🚨 FALL FABIAN – „Was jetzt ans Licht kommt, könnte den gesamten Prozess in einem neuen Licht erscheinen lassen.“ – Christine Habetha sorgt mit ihren Aussagen über Gina H. und ihren Therapeuten für Aufsehen 👇

Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow wird der Ton immer schärfer. Nach zahlreichen emotionalen Zeugenaussagen, widersprüchlichen Erinnerungen und neuen Details über das Leben der Angeklagten Gina H. rückt nun eine Frage in den Mittelpunkt, die über den gesamten Ausgang des Verfahrens entscheiden könnte:
Welche Version der Geschichte hält einer kritischen Überprüfung tatsächlich stand?
Christine Habetha, die als Nebenklagevertreterin Fabians Mutter Dorina L. vertritt, findet inzwischen deutliche Worte. Während die Verteidigung einzelne Spuren hinterfragt, alternative Abläufe thematisiert und auf fehlende direkte Beweise verweist, sieht die Anwältin die entscheidenden Hinweise offenbar an einer ganz anderen Stelle.
Besonders die Aussagen des langjährigen Therapeuten von Gina H. sorgen für neue Diskussionen. Denn was zunächst wie eine mögliche Entlastung der Angeklagten klang, offenbarte bei genauerem Hinsehen mehrere Widersprüche, die selbst im Gerichtssaal nicht unbemerkt blieben.
Gina H. soll Fabian „wie ihr eigenes Kind“ geliebt haben
Der Therapeut behandelte Gina H. nach Medienberichten über mehrere Jahre. Vor Gericht beschrieb er seine ehemalige Patientin als psychisch belastete Frau, bei der unter anderem eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Anteilen, eine posttraumatische Belastungsstörung und eine soziale Phobie diagnostiziert worden seien.
Seine wohl überraschendste Aussage betraf jedoch Gina H.s Verhältnis zu Fabian.
Nach seiner Wahrnehmung habe sie den Jungen sehr gemocht und über ihn gesprochen, als wäre er „ihr eigenes Kind“. Er habe sie außerdem im Umgang mit ihrem eigenen Sohn als gute Mutter erlebt.
Diese Worte stehen in einem kaum auflösbaren Gegensatz zum Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die Anklage geht davon aus, dass Gina H. den achtjährigen Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt, mit ihm zu einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl gefahren und ihn dort mit mehreren Messerstichen getötet haben soll.
AnschlieĂźend soll sie zurĂĽckgekehrt sein und versucht haben, den Leichnam in Brand zu setzen, um Spuren zu beseitigen.
Gina H. bestreitet die Vorwürfe. Bislang hat sie im Prozess zur Sache geschwiegen. Dieses Schweigen ist ihr gesetzliches Recht und darf nicht als Beweis gegen sie gewertet werden. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Doch gerade deshalb wird jede Aussage über ihr Verhältnis zu Fabian genau analysiert.
Wie passt das vom Therapeuten beschriebene liebevolle Verhältnis zu den Schilderungen anderer Zeugen? Und welche Bedeutung hat die Aussage einer ehemaligen Freundin, wonach sich Gina H. nach Fabians Tod auffällig negativ über den Jungen geäußert haben soll?
Diese Fragen kann der Therapeut nicht beantworten. Er kann lediglich wiedergeben, was Gina H. ihm während ihrer Behandlung erzählt und welchen persönlichen Eindruck sie bei ihm hinterlassen hatte.
Therapie ist keine kriminalistische Vernehmung
Christine Habetha hakte bei der Befragung des Therapeuten besonders kritisch nach. Dabei ging es offenbar nicht darum, psychische Erkrankungen grundsätzlich infrage zu stellen. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Zuverlässigkeit der Informationen, auf denen die Einschätzungen des Therapeuten beruhten.
Ein Psychotherapeut arbeitet grundsätzlich mit den Erzählungen seines Patienten. Seine Aufgabe besteht darin, zu behandeln und Vertrauen aufzubauen – nicht darin, Aussagen kriminalistisch zu überprüfen oder Beweise zu sammeln.
