„Die Wahrheit ist noch erschütternder, als viele dachten“ – Was am zehnten Verhandlungstag enthüllt wurde, lässt Deutschland nicht los – Neue Aussagen zu Geldproblemen und der Beziehung zu Fabians Vater sorgen für Aufruhr im Gericht

Am zehnten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian präsentierte ein Kriminalbeamter die Auswertung des Smartphones von Gina H. – und zeichnete dabei das Bild einer Beziehung, die zunehmend von Geldstreitigkeiten, Eifersucht und Kontrollzwang geprägt war.
Der zehnte Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock begann mit der Aussage eines Kfz-Mechanikers, der Gina H. seit der Kindheit kennt. Die beiden wuchsen in der Nähe voneinander auf, besuchten dieselbe Schule und nahmen vor etwa drei Jahren wieder Kontakt auf.

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„Wir hatten regelmäßig Kontakt über das Handy, persönlich fast gar nicht”, beschrieb er die lose Bekanntschaft.
Fabians Vater Matthias R. kannte er nur aus Erzählungen.
Eifersucht, Kontrollzwang und fünf andere Männer
Im Mittelpunkt des Verhandlungstags stand anschließend die Auswertung von Gina H.s Smartphone durch einen Kriminalbeamten. Der Polizist berichtete von 33.000 protokollierten Ereignissen allein im Zeitraum vom 9. bis 14. Oktober – darunter rund 1.000 Sprachnachrichten. Das Verhältnis zu Matthias R. sei „geprägt von Streitigkeiten” gewesen. Der Beamte attestierte Gina H. Eifersucht und Kontrollzwang. Matthias R. habe mehr arbeiten müssen, um die Angeklagte finanziell zu unterstützen – unter anderem für die Pferdehaltung. In manchen Streitereien wirkten Gina H.s Positionen laut dem Zeugen „lebensfremd“.
Gleichzeitig pflegte Gina H. laut den Ermittlungen intensiven Kontakt zu anderen Männern – der Beamte listete fünf Namen auf. Matthias R. soll ihr dennoch zwei Heiratsanträge gemacht haben.
Nach der Trennung im August 2025 kreisten Gina H.s Nachrichten laut den Ermittlungen vor allem um Geldprobleme, Schulden und fehlende Landwirtschaftstechnik. Den Verlust ihres Partners thematisierte sie kaum. Stattdessen äußerte sie Hass auf die Familie von Matthias R. und seinen Wohnort. Auch dessen Kontakt zu Fabians Mutter sei „nicht erträglich”. Als weiterer Konfliktpunkt galt ihr Alkoholkonsum. Insgesamt gewannen die Ermittler den Eindruck, dass Gina H. stets „im Mittelpunkt” stehen wollte.
360 Euro für Temu – und kein Geld dafür
Besonders aufschlussreich waren Sprachnachrichten aus dem Jahr 2024. Im April beklagte Gina H., dass sie in wenigen Tagen eine Temu-Rechnung über 360 Euro begleichen müsse:
„Ich weiß nicht, wie ich das machen soll.”

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Gleichzeitig kritisierte sie, dass Matthias R. sich unterwegs etwas zu essen kaufe. Daraufhin antwortete er:
„Ich geb dir heute Abend Geld. Einmal für die Rechnung, einmal Taschengeld. Dann ist gut, dann kannst du holen, was du möchtest.”
Doch auch das passte ihr nicht und sie wolle nicht „abhängig” von ihm sein. Von ihm bekomme sie immer nur so viel Geld, wie für die laufenden Ausgaben nötig sei – „mehr aber auch nicht”.

