Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: Überlebender beschreibt Krankheit als „Hölle auf Erden, es war Folter“

Auf der Hondius brach Hantavirus aus und tötete drei Menschen. Zwei Überlebende, die das Virus schon früher durchlitten, schildern ihre Erfahrung.

Das Hantavirus hat auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff „Hondius“ drei Menschen getötet. Das Schiff war Anfang April in Argentinien gestartet und auf dem Weg über den Atlantik, als die ersten Fälle auftraten. Die WHO bestätigte fünf Infektionen, drei weitere gelten als Verdachtsfälle. Zwei Männer, die das Virus vor Jahren überlebt haben, berichten über eine Erfahrung, die sie bis heute prägt.

Patienten von Kreuzfahrtschiff evakuiert
Eine 65-jährige Deutsche, die als Kontaktperson eines bestätigten Hantavirus-Falls galt, wird nach ihrer Ankunft in Amsterdam weiter nach Düsseldorf transportiert. © Misper Apawu/dpa

Lorne Warburton, ein Kanadier, hatte nie vom Hantavirus gehört. Im März 2023 begann er, sich krank zu fühlen. Er schilderte gegenüber BBC grippeähnliche Symptome, starkes Schwitzen und Atemnot. Schließlich wurde er beatmungspflichtig. Nach drei Wochen im Krankenhaus stand die Diagnose fest: Hantavirus. „Der Grad der Krankheit war Hölle auf Erden, es war Folter“, sagte Warburton. Auch der Deutsche Christian Ege erkrankte im Mai 2019, mit Erbrechen, Schwindel und dem Gefühl einer „seltsamen Grippe“, wie er dem Nachrichtensender beschrieb.

Hantavirus auf der „Hondius“: Was bisher bekannt ist

Der aktuelle Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ macht das Thema weltweit relevant. Laut der Tagesschau sind bisher fünf von acht Verdachtsfällen durch die Weltgesundheitsorganisation bestätigt worden. Drei Menschen starben: ein niederländisches Ehepaar und eine deutsche Passagierin. Die WHO geht davon aus, dass sich das niederländische Ehepaar bereits vor dem Einsteigen in Argentinien infiziert hatte auf einer Südamerika-Reise durch mehrere Länder.

Nachgewiesen ist laut Tagesschau inzwischen, dass es sich in mindestens zwei Fällen um die sogenannte Andes-Variante des Hantavirus handelt. Diese südamerikanische Variante ist besonders gefürchtet, weil sie, anders als die meisten anderen Hantavirus-Typen, von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Das Virus verbreitet sich sonst vor allem über Ausscheidungen von Nagetieren. Lorne Warburton glaubt, er habe sich durch Mäusekot infiziert, als er einen Teppich auf seinem Dachboden aufschüttelte.

Die WHO betont jedoch, dass keine neue Pandemie droht. „Das ist kein Covid“, erklärte Nothilfekoordinatorin Maria Van Kerkhove laut Tagesschau gegenüber Journalisten in Genf. Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, sagte im Interview mit tagesschau24, das Hantavirus sei deutlich weniger ansteckend als Grippe-Viren oder SARS-CoV-2. Man müsse „deutlich engeren Kontakt“ haben. Aufgrund einer Inkubationszeit von bis zu sechs Wochen schließt die WHO weitere Fälle aber nicht aus.
Lorne Warburton brauchte eineinhalb Jahre, um wieder zu Kräften zu kommen. Er leidet bis heute an einem Herzrhythmus-Problem und nimmt täglich Medikamente. Christian Ege erholte sich nach vier Monaten ohne bleibende Schäden, wie er der BBC sagte. Beide Männer berichten, wie das Virus ihren Blick auf das Leben verändert hat. „Man nimmt die Dinge nicht mehr für selbstverständlich“, sagte Warburton gegenüber der BBC. Vor allem beim Gärtnern, beim Aufräumen von Kellern oder beim Betreten alter Schuppen sollte man also vorsichtig sein – denn die Rötelmaus überträgt das Hantavirus über ihre Ausscheidungen.

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