Der Therapeut erklärte dem Gericht, Gina H. habe ihm von mehreren schweren traumatischen Erlebnissen berichtet. Den Wahrheitsgehalt dieser Schilderungen habe er nicht überprüft. Das sei im therapeutischen Kontext auch nicht üblich.
Genau hier liegt jedoch ein entscheidendes Problem fĂĽr das Strafverfahren.
Was therapeutisch sinnvoll und notwendig sein kann, besitzt nicht automatisch denselben Beweiswert wie eine gerichtlich überprüfte Zeugenaussage. Wenn eine Diagnose oder Einschätzung teilweise auf den Angaben der Patientin beruht, muss das Gericht prüfen, wie belastbar die daraus gezogenen Schlussfolgerungen für die Beurteilung des Mordvorwurfs tatsächlich sind.
Habetha machte damit einen wichtigen Unterschied deutlich: Der Therapeut kann glaubwürdig schildern, was Gina H. ihm erzählt hat. Ob alle diese Erzählungen objektiv zutrafen, ist damit aber noch nicht bewiesen.
Fünf Pferde, Reitturniere – und dennoch erwerbsunfähig?
Für besonderes Stirnrunzeln sorgte Gina H.s angebliche Erwerbsunfähigkeit.
Nach der Aussage ihres Therapeuten litt sie unter psychischen Problemen, die es ihr erschwerten, Leistungsdruck, große Menschenansammlungen und bestimmte soziale Situationen zu ertragen. Aus diesem Grund bezog sie offenbar eine Erwerbsunfähigkeitsrente.
Gleichzeitig wurde im Verfahren bekannt, dass sie sich intensiv um mehrere Pferde kĂĽmmerte und auch an Reitturnieren teilnahm.
Dabei ging es nicht nur um ein einzelnes Tier. Im Raum stand die Versorgung von insgesamt fünf Pferden – eine Aufgabe, die tägliche körperliche Arbeit, Organisation, Verantwortung und erhebliche finanzielle Mittel verlangt.
Selbst der Therapeut soll nicht gewusst haben, dass seine Patientin zeitweise fünf Pferde besaß. Er ging offenbar davon aus, dass der Reitsport eine stabilisierende Wirkung auf sie hatte. Als der Vorsitzende Richter den offensichtlichen Gegensatz zwischen der beschriebenen Belastungsunfähigkeit und ihrem Alltag ansprach, räumte auch der Therapeut einen Widerspruch ein.
Das beweist weder eine Täuschung noch eine Beteiligung an Fabians Tod. Psychische Erkrankungen können sich sehr unterschiedlich äußern, und ein Mensch kann in einem vertrauten Bereich leistungsfähig sein, während er in anderen Situationen stark eingeschränkt bleibt.
Trotzdem dürfte das Gericht genau prüfen, ob Gina H.s psychische Verfassung in der Vergangenheit vollständig und zutreffend dargestellt wurde.
Die Aussage des Therapeuten hinterließ deshalb ein zwiespältiges Bild: Einerseits beschrieb er eine psychisch verletzliche und traumatisierte Frau, andererseits schien er wichtige Bereiche ihres tatsächlichen Alltags nur unvollständig gekannt zu haben. Über die Aussage des Therapeuten und die angesprochenen Widersprüche berichtete die Frankfurter Rundschau.
Die Verteidigung sucht nach alternativen Erklärungen
Die Verteidiger von Gina H. müssen nicht beweisen, wer Fabian getötet hat. Ihre Aufgabe besteht darin, Zweifel an der Darstellung der Staatsanwaltschaft aufzuzeigen.
Deshalb werden einzelne Spuren, zeitliche Abläufe, Zeugenaussagen und mögliche Alternativszenarien genau hinterfragt. Gibt es eine andere Erklärung für Gina H.s Verhalten? Können Erinnerungen von Zeugen ungenau sein? Wurden Beobachtungen im Nachhinein durch die enorme Medienberichterstattung beeinflusst?
