmäßig bei seinem Vater aufhalten und tat dies auch.

Versuche der Angeklagten, die Beziehung zu Fabians Vater wiederherzustellen, lehnte dieser laut Anklage auch deshalb ab, weil er den Kontakt zu seinem Sohn nicht wieder gefährden wollte. Dies habe er der Beschuldigten zuletzt auch am 9. Oktober in einer Chat-Nachricht mitgeteilt. Über die endgültige Trennung erbost, habe die Frau am 10. Oktober 2025 in der Nähe eines Tümpels unvermittelt mindestens sechsmal auf Brust und Oberkörper des Jungen eingestochen. Zwei Stiche seien direkt ins Herz gegangen. Später habe sie die Leiche angezündet, in der Angst, sie könne entdeckt werden.

Erster Prozesstag nach kurzer Zeit beendet

Update vom 28. April, 10:15 Uhr: Der erste Prozesstag im Mordfall Fabian war schon nach rund 20 Minuten mit der Verlesung der Anklage beendet. Seitens des Anwalts der angeklagten Gina H. hieß es nur, dass man „keine Angaben zur Sache machen“ werde. Zum Motiv des, laut Anklage, heimtückischen Mordes gab es indes neue Informationen, wie verschiedene Medien übereinstimmend von vor Ort berichten. Demnach habe es Streit zwischen der Tatverdächtigen und Fabians Vater gegeben. Diesen habe Gina H. ausräumen wollen.

Update vom 28. April, 10 Uhr: Der Fall des getöteten Fabian landet endlich vor Gericht. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen und bei großem Öffentlichkeitsinteresse hat rund sechseinhalb Monate nach dem gewaltsamen Tod des Achtjährigen aus Güstrow der Prozess gegen die 30 Jahre alte Tatverdächtige begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Am ersten Prozesstag wurde zunächst die Anklage verlesen. Die Angeklagte selbst äußerte sich nicht und wird sich, Angaben ihres Strafverteidigers zufolge, nicht zu Wort melden, berichtet der Nordkurier.

Update vom 28. April, 9:05 Uhr: Der Rostocker Oberstaatsanwalt Harald Nowack, der die Ermittlungen leitete, erklärt uns vorab, dass seit Anklageerhebung keine neuen Details oder Erkenntnisse hinzugekommen seien. Es habe auch keine weiteren neuen Meldungen zum Fall gegeben. Nowack will nicht viel verraten und ist selbst gespannt, ob sich die Angeklagte äußern wird. Zum Motiv werde heute im Gericht etwas Neues gesagt werden. Für die Ermittler bestehe der hinreichende Tatverdacht gegen sie.

Landesgericht gibt Zeitplan und erste Prognose

Update vom 28. April, 5.32 Uhr: Das erwartete Medienaufkommen am Landgericht Rostock ist so gewaltig, dass heute mit Straßensperren operiert wird, erfährt Ippen.Media aus dem Gericht. Mutter und Vater von Fabian werden noch diese Woche vernommen. Man geht nicht davon aus, dass sich die Angeklagte zu den Vorwürfen äußern wird. Man geht außerdem davon aus, dass der Prozess deutlich länger als die angesetzten 17 Tage dauern wird, da 63 Zeugen vernommen werden sollen.

Tatverdächtige im Fall Fabian festgenommen Güstrow Rostock
Am 28. April beginnt der Mordprozess um den getöteten Fabian aus Güstrow – in einem Ex-Stasi-Gebäude, das für fast 100.000 Euro umgebaut wurde. © Philip Dulian/dpa

Update vom 28. April, 5:10 Uhr: Mit der Verlesung der Anklage beginnt am Dienstag vor dem Landgericht Rostock der Mordprozess gegen die 30-jährige Angeklagte. Laut Staatsanwaltschaft soll sie den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 an einem Teich im mecklenburgischen Klein Upahl – rund 15 Kilometer von Güstrow entfernt – mit sechs Messerstichen umgebracht haben. Die Angeklagte ist wegen „des Verdachts des heimtückischen Mordes und aus sonst niedrigen Beweggründen“ angeklagt. Zur Tat hat sie bisher geschwiegen, ob sie sich im Prozess äußern wird, ist offen.

Das Verfahren vor der Schwurgerichtskammer ist auf 17 Verhandlungstage angelegt, die bis zum 2. Juli terminiert sind. Mehr als 60 Zeugen sollen gehört, Gutachten ausgewertet und zahlreiche Indizien geprüft werden. Am ersten Verhandlungstag selbst werden noch keine Zeugen vernommen. Möglicherweise geben die beiden Verteidiger der Angeklagten jedoch ein Eingangsstatement ab. Die 30-Jährige – zur Tatzeit war sie 29 – sitzt seit dem 7. November 2025 in Untersuchungshaft. Die Mutter des getöteten Kindes nimmt als Nebenklägerin an dem Prozess teil.

