Polizei ermittelt : Das droht den Eltern der ertrunkenen Bella (3) jetzt

Zehn Kripo-Ermittler und ein Feuerwehrmann inspizieren bei der Unglücks- und Ermittlungsrekonstruktion den mutmaßlichen Todes-Pool, in dem die kleine Bella vor einer Woche leblos gefunden wurde

Preetz (Schleswig-Holstein) – Erst verloren sie ihre Tochter, jetzt wird gegen sie ermittelt: Eine Woche nach dem Tod der kleinen Bella (3) hat die Staatsanwaltschaft Kiel gegen ihre Eltern ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Die Ermittler prüfen, ob Mutter und Vater das Unglück hätten verhindern können.

Die Dreijährige war vergangene Woche leblos in einem Pool auf dem Grundstück in Preetz (Schleswig-Holstein) gefunden worden, auf dem die Familie wohnt. Die Obduktion ergab später eindeutig: Das autistische Mädchen ist ertrunken. Hinweise auf eine Gewalttat gibt es nicht.

Experte erklärt die Rechtslage

Warum ermittelt die Staatsanwaltschaft überhaupt gegen die Eltern? Für Strafrechtler Christian Abel (48) ist der Schritt wenig überraschend. „Die Staatsanwaltschaft muss immer ein Ermittlungsverfahren einleiten, wenn Anhaltspunkte für eine fahrlässige Tötung vorliegen“, sagt der Jurist zu BILD. Jetzt geht es um die Frage, ob Bella ausreichend beaufsichtigt wurde und ihre Eltern ihren Sorgfaltspflichten nachgekommen sind.

Die kleine Bella aus Preetz wurde nur drei Jahre alt

Foto: Polizeidirektion Kiel

Anwalt sieht besondere Pflichten der Eltern

Eltern hätten gegenüber ihren minderjährigen Kindern eine sogenannte „Garantenstellung“, sagt Abel. Sie müssten sicherstellen, dass ihre Kinder altersgerecht beaufsichtigt und vor Gefahren geschützt werden. Für den Fall Bella sei vor allem das Alter des Kindes entscheidend. „Ein dreijähriges Mädchen ohne Seepferdchen darf grundsätzlich nicht alleine an einen Pool gelassen werden“, so der Strafrechtler.

Ob der Pool hätte gesichert werden müssen? Für den Anwalt ist die Antwort eindeutig: „Ja!“ Wird den Eltern fahrlässige Tötung nachgewiesen, droht laut Abel eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Karte von Preetz zeigt den Ort, an dem ein autistisches Mädchen verschwand.

Kripo rekonstruiert Bellas Tod

Während die Staatsanwaltschaft gegen die Eltern ermittelt, rekonstruierte die Kripo am Mittwoch die Situation am Pool. Mit einer Puppe prüften die Ermittler, ob Bella am Beckenboden zu erkennen gewesen wäre und ob sie möglicherweise schon im Wasser lag, als die ersten Suchmaßnahmen liefen.

Profiler Axel Petermann hält das für möglich. „Es ist möglich, dass ein Körper zunächst absinkt“, sagt er zu BILD. Ob und wie schnell das geschieht, hänge unter anderem vom Körperbau, der Lungenfüllung und den Bedingungen im Wasser ab. „Später kann ein zunächst abgesunkener Körper durch die Bildung von Fäulnisgasen wieder an die Oberfläche gelangen.“

Profiler Axel Petermann (73) war 25 Jahre Leiter der Mordkommission in Bremen. In seiner Karriere untersuchte er mehr als 1000 unnatürliche Todesfälle

Foto: emha

Bella wurde am vergangenen Mittwoch gegen 12.30 Uhr als vermisst gemeldet. Polizei, Feuerwehr, Suchhunde, Drohnen und zahlreiche Helfer suchten stundenlang nach der Dreijährigen. Besonders brisant: Der Pool auf dem Grundstück der Familie wurde noch am selben Tag überprüft. Gegen 14 Uhr unterzogen Polizisten das stark verschmutzte Becken einer „Sichtprüfung“. Später suchte ein Feuerwehrmann mit Taschenlampe im Wasser. Trotzdem blieb Bella unentdeckt. Erst am Donnerstagmorgen wurde das autistische Mädchen leblos im Pool gefunden. Bisher ist weiterhin unklar, wie das sein kann.

Feuerwehrkräfte am Wohnhaus der Eltern in Preetz (Schleswig-Holstein)

Forscher erklären die Gefahr am Wasser

Bellas Fall lenkt auch den Blick auf eine bekannte Gefahr. Laut einer Studie der Columbia University ist Ertrinken die häufigste unfallbedingte Todesursache bei Kindern mit Autismus. Viele Betroffene laufen plötzlich davon. Studienautor Dr. Guohua Li sagt, manche autistische Kinder suchten dann die Nähe zu Gewässern, weil Wasser beruhigend wirken könne. Laut den Forschern ertrinken sie rund 160-mal häufiger als andere Kinder.

Unklar ist weiterhin, wann Bella genau starb. „Der genaue Todeszeitpunkt lässt sich meist nur eingrenzen“, sagt Profiler Axel Petermann. Dabei spielten unter anderem Körpertemperatur, Totenstarre und Totenflecken eine Rolle.

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