Diese Fragen sind in einem rechtsstaatlichen Verfahren legitim und notwendig.
Christine Habetha sieht die entscheidenden Belastungsmomente jedoch offenbar nicht nur in einzelnen forensischen Spuren. Aus Sicht der Nebenklage ergibt sich die Bedeutung vor allem aus der Gesamtheit der Indizien und aus Gina H.s angeblichem Wissen über den späteren Fundort.
Dabei spielen die sogenannten TĂĽmpelzeugen eine zentrale Rolle.
Warum führte Gina H. zwei Männer zu diesem abgelegenen Ort?
Zwei Männer berichteten im Prozess, dass Gina H. sie bereits am Abend vor dem offiziellen Leichenfund zu dem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl geführt habe.
Das wirft eine entscheidende Frage auf: Warum suchte sie ausgerechnet dort?
Der Ort soll so abgelegen gewesen sein, dass kaum jemand ohne konkreten Hinweis auf die Idee gekommen wäre, dort nach dem vermissten Kind zu suchen. Nach Darstellung der Zeugen erreichte die Gruppe den Bereich, in dem Fabians sterbliche Überreste lagen.
Trotzdem wurde die Polizei in dieser Nacht offenbar nicht informiert. Erst am folgenden Tag meldete Gina H., den Leichnam angeblich zufällig während einer weiteren Suche entdeckt zu haben.
Die Verteidigung kann argumentieren, dass die Suche an diesem Ort Zufall, Intuition oder das Ergebnis einer gemeinsamen Entscheidung gewesen sein könnte. Die Nebenklage sieht darin hingegen möglicherweise Wissen, das nur jemand mit einer besonderen Verbindung zum Fundort besitzen konnte.
Habetha bezeichnete diese Frage bereits als besonders bedeutsam. Sollte das Gericht zu der Überzeugung gelangen, dass Gina H. den Ort gezielt auswählte und die beiden Männer dorthin führte, könnte das als starkes Indiz gewertet werden.
Es bleibt jedoch Aufgabe des Gerichts, die Glaubwürdigkeit der Zeugen zu beurteilen und festzustellen, was in jener Nacht tatsächlich geschah.
Einer der Männer soll sich später bei Fabians Mutter gemeldet und dafür entschuldigt haben, dass er nicht sofort reagierte. Für Dorina L. sind diese Aussagen nach Angaben ihrer Anwältin besonders schwer zu ertragen. Christine Habetha schilderte in einem Interview, wie belastend die Tümpelzeugen und die unbeantworteten Fragen für Fabians Mutter sind.
Das Verhalten der Angeklagten sorgt fĂĽr Irritationen
Nicht nur die Beweise und Gutachten beschäftigen die Nebenklage. Auch Gina H.s Auftreten im Gerichtssaal wird von Fabians Mutter offenbar als schwer erträglich empfunden.
Habetha beschrieb die Angeklagte als teilweise unbefangen. Sie lese in ihren Unterlagen, unterhalte sich mit ihren Verteidigern und scherze gelegentlich mit ihnen. Auf Außenstehende könne dadurch der Eindruck entstehen, sie verfolge das Verfahren mit auffälliger Distanz.
Doch auch hier gilt: Das Verhalten eines Menschen im Gerichtssaal lässt keinen sicheren Schluss auf Schuld oder Unschuld zu.
Angeklagte reagieren unter enormem Druck sehr unterschiedlich. Manche weinen, andere erstarren, einige versuchen, durch Gespräche oder Humor die Belastung auszuhalten. Was Beobachter als Kälte empfinden, kann auch eine psychologische Schutzreaktion sein.
Für Fabians Mutter bleibt der Anblick dennoch kaum auszuhalten. Sie sitzt einer Frau gegenüber, die beschuldigt wird, ihren Sohn auf grausame Weise getötet zu haben – während Gina H. selbst jede Schuld bestreitet.
