Gerichtsbeamter zweigte über Jahre 1,4 Millionen Euro ab
4,5 Jahre Knast wegen Untreue
Rechtspfleger Malte G. (42) gestand die Untreue-Taten im Prozess: „Es war ein großer Fehler. Ich habe viele Menschen enttäuscht.“
Braunschweig – Drei Kinder, Behandlungskosten für Haustiere, Raten für das Häuschen, weitere Kredite. Rund 4000 Euro Gehalt als Beamter des Sozialgerichts reichten für Malte G. (42) offenbar nicht aus. Mit einem Trick bediente er sich jahrelang aus der Landeskasse. Am Ende fehlten 1,42 Millionen Euro! Mit dem Geld soll er u. a. kostspielige Luxus-Reisen unternommen haben.
Am Donnerstag sprach das Landgericht Braunschweig sein Urteil gegen den diplomierten Rechtspfleger: viereinhalb Jahre Gefängnis wegen besonders schwerer Untreue in 499 Fällen. Es ist der bislang größte Untreue-Schaden eines Beamten in der Geschichte der Justiz in Niedersachsen.
Seit 2007 war Malte G. (42) für das Sozialgericht Braunschweig tätig, er schrieb ein Fachbuch über „Die Kostenerstattung im Sozialrecht“
Justizbeamter rechnet fiktive Anwaltshonorare ab
Richter Dr. Ralf-Michael Polomski: „Dem Angeklagten ging es darum, der Familie ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen.“ Malte G. war beim Sozialgericht für die Abrechnung von Anwaltsgebühren im Rahmen der Prozesskostenhilfe zuständig. Er erfand Anwaltsvergütungen und überwies die Beträge auf sein Privatkonto. Der Richter: „Er achtete darauf, dass Einmalzahlungen nicht 1000 Euro überschritten. Dies bewegte sich im Rahmen üblicher Honorare.“
Seine mitangeklagte Ehefrau Vanessa-Maria G. (43) erhielt eine Bewährungsstrafe. Die dreifache Mutter will erst spät von den Machenschaften ihres Mannes erfahren haben
Durch Kollegin flog die Betrugsmasche auf
Im Februar 2024 wurde das seit etwa neun Jahren währende Betrugskonstrukt offenbart. Eine Kollegin war über eine verdächtige Überweisung gestolpert und meldete sie. Das Finanzministerium Niedersachsen beziffert den Gesamtschaden auf 1,42 Millionen Euro. Weil viele Untreue-Fälle verjährt sind, wurde der Beamte vom Landgericht nur für die Veruntreuung von 861.000 Euro belangt.
Im Prozess gestand der vom Dienst suspendierte Malte G. die zur Last gelegten Taten. Er sei überrascht gewesen, dass es so viel Geld war.
Malte G. und seine Ehefrau (43) unternahmen u.a. Kreuzfahrten. Auf das Haus des Paares wurde zur Schadenswiedergutmachung eine Sicherungshypothek eingetragen
Auch Ehefrau des Beamten verurteilt
Seine mitangeklagte Ehefrau Vanessa-Maria G. (43) kam wegen Geldwäsche mit zwei Jahren Haft auf Bewährung davon. Laut Gericht kann es ihr nicht verborgen geblieben sein, dass auf dem gemeinsamen Konto im Schnitt plötzlich 13.000 Euro im Monat mehr zur Verfügung gestanden haben. In ihre Strafe fließt auch eine Verurteilung des Amtsgerichts Soltau ein. Vor einem Jahr erhielt sie wegen fahrlässiger Tötung eines Ersthelfer-Paares auf der A7 acht Monate Haft auf Bewährung.




