MORDPROZESS UM FABIAN (†8): „Intrigant, manipulativ und aggressiv“ – Zeugin erhebt schwere Vorwürfe gegen Gina H. vor Gericht
Eine weitere Zeugin äußert im Mordfall Fabian (8) Anschuldigungen gegen die Angeklagte. Ihre Worte haben es in sich.
Im Fabian-Mordprozess am Landgericht Rostock haben mehrere Zeugen das über Jahre auffällige Verhalten der Angeklagten Gina H. aus Reimershagen (Landkreis Rostock) genauer beschrieben und ihr dabei eher kein Sympathie-Zeugnis ausgestellt.
Angeklagte verlor Arbeitsstellen durch eigenes Verschulden
So wurde am Dienstag bekannt, dass die 30-Jährige in ihrem Bemühen, Geld für ihre Pferdehaltung dazuzuverdienen, zwei Arbeitsstellen durch eigenes Verschulden verloren hat. Die Angeklagte wurde bereits Ende Juni 2025 in einem Reitsportladen, in dem sie seit drei Monaten arbeitete, bei einem Diebstahl ertappt und entlassen. Das sagte der Betreiber des Ladens als Zeuge.
„Diese Frau ist intrigant, manipulativ und aggressiv“, sagte eine Zeugin, die in Reimershagen wohnt und zudem mit dem Ex-Freund der Angeklagten – Fabians Vater – in einer Firma arbeitet. Der 35-jährige Vater, der zeitweise auch unter Verdacht stand und schon als Zeuge ausgesagt hat, war am Dienstag erstmals auch selbst im Gerichtssaal. Die 30-Jährige steht wegen „heimtückischen Mordes“ vor Gericht, schweigt aber bisher im Prozess, sodass die Kammer über Zeugen die Persönlichkeit der Angeklagten näher beleuchten will.
Sie sei selbst schon einmal von Gina H. bedrängt worden, weil diese ihre Stelle als Gemeindearbeiterin in Reimershagen verloren hatte, sagte die Zeugin. Die Angeklagte, die wegen psychischer Probleme eine Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht, war nach häufigem Fehlen wegen Krankheit und anderer Probleme von der Gemeinde gekündigt worden. Die 30-jährige Reitsportlerin, der auch ein äußerst starker Kontrollzwang nachgesagt wird, habe wohl vermutet, dass ich mit der Kündigung etwas zu tun haben könnte, sagte die Zeugin.
Angeklagte habe „ein innigeres Verhältnis zu Tieren, als zu Menschen“
Die Angeklagte habe „ein innigeres Verhältnis zu Tieren, als zu Menschen“, schätzte eine Gerichtshelferin ein, die im Januar 2026 im Gefängnis mit der Angeklagten sprach und ebenfalls als Zeugin gehört wurde. Das könne von „häufigen Beziehungsabbrüchen“ in deren Kindheit kommen.
Die 30-Jährige habe ihren Vater nie kennengelernt. Zur eigenen Mutter – die ständig wechselnde sexuelle Kontakte gehabt haben soll – bestehe kein Kontakt. Sie sei bei den Großeltern in Reimershagen aufgewachsen, wo sie im November 2025 auch verhaftet wurde.
Zum Tatvorwurf des Mordes habe sich die Angeklagte auch geäußert. „Sie soll etwas getan haben, was sie nicht getan hat“, hat sie gesagt. Genauer wurde sie nicht. Die 30-Jährige mit Hauptschulabschluss hat eine Lackierer-Lehre begonnen, diese aber abgebrochen. Nach eigenem Bekunden sei sie in dieser Zeit damals vergewaltigt worden.
Richter Holger Schütt erklärte, dass es in den Akten keine Hinweise auf Vergewaltigung gebe. Es gebe nur einen Übergriff, der angezeigt wurde. „Sie sagte in dem Gespräch dann noch, dass ihre Psyche damals nicht mehr mitgespielt hat“, sagte die Gerichtshelferin. Gina H. habe erklärt, sie sei „nicht frei im Kopf“. Seither sei sie in psychischer Behandlung und bekomme seit 2015 die Rente.
