Gina H. spricht erstmals selbst: „Ich weiß nicht, warum er gelogen hat“: Angeklagte belastet Zeugen im Fabian-Prozess

Im Mordprozess um Fabian aus Güstrow bricht die Angeklagte ihr Schweigen. Sie weist die Tat zurück – doch ihre fünfstündige Aussage wirft neue Fragen auf – und belastet andere.

Die Umstände des Verbrechens an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow bleiben auch nach der Einlassung der Angeklagten Gina H. weiter rätselhaft. Die 30-jährige Angeklagte hat am Montag in einer stundenlangen Aussage im Mordprozess am Landgericht Rostock – wie erwartet – alle Vorwürfe zurückgewiesen. Sie habe mit dem Tod des Jungen, der der Sohn ihres Ex-Partners war, nichts zu tun, erläuterte die 30-Jährige mit zeitweise zittriger Stimme.

Angeklagte verliest rund 100 Seiten

Die Frau muss sich seit April wegen heimtückischen Mordes vor dem Landgericht verantworten. Bei der fünfstündigen Verlesung der mit den Anwälten vorbereiteten und fast 100 Seiten langen Aussage zitterte eines ihrer Beine ständig, mit einer Hand knetete sie einen imaginären Ball. Sie musste mehrere Pausen machen.

++ Aktuelle Bilder vom heutigen Prozesstag und eine Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen der Angeklagten sehen Sie oben im Video ++

Fabian wurde am 10. Oktober 2025 von jemandem von zu Hause in Güstrow, wo er an jenem Freitag allein war, abgeholt und erstochen. Seine Leiche wurde am 14. Oktober an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden. Der Leichnam wurde nach der Tötung noch in Brand gesteckt.

„Den Tümpel – an dem der Tote später gefunden wurde – habe ich vor dem 13. Oktober noch nie gesehen“, sagte die Angeklagte. An jenem 10. Oktober sei sie vormittags von Reimershagen, wo sie bei den Großeltern lebt, zwar nach Güstrow gefahren, habe aber die Scheckkarte der Großmutter vergessen, weshalb sie in der Bank dann doch nichts ausrichten konnte.

Da sie zuletzt erneut Streit mit ihrem Ex-Partner hatte, wollte sie sich bei einem Spaziergang im Wald in der Nähe von Klein Upahl wieder über etwas klar werden. Deshalb habe sie dabei auch ihr Handy abgeschaltet.

Von dort aus sei sie zu einem Treffen mit einem 37-jährigen Bekannten gefahren, der in dem Prozess auch schon ausgesagt hat. Dieses heimliche Treffen mit dem Jäger habe so lange gedauert, dass sie danach sofort nach Krakow am See gefahren sei, um dort ihren eigenen Sohn von der Schule abzuholen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, Fabian am 10. Oktober abgeholt und bei dem Tümpel umgebracht zu haben.

Nachbarn hätte den Verdacht auf Gina H. gelenkt

Die Angeklagte warf ihrem 58-jährigen Nachbarn vor, den Verdacht auf sie gelenkt zu haben. Dieser sei immer wieder eifersüchtig auf ihren Ex-Partner gewesen. Dabei habe der 58-Jährige, der ihr monatelang bei ihren Pferden geholfen hatte, selbst etwas von ihr gewollt. Der Nachbar war schon als Zeuge gehört worden. Ob er noch einmal aussagen muss, wird sich erst noch zeigen. Sie habe ihm keine Schuhe gegeben, damit dieser sie verstecke oder beseitige. Das sei ebenfalls gelogen gewesen.

Vor der Verhandlung hat Fabians Mutter deutliche Worte an die Angeklagte gerichtet. Zu hören ist sie im folgenden Video:

Unter Verdacht war die Angeklagte vor allem geraten, weil sie am 13. Oktober – als alle noch nach Fabian suchten – abends zweimal an dem Tümpel war, an dem später die Leiche gefunden wurde. Doch nach ihren Worten, hat nicht sie, sondern der 37-jährige Jäger sie dorthin geführt. „Ich weiß nicht, warum er vor Gericht gelogen hat“, sagte sie.

Finanziell nicht von Fabians Vater abhängig gewesen

Der Jäger habe damals gesagt, dass er nichts mit der Polizei zu tun haben will. Deshalb sei sie danach noch einmal mit dem 58-jährigen Nachbarn dorthin gefahren. Dieser habe die Leiche ganz nah gesehen. Doch auch er habe nichts damit zu tun haben wollen.