Das öffentliche Interesse an dem Fall ist enorm: Im Saal 2.002 des Landgerichts sind allein 50 Sitzplätze für Medienvertreter reserviert.

Ehemaliges Stasi-Hauptquartier für fast 100.000 Euro umgebaut

Update vom 28. April, 5:13 Uhr: Ein Achtjähriger. Sechs Messerstiche. Eine verbrannte Leiche im Wald. Was im Oktober 2025 in der kleinen Stadt Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern geschah, hat Deutschland erschüttert. Am Dienstag (28. April) beginnt am Landgericht Rostock der Mordprozess um den Tod des kleinen Fabian.

Der Ort, an dem die Wahrheit ans Licht kommen soll, trägt selbst eine schwere Vergangenheit: Das denkmalgeschützte Gebäude in der August-Bebel-Straße in Rostock war vor der Wende das örtliche Hauptquartier der Stasi. Der große Saal, in dem nun verhandelt wird, diente einst als Vorführraum mit Bühne und Vorhängen. „Dieser große Saal war schon immer ein großer Saal. Früher gab es hier tatsächlich eine Bühne, Vorhänge und so eine Art Vorführraum war das“, erklärte Anne Kruse, Richterin am Landgericht Rostock und stellvertretende Pressesprecherin des Landgerichts, laut Nordkurier.

Mordprozess Fabian: Gerichtssaal wurde für fast 100.000 Euro umgebaut

Für den Prozess wurde der Saal grundlegend aufgerüstet – für insgesamt rund 99.600 Euro. Zwei neue Laser-Beamer, zwei Bildschirme und eine neue Mediensteuerungsanlage wurden installiert. Hintergrund ist die laufende Umstellung auf die elektronische Akte in Mecklenburg-Vorpommern.

„Es wurden zwei neue Laser-Beamer installiert, damit man etwas sehen kann, wenn zum Beispiel Bilder vorgezeigt werden. Es wurden zwei Bildschirme angeschafft, damit die Öffentlichkeit auch informiert ist, was in Augenschein genommen wird“, so Kruse. Das Justizministerium habe die Erneuerung extra beschleunigt, damit der Prozess in diesem Saal stattfinden kann.

Auch die Sitzkapazität wurde erweitert: 50 Presseplätze und 106 Stühle für die Öffentlichkeit stehen bereit. „Wir haben die Stuhlreihen hier im Großen Saal aufgestockt, weil wir ein großes öffentliches Interesse erwarten“, sagte Kruse. Anfragen kämen sogar von Menschen, die wissen wollen, ob sie Sitzplätze reservieren können. Es gebe ein „deutschlandweites Interesse“ an dem Fall. Auch Fabians Mutter meldete sich immer wieder zur Tat.

Vorwurf des Mordes: Ex-Freundin des Vaters soll Fabian getötet haben

Angeklagt ist Gina H. (30), eine Bekannte des Jungen und Ex-Freundin des Vaters. Sie soll Fabian am 10. Oktober 2025 unter einem Vorwand aus seiner Wohnung gelockt haben. Der Junge war wegen Unwohlseins zu Hause geblieben, während seine Mutter arbeitete. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, Fabian „heimtückisch und aus sonst niedrigen Beweggründen“ getötet zu haben – mit mindestens sechs Messerstichen, zwischen 11 Uhr und 15 Uhr. Danach soll sie die Leiche mit Brandbeschleuniger in einem Wald nahe Klein Upahl angezündet haben. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden. Für die Angeklagte gilt die Unschuldsvermutung.

Güstrow war nach der Tat wie gelähmt. Bürgermeister Sascha Zimmermann beschrieb damals eine Art Schockstarre: „Weil man nicht begreifen kann, warum so etwas passiert. Warum jemand einem Kind so etwas antut und ein Kind tötet.“ Der Prozessauftakt ist am 28. April um 9.30 Uhr. Insgesamt sind 17 Verhandlungstage bis Anfang Juli angesetzt, wie Kruse gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media erklärte.

Da mit einem gewaltigen Medienaufkommen und Menschenandrang gerechnet wird, werde man vor dem Gericht mit Straßensperren operieren, so die stellvertretende Pressesprecherin des Landesgerichts Rostock. Bislang wird nicht damit gerechnet, dass sich die Angeklagte zu den Vorwürfen äußert. Vielmehr könne der Prozess deutlich länger als die angesetzten 17 Tage dauern, da 63 Zeugen vernommen werden sollen. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht lebenslange Freiheitsstrafe. (Quellen: Deutsche Presse-Agentur, Nordkurier) (rd)

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