Auch Fabians Vater bleibt im Fokus
Ein weiterer emotionaler Konflikt betrifft Fabians Vater Matthias R. Er erklärte vor Gericht, wieder mit Gina H. liiert zu sein und an ihre Unschuld zu glauben.
Für die Mutter des getöteten Jungen ist diese Haltung nach Angaben ihrer Anwältin besonders schmerzhaft. Habetha kritisierte, dass der Vater Widersprüche und belastende Hinweise offenbar nicht akzeptiere.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Trennung von Fabians Vater eine mögliche Rolle beim Tatmotiv gespielt haben könnte. Gina H. soll befürchtet haben, neben der Beziehung auch finanzielle Unterstützung und ihren bisherigen Lebensstil zu verlieren.
Dies ist bislang die Theorie der Anklage – kein bewiesener Sachverhalt.
Die Verteidigung dürfte versuchen, dieses angenommene Motiv zu erschüttern und zu zeigen, dass Gina H.s Beziehung zu Fabian nicht von Ablehnung, sondern von Nähe geprägt gewesen sei. Genau dabei könnte die Aussage des Therapeuten helfen.
Doch die Nebenklage stellt dem die übrigen Zeugenaussagen, zeitlichen Abläufe und das angebliche Wissen über den Tümpel gegenüber.
Der Prozess steht vor seiner vielleicht entscheidenden Phase
Das Verfahren befindet sich derzeit in der Sommerpause und soll am 6. August fortgesetzt werden. Gina H.s Verteidigung hatte zuvor in Aussicht gestellt, dass sich die Angeklagte möglicherweise im August persönlich äußern könnte. Der Prozess ist bislang bis in den September hinein terminiert.
Eine Aussage von Gina H. könnte zum Wendepunkt werden.
Erstmals müsste sie womöglich selbst erklären, wo sie sich am Tag von Fabians Verschwinden befand, warum sie an dem abgelegenen Tümpel suchte, was in der Nacht vor dem offiziellen Fund geschah und weshalb sie dem Vater nicht sofort von der Entdeckung berichtete.
Ebenso müsste sie sich möglicherweise mit den Aussagen früherer Freunde und Bekannter auseinandersetzen.
Doch sie ist nicht verpflichtet, auszusagen. Auch wenn sie weiterhin schweigt, muss das Gericht ausschließlich anhand der rechtmäßig erhobenen Beweise entscheiden.
Zwischen Indizien und WidersprĂĽchen
Der Fall Fabian bleibt ein Indizienprozess, in dem jedes Detail enorme Bedeutung gewinnen kann.
Es gibt Aussagen über den angeblichen Fundort, digitale Spuren, die finanzielle Situation der Angeklagten, ihre Beziehung zu Fabians Vater und unterschiedliche Beschreibungen ihres Verhältnisses zu dem Kind. Gleichzeitig fehlt bislang offenbar das eine Beweismittel, das sämtliche offenen Fragen zweifelsfrei beantwortet.
Christine Habetha drängt deshalb darauf, nicht nur einzelne entlastend wirkende Aussagen zu betrachten, sondern das gesamte Bild.
Der Therapeut sah eine psychisch belastete Frau, die Fabian angeblich wie ihr eigenes Kind liebte. Andere Zeugen beschrieben nach seinem Tod ein Verhalten, das sie als kalt und irritierend empfanden. Die Verteidigung sucht nach alternativen Erklärungen. Die Nebenklage sieht in der Gesamtheit der Indizien eine deutlich andere Geschichte.
Wer mit seiner Interpretation richtig liegt, muss am Ende das Landgericht Rostock entscheiden.
Doch schon jetzt ist klar: Wenn der Prozess nach der Sommerpause weitergeht, wird sich Gina H. möglicherweise Fragen stellen müssen, die sich nicht länger allein mit Schweigen, therapeutischen Einschätzungen oder alternativen Theorien beantworten lassen.



