Gefährliches Virus schlägt schon wieder zu – erneut Person in Deutschland infiziert
Bornavirus-Infektionen sind in Deutschland selten, aber lebensgefährlich. Nach mehreren Todesfällen 2026 liegt erneut eine Person in Bayern auf der Intensivstation.
Regen – Im Landkreis Regen hat sich eine 79-jährige Person mit dem Erreger einer gefährlichen Tierseuche – dem Bornavirus – Borna Disease Virus 1 (kurz: BoDV-1) – infiziert. Wo und wie sich die Person angesteckt hat, ist zunächst noch unklar. In Bayern gab es in den vergangenen Monaten bereits mehrere Todesfälle.

Die betroffene Person wird derzeit auf einer Intensivstation behandelt, teilte das Landratsamt Regen am Montag (18. Mai) mit. „Da das Virus sich nicht von Mensch zu Mensch verbreitet, besteht keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung“, versichert Amtsarzt Jürgen Dachl laut der Mitteilung. Ein direkter Kontakt zu Feldspitzmäusen, etwa durch Bissverletzungen, sowie eine Übertragung durch virushaltige Ausscheidungen der Feldspitzmaus seien denkbar. „Ein direkter Spitzmauskontakt wäre somit nicht zwangsläufig erforderlich.“
Seltene Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) Virusreservoir für Bornavirus
Der einzige bekannte Überträger des Bornavirus ist die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). Sie scheidet das Virus über Speichel, Urin, Kot und Haut aus – ohne selbst zu erkranken. Menschen und Tiere wie Pferde oder Schafe gelten als sogenannte Fehlwirte: Sie infizieren sich, können das Virus aber nicht weitergeben.
Das Bornavirus ist seit dem späten 18. Jahrhundert bekannt, allerdings zunächst nur als Krankheitserreger bei Tieren. Erst seit 2018 entdeckten Forscherinnen und Forscher, dass das Bornavirus (BoDV-1) auch auf den Menschen übertragbar ist (Zoonose) und schwere, oft tödliche Gehirnentzündungen (Enzephalitis) verursachen kann.
Bornavirus (Borna Disease Virus)
Die sogenannte Borna‘sche Krankheit wurde erstmals systematisch beschrieben, als in der Stadt Borna (Sachsen, Deutschland) Pferde und Schafe an einer rätselhaften Gehirnentzündung (Enzephalitis) erkrankten. Die Seuche forderte viele Tierleben und gab dem Virus seinen Namen.
Bornavirus „extrem selten“: Warum häufen sich die Todesfälle 2026 in Bayern?
Bornavirus-Fälle in Deutschland sind laut dem Robert Koch-Institut (RKI) extrem selten. Jährlich erkranken fünf bis zehn Menschen am Bornavirus. In einem RKI-Merkblatt macht ein Vergleich das deutlich: „Es wird geschätzt, dass in Deutschland jährlich ungefähr 200 Menschen vom Blitz getroffen werden.“ Allerdings gilt Bayern als „Bornavirus-Hotspot“: „Die meisten Infektionen kamen bisher im ländlichen Bayern vor“, so das RKI.

Anfang Mai ist ein Mensch an den Folgen des Bornavirus in Augsburg gestorben. Ende April 2026 eine Person in Bad Wörishofen. Im Herbst 2025 starb eine 57 Jahre alte Person im Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz. Wenige Monate zuvor waren zwei Menschen im Landkreis Paffenhofen an der Ilm an dem Bornavirus gestorben.
Bornavirus-Infektionen in Bayern: Das steckt hinter den Zahlen
Die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) ist keine Maus, sondern ein seltener Insektenfresser und zählt zu den Nützlingen. Die sechs bis acht Zentimeter großen Tiere gelten als sehr scheu und nachtaktiv. Sie leben auf Brachgebieten, wie Straßenböschungen oder unter Hecken in Steinmauern oder Totholzhecken. Begegnungen mit dem Menschen gibt es kaum. Doch das Bornavirus kommt in Deutschland nur in spezifischen Regionen vor.
„Geografisch gesehen ist nahezu das gesamte Gebiet Bayerns Endemiegebiet für Borna Disease Virus 1 (BoDV-1, umgangssprachlich ‚Bornavirus‘)“, teilt das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf Anfrage der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media mit.
„Das Infektionsrisiko besteht jedoch insbesondere an der Schnittstelle zwischen menschlichem Lebensraum und dem Habitat potenziell infizierter Feldspitzmäuse (die Feldspitzmaus ist das einzige zurzeit bekannte natürliche Reservoir für BoDV-1) – häufig in ländlichen Randlagen, wo Felder unmittelbar an Wohngebiete grenzen.“
Das Bornavirus kommt allerdings endemisch neben Bayern, auch in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg und Brandenburg vor, wie auf einer Karte des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zu erkennen ist.

Bornavirus-Risiko in Deutschland: So schützen Sie sich
Das LGL empfiehlt, weder lebende noch tote Spitzmäuse mit ungeschützten Händen zu berühren. Wer auf eine tote Feldspitzmaus stößt, sollte das Tier zuerst mit einem Reinigungs- oder Desinfektionsmittel einsprühen und es anschließend in einem fest verschlossenen Plastikbeutel wegwerfen.
Bei Tätigkeiten in Schuppen oder im Garten raten die Behörden dazu, stets (Einweg-)Handschuhe zu tragen, damit Krankheitserreger nicht über Wunden in die Haut gelangen können.
Als Vorsichtsmaßnahme wird außerdem empfohlen, eine FFP2- oder FFP3-Maske sowie eine Schutzbrille zu tragen – vor allem dann, wenn beim Kehren in einem Schuppen Staub aufgewirbelt wird. Das schützt auch vor dem Hantavirus, das in Deutschland von der Rötelmaus übertragen wird. (Quellen: RKI, FLI, Landratsamt Regen, BLG, RKI) (ml)




