“Ku’damm 77” nicht die finale Staffel? Was Claudia Michelsen dazu sagt

"Ku'damm 77" nicht die finale Staffel? Was Claudia Michelsen dazu sagt | © ZDF

Die Kindheit von Caterina (Claudia Michelsen) steht diesmal im Fokus | ©ZDF

Nach drei erfolgreichen Staffeln geht mit “Ku’damm 77” die prominent besetzte Geschichte über Tanzschulbesitzerin Caterina Schöllack Jahr in die vierte Runde. 

Wie war es, in Deutschland jung und eine Frau zu sein? Diese Frage steht weiter im Zentrum der Serie. Autorin Annette Hess nimmt uns mit in die 1970er-Jahre und zeigt eine neue Generation von Töchtern,  mal witzig, mal ernst – aber immer bewegend.

In der Wohnung über der Tanzschule Galant am Kurfürstendamm leben inzwischen drei Generationen: die Matriarchin Caterina (Claudia Michelsen), ihre Töchter Monika (Sonja Gerhardt) und Helga (Maria Ehrich) und die Enkelinnen Dorli (Carlotta Bähre) und Friederike (Marie Louise Albertine Becker). Nur Eva (Emilia Schüle)ist zunächst noch für längere Zeit “im Ausland”, wie man ihren Gefängnisaufenthalt umschreibt.

 

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Die drohende Versteigerung der Tanzschule bringt die Familie an ihre Grenzen. „Mutti“ Caterina kämpft verzweifelt um den Erhalt der Tanzschule und darum, den äußeren Schein zu wahren. Als ein Verwandter stirbt, reist die ganze Familie zur Beerdigung, auch in der Hoffnung auf ein gutes Erbe. Doch diese bleibt leider ebenso unerfüllt wie Caterinas Wunsch, nicht an ihre Kindheit erinnert zu werden.

Das ZDF zeigt alle neuen “Ku’damm”-Folgen im ZDF-Streaming-Portal. Die drei 90-minütigen Filme sind am Montag, 12., Dienstag, 13., und Mittwoch, 14. Januar 2026, jeweils um 20.15 Uhr im Zweiten zu sehen.

Im HÖRZU-Interview erklärt Claudia Michelsen, welche Herausforderungen für Caterina bevorstehen und was sie über eine weitere Fortsetzung der ZDF-Reihe denkt:

HÖRZU: Claudia Michelsen, wie war es nach so langer Zeit, wieder am Set von „Ku’damm“ – also im „Ku’damm“-Kosmos – zu sein?

CLAUDIA MICHELSEN: Naja, was soll ich sagen, es war tatsächlich ein bisschen wie nach Hause kommen. Wenn man sich mit einem so wunderbaren Team über einen Zeitraum von zehn Jahren durch die verschiedensten Dramen der Schöllack Frauen leben darf, dann verbindet das natürlich. Ich glaube bei allen ist viel passiert in den letzten zehn Jahren und irgendwie schwingt das natürlich auch noch mit. Aber sicherlich ist es keine Selbstverständlichkeit, dass man sich jeden Tag auf die gemeinsame Arbeit freut und dass man traurig ist, wenn es vorbei ist. So war das jedenfalls diesmal mit der „Familie“.

HÖRZU: Annette Hess hat HÖRZU am Set erzählt, jede Figur habe diesmal wieder einen schweren Weg zu gehen. Welche Herausforderungen stehen Caterina bevor?

CLAUDIA MICHELSEN: Das würde ich ungern verraten, weil die Bücher von Annette Hess ja wirklich davon leben zu überraschen und das am laufenden Band. Mir geht’s beim Lesen oft so, dass ich denke: Das kann sie jetzt nicht ernst gemeint haben – sie ist einfach grenzenlos im Geschichten erzählen, sprengt übliche Erzählstrukturen und das immer wieder. Und genau das ist das Großartige an Annette, weil sie wirklich Unmöglichkeiten geschehen lässt, ganz leicht und selbstverständlich. Irgendwie ist „Kudamm“ auch Zeitzeugnis. Sie erzählt Historie über den Alltag dieser Familie. Da gibt’s eine Tochter, die zur Polizei will, da gibt es Kontakt mit Drogen, Disco lebt auf, die Vergangenheit holt Caterina ein und vieles mehr. Inzwischen sind wir sieben Frauen im Hauptcast! Das finde ich ganz außerordentlich, denn ich kenne kein zweites Format, das so konsequent weibliche Perspektiven erzählt. Annette Hess ist da wirklich eine Vorreiterin. Sie fächert die Frauenbilder jeder Epoche auf – von 56 über 59/ 63 und jetzt 77. Da gibt es die inzwischen ältere Caterina, die immer ein wenig von vergangenen Zeiten träumt, dann gibt es natürlich Monika, Helga und Eva, erwachsene, im Leben stehende Frauen, die inzwischen selbst mit ihren Töchtern (Dorli und Friederike) zu kämpfen haben.

