Bittere Wende nach Timmys Tod: Backhaus schickt den Wal-Rettern eine Rechnung von 140.000 Euro

Buckelwal „Timmy“ ist tot – doch der Streit um seine Rettung geht weiter. Das Umweltministerium fordert nun fast 140.000 Euro von den privaten Geldgebern.

Schwerin – Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hat eine Geldforderung an die privaten Finanziers der gescheiterten Buckelwal-Rettung gestellt. Das Land fordert rund 140.000 Euro von Karin Walter-Mommert, Besitzerin eines der größten Trabrenn-Gestüte in Europa, und MediaMarkt-Gründer Walter Gunz. Damit eskaliert der Streit um die Kosten der wochenlangen Rettungsaktion rund um den als „Timmy“ bekannten Buckelwal – acht Wochen nach dessen Tod.

Montage des toten Buckelwals vor der dänischen Insel Anholt und Till Backhaus.
Das Umweltministerium um Till Backhaus (SPD) fordert Geld von den privaten Geldgebern der Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal. (Montage) © Marcus Golejewski/Philip Dulian/dpa

Die Rettungsaktion hatte rund zwei Millionen Euro gekostet. Die größten privaten Geldgeber waren Mommert und Gunz. Zwischen Backhaus und den Millionären war als Bedingung für den Rettungsversuch eine Vereinbarung getroffen worden. Darin hatten die Finanziers die Übernahme der Kosten für die Behördentätigkeit zugesagt. Das hatte Umweltminister Backhaus in den Pressekonferenzen mehrfach angesprochen. Laut Ministerium wurde diese Vereinbarung von beiden unterzeichnet.

Für Rettungsaktion für Buckelwal: Ministerium fordert fast 140.000 Euro von Millionären

Das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt des Landes Mecklenburg-Vorpommern (MKLLU MV) beziffert seine Forderung an die Millionäre auf exakt 139.161,50 Euro. „Es handelt sich um eine zivilrechtliche Forderung auf der Grundlage der Vereinbarung, nicht um eine Gebührenerhebung“, erklärte das Ministerium gegenüber Bild.de. Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) will rund 265.000 Euro für ihre Unterstützung bei der Aktion.

In der Forderung des Landes enthalten sind demnach auch die Kosten für eine Ferienwohnung in Höhe von rund 1300 Euro. „Aufgrund der Notwendigkeit der permanenten Überwachung und Steuerung der behördlichen Maßnahmen vor Ort war es sinnvoll, dort einen provisorischen Behördenstützpunkt aufzubauen, in dem auch aufgrund der langen Anwesenheiten bis spät in die Nacht und früh morgens übernachtet werden konnte“, heißt es auf Anfrage von Bild.de.

Der Stützpunkt sei während der gesamten Rettungsmaßnahme durch Mitarbeitende des Ministeriums und nachgeordneter Behörden ständig besetzt gewesen.

Millionäre wehren sich gegen Geld-Forderung – Anwalt mit klarer Ansage

Karin Walter-Mommert bestreitet, die Vereinbarung rechtswirksam abgegeben zu haben. Zudem argumentiert sie, dass durch fest angestelltes Behördenpersonal keine Zusatzkosten hätten entstehen können.

Star-Anwalt Joachim Steinhöfel, der Walter Gunz vertritt, übte unterdessen scharfe Kritik an Umweltminister Backhaus. „Im April wollte Backhaus dem Wal noch eine Bronzefigur setzen, sprach von Symbolkraft ‚für die ganze Welt‘. Jetzt schickt er den Rettern eine Forderung über 139.161,50 Euro für angeblich mehr als 1600 Behördenstunden, von denen niemand weiß, wer sie wann wofür geleistet haben soll“, sagte Steinhöfel zu Bild.de. Sein Fazit: „Backhaus war nur so lange Walretter, wie es dafür Applaus gab.“

Buckelwal überlebte nach seiner Freilassung nur wenige Tage

Der Buckelwal war am 3. März 2026 erstmals im Hafen von Wismar gesichtet worden. Nach mehrfachen Strandungen an der Ostseeküste lag das schwer geschwächte Tier ab dem 31. März vor der Insel Poel. Am 28. April startete die private Initiative mit dem Wal Richtung Nordsee. Anfang Mai wurde er rund 70 Kilometer von Skagen, Dänemark, entfernt freigelassen. Verschiedene Experten hatten von Anfang an davon abgeraten, das geschwächte Tier zu transportieren. Sie empfahlen, den Wal in Ruhe sterben zu lassen. Backhaus bezeichnete den Rettungsversuch dennoch als rechtlich und fachlich vertretbar.

Der Wal überlebte die Freilassung nur vier bis fünf Tage. Darauf wiesen die ausgewerteten Daten des Senders hin, den das Tier zuletzt getragen hatte. Demnach steuerte das Tier direkt wieder die Ostsee an. Bis zu seinem Tod legte der Buckelwal laut Backhaus etwa 215 Kilometer zurück. „Er hat die Chance nicht nutzen können“, sagte der Minister. Am 14. Mai wurde der tote Wal vor der dänischen Insel Anholt angespült. Bei der Obduktion konnte zunächst keine klare Todesursache festgestellt werden. Die Überreste wurden in Dänemark unter anderem zu Biodiesel verwertet. (Quellen: dpa, Bild.de) (cln)

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