Wal Timmy geht auf die Reise Eine große Gefahr bleibt bis zuletzt

Die Helfer von der privaten Rettungsinitiative haben Buckelwal Timmy in sein stählernes Aquarium geleitet. Jetzt geht die Reise los – aber ein Risiko bleibt.
Die letzten Meter ist Buckelwal Timmy am Dienstag selbst geschwommen, jetzt befindet er sich an Bord eines gefluteten Lastkahns, einer sogenannten Barge. Mit diesem soll er nun Richtung Freiheit transportiert werden.
Der Plan sieht eine Reihe von Teilschritten vor. Zuerst haben die Helfer am Dienstag den Wasserstand in der gefluteten Barge korrigiert. Dazu wurde Wasser aus den Tanks des Lastkahns gepumpt, dieser wurde so leichter und hob sich so weit aus der Ostsee, dass das Wasser in dem zu einer Seite offenen Kahn nur noch 1,60 Meter bis 1,75 Meter hoch steht.

“Optimale Strandungsposition”: So soll Timmy in der Barge liegen
So kann Timmy laut Felix Bohnsack, dem technischen Leiter der Initiative, eine “optimale Strandungsposition” in dem Kahn einnehmen. Das bedeutet: Der Wal liegt während der Fahrt auf, kann sich ausruhen und gut atmen.
Dann sollte der Lastkahn von Poel zunächst nach Wismar gebracht werden: Es ist das erste Teilstück, das Timmy mit einem Schiff fährt. In Wismar wird die Barge umgekoppelt, anschließend geht die Reise Richtung Nordsee mit los: Die 56 Meter lange “Fortuna” soll Timmy in seinem Stahlaquarium übernehmen und ziehen. Der ursprünglich für diese Aufgabe vorgesehene Schlepper “Robin Hood” soll das Gespann als Beischiff begleiten, hat allein aber laut der Rettungsinitiative nicht genug Zugkraft.

Für den Transport bis zum Eingang der Nordsee bei Skagen hatten die Helfer ursprünglich etwa dreieinhalb Tage eingeplant. Am Dienstag sprach Technik-Leiter Bohnsack, ein 22-jähriger Student, von rund vier Tagen. Die Strecke führt an Dänemark vorbei, durchs Kattegat zwischen Dänemark und Schweden hindurch und dann ins Skagerrak. Luftlinie sind das mehr als 400 Kilometer. Der Wetterbericht stimme im Augenblick optimistisch, sagte Bohnsack. Die “Fortuna” samt Barge und Timmy könnten also gut vorankommen – wenn auch immer schön langsam, um das Unternehmen nicht zu gefährden.
Bringt die “Fortuna” den Wal bis in den Atlantik?
Was passiert, wenn die Nordsee erreicht ist, scheint im Augenblick auch den Helfern noch nicht ganz klar zu sein. Um sicher zurück in heimische Gefilde zu kommen, müsste Timmy eigentlich noch bis zum Atlantik gebracht werden. Bisherigen Aussagen der Retter zufolge ist es wohl nicht gänzlich ausgeschlossen, dass dieser Versuch auch tatsächlich unternommen wird. Aber inwiefern die Barge hochseetauglich ist, ist bisher nicht klar beantwortet.

Sicher ist: Am Bestimmungsort soll Timmy freigelassen werden. Die Helfer hoffen, dass er sich gesundheitlich bis dahin weiter erholt hat. Das Meerwasser werde entlang des Weges allmählich immer salzhaltiger, sagte Bohnsack. Dies werde dem Tier guttun.
Wenn es so weit ist, kann die Barge dem technischen Leiter der Initiative zufolge geneigt werden, sodass der Wal animiert wird, loszuschwimmen. Dies soll ganz langsam und allmählich geschehen, die Initiative habe nicht vor, Timmy einfach schnell abzuladen, sagte Bohnsack.

Kann Timmy schwimmen – oder geht er einfach unter?
Und dann wird es spannend: Ist der Wal so weit gestärkt, dass er in der Lage ist, loszuschwimmen? Der Walexperte Fabian Ritter hatte im Interview mit t-online Zweifel angemeldet: Wenn es Timmy schlecht gehe, drohe er im offenen Atlantik einfach unterzugehen. Hat er nicht mehr die Kraft, um an die Oberfläche zu kommen, würde der Wal unter Wasser qualvoll ersticken.
Der Wal müsse in der Barge wohl fixiert werden, hatte Ritter gemutmaßt. Nur so könne verhindert werden, dass er sich während der Fahrt selbst verletzt, wenn er in Panik gerät. Bei einer Fixierung würden allerdings wohl Timmys Muskeln übersäuern – was für ein Losschwimmen im Meer schlecht wäre.
Bisher wurde Timmy allerdings nicht fixiert: Er fühle sich in der Barge offenbar pudelwohl, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. Platz scheint der Wal Luftaufnahmen zufolge auch reichlich zu haben – sodass er wie schon auf seiner Sandbank vor Poel weiter Flipper und Fluke bewegen könnte und im günstigsten Fall mit jedem Tag der Reise trainierter und fitter wird.




