Eklat um Buckelwal-Rettung: Tierärztin erzählt von Beobachtung nach Timmys Freilassung

Tierärztin Tönnies sollte dabei sein, als Buckelwal „Timmy“ in der Nordsee freigelassen wurde. Doch es kam anders. Nun erhebt sie schwere Vorwürfe.

Hamburg – Die Freilassung von Buckelwal Timmy am 2. Mai 2026 war offenbar chaotischer und unschöner als bislang bekannt. Tierärztin Kirsten Tönnies, die als medizinische Unterstützung an Bord war, schildert im Video-Interview mit Ippen.Media erneut Details, die aufhorchen lassen.

Tierärztin Tönnies sollte dabei sein, als Buckelwal „Timmy“ in der Nordsee freigelassen wurde. Doch es kam anders. Nun erhebt sie schwere Vorwürfe.
Tierärztin Tönnies sollte dabei sein, als Buckelwal „Timmy“ in der Nordsee freigelassen wurde. Doch es kam anders. Nun erhebt sie schwere Vorwürfe. © DPA/Ippen.Media

Der Buckelwal Timmy, der in der Ostsee strandete und dort große Aufmerksamkeit erregte, wurde in einer Rettungsaktion mithilfe eines Schleppers und eines Lastkahns aus der Wismarer Bucht in die Nordsee transportiert und am 2. Mai 2026 dort freigelassen. Seitdem ist jedoch unklar, wo sich das Tier aufhält und wie es ihm geht. Unsere Karte zeigt seinen letzten Standort.

Nach Freilassung von Buckelwal „Timmy“: Tierärztin Tönnies erhebt schwere Vorwürfe

Tönnies war an jenem Morgen zufällig früh wach, als sie beobachtete, wie die Crew des Begleitschiffes „Robin Hood“ still und leise in Richtung Boot aufbrach – ohne die Rettungsinitiative zu informieren. Auf ihre sofortige Frage, ob sie mitkommen dürfe, kam die knappe Antwort: Nein. Von den fünf Mitgliedern der Initiative durfte einzig der amerikanische Wal-Experte Jeffrey Foster übersetzen – und das nur, weil er den Männern zufällig noch hinterherlaufen konnte. Die anderen vier Aktivistinnen und Aktivisten blieben zurück.

Doch auch Foster hatte es nicht leicht. Laut Tönnies wurde er während der Freilassungsaktion massiv unter Druck gesetzt, weil er gegen das Vorgehen der Crew protestierte und verlangte, seine Teamkollegen nachzuholen. Die Situation eskalierte: Sein Handy soll ihm weggenommen worden sein, mit dem Ziel, es ins Wasser zu werfen. Laut Tönnies soll sogar damit gedroht worden sein, Foster selbst ins Wasser zu schmeißen. „Der Kapitän der Robin Hood hat gesagt, das ist die letzte Fahrt, danach macht er nichts mehr. Jeff war damit absolut nicht einverstanden.“

Was dann geschah, ist für Tönnies unverständlich. Das Taxi-Boot habe plötzlich seine Position gewechselt – von der Seite der Barge nach hinten. Die Vorwürfe sind hart: „Die haben den, glaube ich, an einem Schiff fixiert angebunden, so ist es mir von der Mannschaft später erzählt worden, und haben vorne die Barsch von ihm weggezogen. Das Schiff war viel zu dicht.“

Wie viel Angst und Stress das Tier dabei erlitten habe, lasse sich nur erahnen. Bereits zuvor hatte der Wal Verletzungen davongetragen: eine klaffende Wunde vorn am Maul sowie Schürfwunden an den Flippern – vermutlich vom nächtlichen Wellengang gegen die Bordwand der Barge. Alles halb so wild, laut Tönnies. Am Tag der Befreiung, so sei ihr von der Crew später berichtet worden, sah Timmy wieder heil aus.

Die Crew lässt über eine Kanzlei mittlerweile ausrichten (9. Mai): „Die Rettungsaktion erfolgte nach einem festen, vorgegebenen Konzept in enger Abstimmung mit Frau Walter-Mommert und dem Landwirtschaftsministerium. Unsere Mandantin war mit dem Transport des Wals beauftragt. Die Einleitung der Freilassung erfolgte bereits am 1.5.26 auf Anweisung der Privatinitiative.“

Und: Der erhöhte Seegang habe einen sicheren Personentransfer von weiteren Mitgliedern neben Jeff Foster nicht zugelassen. Tönnies‘ Schilderungen seien „unwahr“, heißt es weiter. Den Tag der Freilassung schildert die Kanzlei in ihrem Schreiben an die Presse so: „Durch das Bergungsteam wurde erneut mittels Schläuchen eine Verbindung zu dem Wal hergestellt und er kam frei. In diesem Moment wurden die Schläuche sofort gelöst, die „Robin Hood“ verdriftete seitwärts und der Wal konnte frei weiterschwimmen. Er hat nochmals geatmet, ist sodann halbtauchend an den Schiffen vorbei geschwommen und dann abgetaucht.“

Kapitän wehrt sich gegen Vorwürfe nach Timmys Freilassung

„Die ganze Aktion war ganz toll und herzlich von den Menschen. Die Verladesituation, die war Mist. Aber wer sowas auch nicht filmen lässt, muss sich immer den Vorwurf gefallen lassen, es falsch gemacht zu haben“, so Tönnies, die zuvor schon von einem brisanten Satz der Crew berichtete: „Das Mistviech ist endlich weg“, soll jemand gesagt haben. Wer, will Tönnies auch uns nicht verraten.

Der Kapitän der Robin Hood, Martin Bocklage, wehrte sich bereits vor wenigen Tagen gegen die Vorwürfe und den Hass, der auf Social Media auf ihn einprasselt, im Nordkurier. „Wie ein Taxifahrer“ sei er gebucht worden, um den bei Poel gestrandeten Buckelwal in einer am Heck befestigten Konstruktion in tiefere Gewässer zu schleppen. „Die Experten haben sich unentwegt gestritten und keine wirkliche Idee gehabt, was zu tun ist“, sagte er. Er selbst habe deren Aufträge lediglich ausgeführt.

Die Finanziers der Initiative, Karin Walter-Mommert (62) und Walter Gunz (79), haben sich bereits in einem Statement „ausdrücklich von den Geschehnissen und der Art und Weise, welche zur Aussetzung des Wales führten“ distanziert.

Ob Timmy die Strapazen überlebt hat, ist weiter unklar – doch Tönnies gibt Anlass zur Hoffnung. Sie selbst beobachtete unmittelbar nach der Freilassung gemeinsam mit Wal-Experte Pedro vom Schiff aus, wie Timmy mehrfach hintereinander blies. Pedro habe das kommentiert mit: „Toll. Genau richtig geatmet – und jetzt geht er runter.“ Zudem habe sie über interne Tracking-Daten erfahren, dass Timmy zumindest noch am späten Nachmittag des Vortages gelebt habe. Woher sie die hat, wollte sie nicht sagen. „Er war niemals so krank, wie er krank geredet wurde“, ist sich Tönnies sicher. Vielleicht wird man niemals erfahren, was aus Timmy wurde. (Quellen: Interview Kirsten Tönnies, Nordkurier.de) (mke, cn)

Hinweis: Die Schilderungen basieren auf dem Erlebnisbericht einer Augenzeugin. Eine unabhängige Überprüfung war nicht möglich.

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