Die Angeklagte erhebt sich im Gerichtssaal des Landgerichts Rostock zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian, 9. Juni 2026. | Quelle: Getty Images
Eine andere Sprachnachricht aus dem Februar 2024 sorgte im Gerichtssaal für Raunen: Matthias R. hatte ihr mitgeteilt, dass er sich im Supermarkt etwas zu trinken geholt habe. Gina H. entgegnete trocken und vorwurfsvoll: „Und warum sagst du mir das nicht?!”
Auffällig war für die Ermittler zudem, dass der Tod ihres Pferdes „Tiffy” im Mai 2024 in der Kommunikation deutlich häufiger thematisiert wurde als der Tod von Gina H.s eigenem Vater wenige Monate später.
Smartwatch konnte nicht ausgewertet werden
Neben dem Smartphone untersuchten die Ermittler auch eine Smartwatch von Gina H. Das Gerät – ein Modell aus chinesischer Produktion – konnte jedoch nicht ausgewertet werden.
Richter Schütt fand zudem eine weitere auffällige Stelle in den Daten: Am Tag von Fabians Verschwinden teilte Matthias R. Gina H. lediglich mit, dass Fabian krankheitsbedingt zu Hause geblieben sei. Wenige Minuten später berichtete Gina H. einem Freund, dass Fabian Bauchschmerzen gehabt habe. Woher sie dieses Detail kannte, konnte der Ermittler anhand der Handyauswertung nicht erklären.
Der zehnte Verhandlungstag endete früher als gewohnt. Am Freitag wird der Prozess mit einem weiteren Zeugen fortgesetzt, mit dem Gina H. laut Gericht intensiven Kontakt gepflegt hat. Ein Beobachter im Gerichtssaal zeigte sich fassungslos über das Verhalten der Angeklagten und kommentierte es als „narzisstisch“. Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Wie bereits berichtet:
Was tat Gina H. in den Stunden, bevor Fabian verschwand? Am zehnten Verhandlungstag werteten die Ermittler ihr Handy aus – und förderten Suchanfragen und Nachrichten zutage, die einen Schatten auf den Abend zuvor werfen.
Über 33.000 Ereignisse hatten die Ermittler auf dem Smartphone von Gina H. in nur viereinhalb Tagen protokolliert – darunter rund 1.100 Sprachnachrichten, vor allem an Fabians Vater Matthias R. Ein Kriminalbeamter wertete diese gewaltige Datenmenge aus und präsentierte sie am zehnten Prozesstag vor dem Landgericht Rostock.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte (v.l.n.r.), Andreas Ohm, Anwalt, und Thomas Löcker, Anwalt, warten im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. | Quelle: Getty Images
Im Mittelpunkt: der 9. Oktober 2025 – der Abend, bevor Fabian verschwand.
An diesem Tag war Fabian morgens in der Schule, am Vormittag zu Hause. Gina H. traf sich mit einem Freund am Krebssee. Am Nachmittag war Fabian bei einem Freund und im Jugendclub. Soweit ein normaler Tag.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Andreas Ohm (v.l.n.r.), Anwalt, die Angeklagte und Thomas Löcker, Anwalt, erheben sich im Saal des Landgerichts, als das Gericht zur Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian eintritt. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den damals achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Doch dann verschickte Gina H. am Abend eine Nachricht an einen Freund, die das Gericht aufhorchen ließe:
„Sie muss einen Weg finden für die komplette Zukunft.”
Kurz darauf folgten Suchanfragen, die im Kontext des nächsten Tages eine düstere Bedeutung bekommen. Gina H. googelte am Abend des 9. Oktober nach „Testament aufsetzen”, „Testament schreiben ohne Notar” und „Testament verfassen”.
Am selben Abend schrieb Fabians Vater ihr eine Nachricht, die im Rückblick schwer zu ertragen ist:
„Es gibt auch Dinge wie Fabian, die mir bisschen Hoffnung und Kraft schenken.”
Am nächsten Tag, dem 10. Oktober, verschwand Fabian. Laut Anklage wurde er an diesem Tag getötet.
Die Handyauswertung zeichnet auch die Tage danach detailliert nach. Am Morgen nach Fabians Tod googelte Gina H., ob Wildschweine tote Menschen fressen – zuvor hatte sie nach „Polizei” und „Polizei news” gesucht. Mit einem Freund schrieb sie immer wieder über Spuren und Ermittlungen.
In einer Nachricht schrieb sie: „Ich wünschte, ich hätte es nie gefunden.” Bemerkenswert: Sie nannte Fabian dabei nicht beim Namen, obwohl sie ihn am Fundort selbst identifiziert hatte. In anderen Nachrichten sprach sie beim Fund der Leiche immer wieder von einem Zufall.
Der Ermittler beschrieb das Kommunikationsverhalten der Angeklagten als auffällig empathielos. Es sei in den Nachrichten fast ausschließlich um ihre eigenen Sorgen und Probleme gegangen – um Finanzen, um Eifersucht, um Fabians Mutter. Mitgefühl für das getötete Kind habe er kaum gefunden.
Als besonders empathielos hob der Beamte eine Sprachnachricht vom 2. November an Fabians Vater hervor:
„Du bist derjenige, der traurig ist. Du bist derjenige, der sein Kind verloren hat. Du bist derjenige, der arme, arme Matthias. Wie es mir geht mit der ganzen Situation, interessiert weder dich, noch sonst wen!”
Auch andere Details kamen zur Sprache: Gina H. hatte nach Fabians Tod eine Trauerrede von der KI ChatGPT verfassen lassen und an Fabians Vater geschickt – mit dem Hinweis, dass eines ihrer großen Talente das Schreiben sei.
Gina H. und Fabians Vater waren bis August 2025 rund vier Jahre lang ein Paar. Er trennte sich einen Tag vor Fabians Verschwinden von ihr. Acht Wochen später waren beide wieder zusammen. Der Vater glaubt an ihre Unschuld.

9. Juni 2026, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Die Angeklagte wartet im Saal des Landgerichts auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. Der Angeklagten wird vorgeworfen, den achtjährigen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. | Quelle: Getty Images
Für Gina H. gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.




