Backhaus-Sprecher erklärt Rettungsversuch – Dänemark will jetzt doch „Obduktion durchführen“

Nach dem Tod von Buckelwal „Timmy“ reagiert Umweltminister Till Backhaus nur zögerlich auf Kritik. Dänemark macht indes eine Rolle rückwärts.

Wismar – Er hatte Millionen Menschen bewegt – jetzt liegt „Timmy“ tot vor der dänischen Insel Anholt. Der Buckelwal, der wochenlang in der Wismarer Bucht gestrandet war und durch einen spektakulären Rettungsversuch in die Nordsee gebracht wurde, ist nicht mehr am Leben. Und mit seinem Tod beginnt ein politischer Streit, der die Frage stellt: Wer trägt die Verantwortung? Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern stellt klar: Es hat die Aktion nicht aktiv unterstützt.

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Nach dem Tod von Buckelwal „Timmy“ reagiert Umweltminister Till Backhaus nur zögerlich auf Kritik. Dänemark will den Meeresriesen nun doch obduzieren. (Symbolbild) © Hendrik Schmidt/dpa

„Das Ministerium hat die Aktion nicht genehmigt, sondern geduldet“, heißt es in einer Stellungnahme auf Anfrage durch den Münchner Merkur von Ippen.Media. Und weiter: „Was sich nach dem Einschwimmen des Wals auf die Barge abspielte, entzieht sich unserer Kenntnis.“ Die Verantwortung für den Einsatz habe eine private Initiative mit ihren Veterinärinnen übernommen, auf die Zusammensetzung des Rettungsteams habe das Ministerium daher keinen Einfluss gehabt. Minister Backhaus selbst hatte die Duldung der Aktion damit begründet, dass ein zuvor vorgelegtes Gutachten ein Überleben des Wals nicht ausschließen konnte. „Am Ende hat wohl die Natur entschieden“, erklärte er laut NDR.

Dänemark rudert zurück: Buckelwal „Timmy“ soll doch obduziert werden

Während in Deutschland die politischen Wogen hochschlagen, handeln die dänischen Behörden: Der Kadaver liegt an einem gut besuchten Strand der Insel Anholt im flachen Wasser – und soll Badegäste und Einheimische nicht belasten. Die dänische Umweltbehörde kündigte deshalb an, den Wal zu bergen. „Derzeit wird an einer Lösung gearbeitet, die es gleichzeitig ermöglicht, eine Obduktion durchzuführen und wertvolle wissenschaftliche Proben für Forschungszwecke zu sichern“, erklärte Jane Hansen von der dänischen Umweltbehörde. Die Bergung ist laut einem Sprecher des Umweltministeriums MV für die kommende Woche geplant.

Dänische und deutsche Forscher stehen dabei in engem Austausch. Die Identität des Tiers ist inzwischen zweifelsfrei geklärt: Anhand der Gerätenummer des GPS-Trackers, der bei der Rettungsaktion am Wal befestigt worden war, bestätigten die Behörden, dass es sich um denselben Wal aus der Wismarer Bucht handelt. Bürgerinnen und Bürger werden von der dänischen Umweltbehörde aufgefordert, sich dem Kadaver weiterhin nicht zu nähern – es bestehe mögliche Ansteckungsgefahr. Das hinderte einen Mann nicht daran, auf den Kadaver zu klettern und ein Foto davon zu machen.

Kritik an Minister Backhaus kommt auch von den Grünen

Scharfe Kritik kommt indes von der Grünen-Landtagsfraktion. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und umweltpolitische Sprecher Harald Terpe wirft Backhaus vor, die Verantwortung auf sein Haus und seine Mitarbeiter abzuschieben. „Gleichzeitig bemüht er vordergründig die öffentliche Stimmungslage, um sein Vorgehen zu rechtfertigen. Schneid sieht anders aus“, so Terpe.

Terpe fordert grundsätzlich mehr: Von einem Umweltminister müsse man erwarten dürfen, dass Entscheidungen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden – „und nicht im Spannungsfeld zwischen öffentlichem Druck und medienwirksamer, geltungssüchtiger Profilierung“. Zudem kritisiert der Abgeordnete, dass Backhaus seit Jahren notwendige Meeresschutzmaßnahmen blockiere: Wirksame Schutzgebiete, weniger Nährstoffeinträge, ein Stellnetzverbot – all das bleibe aus. Ein entsprechender Antrag der Grünen im Landtag wurde zuletzt abgelehnt. (Quellen: Eigene Recherche, dpa) (rd)

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