Dänen-Rentner klettert auf toten Buckelwal „Timmy“ – seine Erklärung macht es nicht besser

Ein Mann klettert auf den toten Buckelwal vor Dänemark – trotz Warnungen vor Explosionsgefahr oder Krankheiten. Sein Statement lässt viele fassungslos zurück.

Anholt – Er wusste von den Warnungen – und kletterte trotzdem drauf: Ein Mann hat am Sonntag für Empörung gesorgt, als er auf den Kadaver des toten Buckelwals „Timmy“ vor der dänischen Insel Anholt kletterte und sich dort fotografieren ließ. Während ein anderer Mann im Wasser stand und die Kamera zückte, posierte er auf dem verwesenden Tier – als wäre es ein gewöhnlicher Fotospot. Es waren nicht die einzigen Schaulustigen.

Ein Video, das von der Videonachrichtenagentur News5 veröffentlicht wurde, zeigt den Mann dabei, wie er unbeeindruckt auf den Wal klettert und oben posiert.
Ein Video, das von der Videonachrichtenagentur News5 veröffentlicht wurde, zeigt den Mann dabei, wie er unbeeindruckt auf den Wal klettert und oben posiert. © News5

Seit Donnerstag (14. Mai) liegt der Kadaver des Buckelwals im seichten Wasser vor Anholt, etwa 70 Meter vom Strand entfernt. Seitdem strömen immer mehr Schaulustige an den Strand, viele nähern sich dem toten Meeressäuger im Wasser, um Fotos zu machen. Doch der Vorfall vom Sonntag übertraf alles: Ein Video, das von der Videonachrichtenagentur News5 sowie von ntv/RTL veröffentlicht wurde, zeigt den Mann dabei, wie er unbeeindruckt auf den Wal klettert und oben posiert.

Stieg auf toten „Timmy“: Wal-Kletterer lässt jede Reue vermissen

Dabei handelte es sich nicht um einen Spaß oder eine Mutprobe unter Jugendlichen – im Gegenteil. Auf den Vorfall angesprochen, ließ der ältere Mann jede Reue vermissen. „Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich die Gelegenheit, auf einen Wal zu klettern. Er ist ein totes Tier. Ist er heilig? Nein!“, sagte er. Eine Erklärung, die viele fassungslos zurückließ – denn die Gefahren, die von dem verwesenden Kadaver ausgehen, sind erheblich.

Die zuständige Abteilungsleiterin der dänischen Umweltschutzbehörde, Jane Hansen, hatte bereits im Vorfeld gewarnt und appelliert, „einen ausreichenden Sicherheitsabstand einzuhalten und sich dem Wal nicht zu nähern“. Experten hatten zudem auf eine mögliche Explosionsgefahr durch Verwesungsgase hingewiesen, die sich im Körperinneren des Tieres anstauen – sowie auf das Risiko von Krankheitsübertragungen.

Todesursache von Buckelwal „Timmy“ noch unklar – Meeresbiologe mit Verdacht

Doch nicht nur das rücksichtslose Verhalten der Schaulustigen sorgt für Diskussionen. Auch die Frage nach der Todesursache des Wals beschäftigt Experten. Buckelwal „Timmy“ hatte in Deutschland wochenlang für Schlagzeilen gesorgt, eine Karte zeigt seinen Weg seit der Freilassung. Meeresbiologe Fabian Ritter nennt ein Fischernetz, das bei einer der Strandungen noch in „Timmys“ Maul steckte, als wahrscheinlichste Todesursache: „Das ist meiner Meinung nach der offensichtlichste Faktor.“

Nur eine Magenuntersuchung könne zeigen, ob das Tier die Netzreste geschluckt habe und dadurch entkräftet verstarb. Auch innere Verletzungen durch die mehrfachen Strandungen sowie den Transport auf einer Barge seien möglich. Greenpeace brachte zudem Ertrinken als mögliche Ursache ins Spiel.

Ritter fordert eine vollständige Obduktion – auch damit der Umgang mit gestrandeten Walen künftig verbessert werden kann. Denn das ist gerade in Deutschland dringend geboten (hier geht’s zum Kommentar zu Timmys Tod). Die Zeit drängt: Mit fortschreitender Verwesung steigt das Explosionsrisiko durch die entstehenden Gase stetig weiter an. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus lehnt dies allerdings ab und die Dänen schieben derweil alle Verantwortung den deutschen Behörden zu. (Quellen: News5, ntv/RTL, eigene Recherche) (mke)

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