Emilia (†4) starb nach Zahnarztbesuch : Nach gekipptem Urteil gegen Mediziner: War es doch Mord?

Beim ersten Prozess: Narkosearzt Dr. Gerald W. (links) mit seinem Anwalt

Foto: Sven Moschitz

Frankfurt – Im September 2021 ging die kleine Emilia (4) mit ihrer Mutter zum Zahnarzt. Das Mädchen hatte Angst vor dem Bohrer und bekam deshalb ein Narkosemittel. In der folgenden Nacht starb das Kind. Der Grund: Narkosearzt Dr. Gerald W. (69) hatte bei der Hygiene geschlampt – das Narkosemittel war verunreinigt. Dafür steht er ab Mittwoch schon zum zweiten Mal vor Gericht.

Das Landgericht Frankfurt am Main hatte den Mediziner 2024 wegen Totschlags sowie dreifachen versuchten Totschlags durch Unterlassen zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht ging davon aus, dass W. den Tod des Kindes zwar billigend in Kauf genommen, aber nicht beabsichtigt hatte. „Er hatte wohl gehofft, wenn auch ohne begründeten Anlass, dass alles gut gehen würde“, sagte die Vorsitzende Richterin damals.

BGH hebt Urteil auf

Doch der Bundesgerichtshof kassierte das Urteil! Die Staatsanwaltschaft hatte erfolgreich protestiert. Jetzt muss alles neu verhandelt werden. Die entscheidende Frage: War es doch Mord? Wollte der Arzt seine tödlichen Fehler vertuschen? Handelte der Arzt aus niederen Beweggründen? Diese Fragen muss das Gericht nun tiefer beleuchten.

Weil Emilia (†4) sich beim Spielen einen Zahn abgebrochen hatte, musste sie zur Behandlung. Das Foto hat die Familie BILD zur Verfügung gestellt

Foto: Privat

Der konkrete Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der Deutsche soll am 28. September 2021 in einer Zahnarztpraxis in Kronberg (Hessen) zunächst einer erwachsenen Patientin und später vier Kindern aus derselben Flasche Propofol gespritzt haben. Laut Anklage war die Flasche zu diesem Zeitpunkt schon mit dem Sprossen-Pilz und zwei weiteren Bakterien-Kulturen verunreinigt.

Er sparte sich die Assistentin

W. ließ die jungen Patienten außerdem immer wieder allein, weil er sich eine zwingend vorgeschriebene Assistentin sparte. Trotz des schlechten Zustands der Kinder schickte er drei von ihnen nach Hause. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe so versucht, seine Fehler zu vertuschen. Denn: Mit fortschreitender Zeit ist eine Blutvergiftung schwieriger nachzuweisen.

Das Grab der kleinen Emilia

Foto: Stefan Schlagenhaufer

Ihre Eltern brachten sie eigenständig in eine Klinik. Jeremy W. (5) und Anna-Maria K. (4) hatten nach dem Aufwachen septische Schocks erlitten und zum Teil in Lebensgefahr geschwebt. Ares K. (4) bekam nach dem Aufwachen Fieber – Blutvergiftung!

Emilia starb in der Nacht

Als letzte Patientin des Tages wurde Emilia behandelt. Gegen 15 Uhr nahm sie auf dem Stuhl Platz. Im Laufe des Tages ging es ihr immer schlechter. Ein Notarzt wurde erst um 1 Uhr nachts gerufen – er soll außer sich gewesen sein. Zuvor soll der Narkosearzt selbst versucht haben, das Kind zu retten. Emilia spuckte Blut und verstarb in der Zahnarztpraxis an einem Multiorganversagen.

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