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Nach der Trennung von Fabians Vater – der in der Partnerschaft enorm unter Druck stand, wie Zeugen es beschrieben und sich im August 2025 von ihr losgesagt hatte – seien Tiere ihr „einziger Halt im Leben“, gab die Zeugin die Angeklagte wieder. Diese wisse die Geburtsdaten der Pferde eher, als sie die Orte und die Zeit nennen könne, an denen sie zur Schule gegangen ist. So habe die sportliche Frau der plötzliche Tod einer Stute, mit der sie 15 Jahre ihres Lebens verbracht hatte, sehr erschüttert. Ein psychiatrischer Gutachter verfolgt den Prozess.
Der Angeklagten Gina H. wurde gekündigt
Zu dem Diebstahl wurde der Ladenbetreiber angehört. Er habe damals keine Anzeige erstattet, aber die 30-Jährige sofort im Juni 2025 gekündigt, sagte der Mann. Die Angeklagte war vom 1. April bis 30. Juni im Lager des Geschäftes in Güstrow beschäftigt, etwa 20 Stunden im Monat. Zum Vorstellungsgespräch sei sie mit der Großmutter gekommen. Er habe gewusst, dass sie auch eine Teilrente beziehe.
„Meine Beschäftigten haben sie am Ende im Juni mit einem vollen Rucksack ertappt“, sagte der Betreiber. Er habe telefonisch sofort angeordnet, dass sie entlassen wird. Die Ware im Wert von etwa 200 Euro sei gefunden und sichergestellt worden. Man habe aber schon länger den Verdacht gehabt, dass die Frau etwas gestohlen habe, das aber nie beweisen können.
ina H. hatte für ihre Pferde und Ponys zu sorgen und in dem Zusammenhang seit Jahren finanzielle Probleme, was schon aus mehreren Chatnachrichten hervorgegangen ist. Deshalb hatte sie mehrfach versucht, etwas dazuzuverdienen.
Eine Tierärztin, die die Pferde versorgte, beschrieb die Angeklagte als eine Frau, der ihre Tiere sehr wichtig waren. Eigentlich sei sie auch immer sofort per Handy erreichbar gewesen, nur am 10. Oktober – dem Tag, als Fabian verschwand und getötet wurde, habe sie erst nach 70 Minuten auf eine Nachricht von ihr reagiert. Bei den Gesprächen über das Verschwinden Fabians habe Gina H. immer vom „Thema Fabian“ gesprochen und sich völlig emotionslos gegeben. Das sei bei den Pferden immer ganz anders gewesen.
Angeklagte hatte sich als „Ziehmutter“ von Fabian bezeichnet
Die Angeklagte hatte sich selbst mehrfach als „Ziehmutter“ von Fabian bezeichnet und die Polizei am 14. Oktober 2025 zu dem einsamen Tümpel nahe Klein Upahl geführt, an dem die angebrannte Leiche des Jungen lag. Wegen einer Reihe von Indizien geriet sie kurz danach unter Verdacht.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen aus Güstrow abgeholt und getötet zu haben, um die Beziehung zu dessen Vater wieder aufnehmen zu können. Der achtjährige Fabian war am Freitag, den 10. Oktober 2025, verschwunden, als er wegen Nasenblutens allein zu Hause war.
Den Mord schätzt ein Fallanalyst der Polizei als „eine Tat, bei der ein unbedingter Tötungswille zum Ausdruck kommt“ ein. Laut dieser Analyse soll der Täter vermutlich in einer Beziehung zu dem Jungen gestanden haben.
Mehrere Zeugen berichteten am Dienstag auch davon, dass Gina H. den Jungen von seinem Vater, ihrem Ex-Freund, ferngehalten haben soll, da dieser gewalttätig sei. Als sich der Vater mit Fabian dann doch einmal traf, habe sie sich beschwert, dass sie davon nichts gewusst habe, statt sich für den Vater zu freuen.



