đ± FALL FABIAN (â 8): Sechs mögliche Fahrten zum Tatort? Neue Handy-Daten von Gina H. werfen plötzlich brisante Fragen auf đ
ROSTOCK â Im Mordprozess um den achtjĂ€hrigen Fabian rĂŒcken die Bewegungsdaten des Handys von Gina H. immer stĂ€rker in den Mittelpunkt. Eine ergĂ€nzende Auswertung des Smartphones hat am 23. Prozesstag neue Details geliefert â und einige davon passen laut einem LKA-Experten auffĂ€llig zu dem von der Staatsanwaltschaft rekonstruierten Geschehen.
Doch gleichzeitig bleiben entscheidende LĂŒcken. Genau diese Mischung aus prĂ€zisen Bewegungsdaten, unerwarteten Verzögerungen und einem ausgeschalteten Handy macht die digitale Spur zu einem der rĂ€tselhaftesten Teile des Verfahrens.
đ± Was geschah am Morgen des 10. Oktober?
Nach der im Gericht vorgestellten Auswertung registrierte das Smartphone zunĂ€chst zwischen 6.49 Uhr und 7.17 Uhr eine Autofahrt, die vermutlich in Richtung der Schule ihres Sohnes fĂŒhrte. SpĂ€ter setzte erneut eine Bewegung ein: Zwischen 10.21 Uhr und 10.43 Uhr wurde eine weitere Fahrt registriert.
Dann wird es besonders interessant.
Von 10.43 Uhr bis 10.52 Uhr registrierte das GerĂ€t einen Stillstand. Gleichzeitig war Fabians Handydisplay zuletzt gegen 10.51 Uhr aktiv. Eine Ăberwachungskamera nahm zudem zwischen 10.43 Uhr und 10.54 Uhr einen orangefarbenen Ford Ranger in der StraĂe auf, in der Fabian wohnte. Ob es sich dabei tatsĂ€chlich um das Fahrzeug von Gina H. handelte, ist allerdings nicht bewiesen.
Und genau hier beginnt das RĂ€tsel.
đ¶ Die angebliche Bankfahrt â reicht die Zeit ĂŒberhaupt?
Eine mögliche ErklĂ€rung fĂŒr den Halt war offenbar ein BankgeschĂ€ft.
Doch der im Prozess gehörte Experte stellte genau diese ErklÀrung infrage. Nach seinen Angaben lag ein Geldautomat vom Wohnort Fabians mindestens mehrere Minuten mit dem Auto beziehungsweise noch lÀnger zu Fuà entfernt.
FĂŒr das registrierte Zeitfenster habe das demnach nicht ausgereicht, um den Weg zur Bank und zurĂŒck plausibel zu erklĂ€ren.
Damit steht eine entscheidende Frage im Raum:
Warum hielt das Smartphone genau zu diesem Zeitpunkt an â und wohin fĂŒhrte die Fahrt anschlieĂend?
Eine eindeutige Antwort darauf gibt es bislang nicht.
â ïž Und dann verschwindet das Handy aus der Spur
Noch auffÀlliger ist, was spÀter geschieht.
Nach den bisherigen Ermittlungen soll Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter gelockt und anschlieĂend in Richtung Klein Upahl gebracht worden sein. Dort soll er getötet worden sein.
Doch ausgerechnet wĂ€hrend des mutmaĂlichen Tatzeitraums war das Handy von Gina H. ausgeschaltet. Dadurch konnten fĂŒr diesen Abschnitt keine Bewegungsdaten aufgezeichnet werden.
FĂŒr die Ermittler bedeutet das: Die digitale Spur endet genau dort, wo die Rekonstruktion des mutmaĂlichen Tatgeschehens besonders wichtig wird.
đ Bis zu sechs mögliche Fahrten?
Besonders brisant wird die Auswertung im Zusammenhang mit weiteren Daten und Zeugenaussagen.
Aus den Bewegungsmustern könnten sich laut den im Prozess thematisierten Erkenntnissen mehrere mögliche Fahrten in Richtung des spĂ€teren Fundortes ergeben â in der Berichterstattung ist sogar von bis zu sechs mutmaĂlichen Fahrten die Rede.
Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Die Daten können Bewegungen eines Smartphones zeigen, aber nicht automatisch beweisen, wer das GerÀt zu diesem Zeitpunkt tatsÀchlich bei sich hatte, warum eine Person an einem bestimmten Ort war oder was dort geschah.
Gerade deshalb dĂŒrfte die Kombination mit anderen Beweismitteln entscheidend sein.
đ§© Ein digitales Puzzle mit auffĂ€lligen LĂŒcken
Das macht die Handy-Auswertung so brisant.
Auf der einen Seite gibt es Bewegungen, Fahrtpausen und Zeitpunkte, die laut einem LKA-Experten teilweise mit dem von der Staatsanwaltschaft angenommenen Ablauf vereinbar sind.
Auf der anderen Seite existieren LĂŒcken â insbesondere der Zeitraum, in dem das Smartphone ausgeschaltet war.
Und dann gibt es jene kurze Pause, die laut Experten kaum mit einem Bankbesuch erklÀrbar sein soll.
Zufall, technische Besonderheit oder ein entscheidendes Puzzleteil?
Das Gericht muss am Ende sÀmtliche Indizien gemeinsam bewerten.
âïž Was bedeutet das fĂŒr Gina H.?
Die neuen Daten sind zweifellos ein weiterer wichtiger Bestandteil des Verfahrens. Sie bedeuten jedoch nicht automatisch, dass der Tatvorwurf damit bewiesen wÀre.
Gina H. bestreitet die Tat und beteuert ihre Unschuld. Die Frage, welche Bedeutung die Bewegungsdaten tatsĂ€chlich haben, muss das Gericht im Zusammenhang mit den ĂŒbrigen Zeugenaussagen, Spuren und Beweismitteln beurteilen.
Fest steht aber: Das Smartphone könnte an diesem Prozesstag mehr Fragen aufgeworfen haben, als es beantwortet hat.
Warum gibt es gerade an den entscheidenden Stellen LĂŒcken?
Warum tauchen Bewegungen zu Zeitpunkten auf, die mit anderen Spuren auffÀllig zusammenpassen?
Und was geschah in dem Zeitraum, in dem das Handy plötzlich nicht mehr aufzeichnete?
Die Antworten darauf könnten fĂŒr die weitere Rekonstruktion des 10. Oktober 2025 von erheblicher Bedeutung sein.