Die Schlange an Zuschauern im Fabian-Prozess vor dem Landgericht in Rostock war am 22. Verhandlungstag länger als sonst. An diesem Tag äußert sich die Angeklagte zum ersten Mal selbst.
Die Schlange an Zuschauern im Fabian-Prozess vor dem Landgericht in Rostock war am 22. Verhandlungstag länger als sonst. An diesem Tag äußert sich die Angeklagte zum ersten Mal selbst. (Foto: Winfried Wagner)

Deshalb habe sie sich ausgedacht, noch einmal mit einer Freundin und deren Hunden am 14. Oktober dorthin zu fahren. Danach meldete die Angeklagte den Leichenfund. Am 6. November 2025 wurde sie in Untersuchungshaft genommen.

Die 30-Jährige schilderte zudem die von Streit geprägte Beziehung zu Fabians Vater. Anlass sei dessen starker Alkoholgenuss gewesen. Mit Fabian, der im Kita-Alter noch regelmäßig kam, und ihrem eigenen Sohn habe man früher sehr harmonisch bei den Eltern ihres Partners gelebt. Das sei dann erst weniger geworden, als Fabian zur Schule kam.

Vorher habe der Junge bei einem Streit in der gemeinsamen Wohnung in Krakow am See mitbekommen, wie ihr Ex-Partner sie sehr stark gedrückt habe, so dass sie eine Rippenverletzung bekam. Seither habe Fabian und auch ihr Sohn, die befreundet waren, den Ex-Freund nur noch sehen wollen, wenn sie schon im Bett waren, sagte sie.

Trotz der vielen Streits sei sie „völlig überrascht“ gewesen, als sich Fabians Vater im August 2025 von ihr getrennt hat. „Es traf mich wie ein Schock.“ Sie sei aber nicht finanziell von dem Mann abhängig gewesen. „Ich liebe ihn aber auch heute noch“, sagte die Frau vor mehr als 140 Zuschauern im voll besetzten Saal des Landgerichtes. Und: „Er weiß ganz genau, dass ich nichts mit dem Tod von Fabian zu tun habe.“

Sie warf der Polizei und der Staatsanwaltschaft vor, einseitig in ihre Richtung ermittelt zu haben. Im Internet werde extremer Hass gegen ihre Person deutlich. Dabei gebe es „unzählige Hinweise“, denen aber nicht in gleicher Weise nachgegangen wird. „Fabian stand nie zwischen uns“, sagte die Angeklagte.

So rechtfertigt sie Fabians Blut in ihrem Auto

Die Ankläger vermuten, dass das Motiv für den Mord mit der Trennung des Paares zu tun haben könnte. Die Angeklagte räumte für sich selbst ein, dass ihr nicht klar sei, warum es ihr gerade gegenüber von anderen Menschen an Empathie fehlt. Sie lebt wegen psychischer Probleme von Erwerbsunfähigkeitsrente. Das reiche aber, mit der Unterstützung ihrer Großeltern, für die Haltung ihrer Tiere.

Anwalt Andreas Ohm (l-r), die Angeklagte Gina H. und Anwalt Thomas Löcker warten am Montag im Saal des Landgerichts Rostock auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian.
Anwalt Andreas Ohm (l-r), die Angeklagte Gina H. und Anwalt Thomas Löcker warten am Montag im Saal des Landgerichts Rostock auf die Fortsetzung des Mordprozesses im Fall Fabian. (Foto: Bernd Wüstneck/dpa)

Ein Stück Haushaltsrolle, das die Polizei-Ermittler später mit einem Blutfleck von Fabian in ihrem Ford Ranger gefunden haben, stamme von einem Badeausflug im Ferien-August 2025. Diesen habe sie mit ihrem Sohn und Fabian gemacht, erklärte sie. Fabian habe sich damals ganz leicht am Fuß verletzt gehabt und geblutet.

Der Prozess wird am 26. August fortgesetzt. Ein Urteil soll nach bisheriger Planung am 10. September fallen. Die Verteidigung hat allerdings mehrere zusätzliche Beweisanträge gestellt. Sollte die Kammer um Richter Holger Schütt dem nachgehen, müsste es noch eine ganze Reihe zusätzliche Verhandlungstage geben.

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