HÖRZU: Wie lässt sich Caterinas Entwicklung im Vergleich zur ersten Staffel erklären?

CLAUDIA MICHELSEN: In „Ku’damm 56“ war Monika die Rebellin, die gegen das Korsett der Zeit, gegen die Prinzipien und die Strenge ihrer Mutter ankämpfte, eine junge Frau, die sich mit Rock’n Roll emanzipiert hat. Ich habe mich oft gefragt: Warum ist diese Caterina so? Bis mir klar wurde, dass viele Frauen nach dem Krieg so waren, weil sie in den meisten Fällen alleinerziehende Mütter waren und funktionieren mussten. Diese preußische, fast schon militante Disziplin, hielt alles zusammen, was verloren gegangen war. Ich glaube viele der damaligen Frauen haben sich daran festgehalten. Über die Jahre hat sich Caterina natürlich entwickelt. Sie ist weicher geworden, ruhiger vielleicht auch, aber nicht weniger energisch. Sie überlässt das Feld, sie gibt ab, soweit es geht.

HÖRZU: Wie viel Freude macht es Ihnen, Caterina immer wieder zu spielen und weiterzuentwickeln?

CLAUDIA MICHELSEN: Sehr viel. Ich habe mit dieser Rolle eine wunderbare Zeit. Natürlich war das Drama am Anfang ein anderes, inzwischen hat die Figur sogar Momente von Komik. Ich hoffe natürlich trotzdem, dass alles, was wir erzählen, dabei wahrhaftig bleibt. Aber es ist schon eine tolle Party, die Caterina und ich da immer feiern dürfen. Wirklich, wenn man sich auf die Umsetzung des Geschriebenen freut, das ist doch die beste Voraussetzung.

HÖRZU: Emilia Schüle, Maria Ehrich und Sonja Gerhardt haben gesagt, dass sie heute viel besser nachvollziehen können, wie es Ihnen damals am Anfang gegangen sein muss – einfach, weil ihre eigenen Serientöchter jetzt in dem Alter sind, in dem die drei in „Kudamm 56“ selbst waren. Haben Sie beim Dreh von „77“ auch mal gedacht: Mädels, jetzt wisst ihr, was ich damals mit euch Küken mitgemacht habe?

CLAUDIA MICHELSEN: (lacht) Nein, das habe ich nicht und Küken waren die jungen Damen schon gar nicht. Die Frauen, der 50er hatten ganz andere Nöte als die Frauen der 70er. Die Rebellion der 50er war eine andere als die der 70er – und das ist wirklich spannend zu erzählen, obwohl sich die Töchter-Mütter-Konflikte natürlich irgendwie auch wiederholen, ja.

HÖRZU: Können Sie sich eine Fortsetzung vorstellen – beispielsweise „Ku’damm 85“ oder „Ku’damm 89“?

CLAUDIA MICHELSEN: Auf jeden Fall, obwohl ich nicht soweit nach vorn springen würde. Ich glaube wir hätten alle große Lust dazu, noch ne Runde auf dem Parkett zu drehen. Der Dreh zu „77“ war so besonders, so im Miteinander – man spürte, dass alle wussten, was sie aneinander haben. So ein Ensemble, das über Jahre zusammengewachsen ist, ist ein Geschenk. Kudamm würde ohne all diese so sehr dazu beitragenden Gewerke gar nicht funktionieren.

HÖRZU: Was würden Sie sagen, wenn RTL Ihnen ein Angebot für „Let’s Dance“ macht?

CLAUDIA MICHELSEN: (lacht) Das hat mit Caterina wirklich gar nichts zu tun und mit Claudia erst recht nichts. Ich bewundere alle, die das machen, aber ich selbst? Nein, nein auf keinen Fall.

HÖRZU: Schlussfrage: Was sind Ihre weiteren spruchreifen Projekte für 2026 – was ist bereits in der Pipeline und darf schon verraten werden?

CLAUDIA MICHELSEN: Eine ganze Menge. Es kommt ein Kinderfilm ins Kino: „Die Maske der Makonde“, außerdem sind zwei neue Polizeirufe abgedreht. Derzeit drehe ich noch mit Elmar Fischer ein wirklich spannendes Kinoprojekt über Tamara Bunke – ich spiele ihre Mutter, klein, aber so fein. 2025 war ein sehr sehr volles Jahr, ein bisschen durchatmen und neu sortieren wird erst mal wichtig sein.

 

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